Nach einem spannenden Qualifying bahnt sich beim Großen Preis von Österreich auch ein unterhaltsames Rennen an. WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli startet nur von Platz vier, vor ihm stehen seine beiden ärgsten Verfolger Lewis Hamilton und Polesetter George Russell. Zudem ist Max Verstappen in der Zeitenjagd am Samstag plötzlich wiedererstarkt. Mercedes, Ferrari, Red Bull: Wer am Sonntagnachmittag (15.00 Uhr) seine Piloten auf das Podium bringt, ist ungewiss – ein Ausblick auf den achten Grand Prix der Saison.

SPANNUNG: Das spektakuläre Qualifying hat einen Vorgeschmack auf das Rennen geliefert. Viele Top-Teams kamen mit Update-Paketen nach Spielberg, zumindest bei der Zeitenjagd lag das Feld eng zusammen. Auch Verstappen oder einer der beiden Ferrari-Piloten hätte die Pole Position holen können. Dass Russell trotz der Gefahrensituation bei Verstappens Crash, bei der er kurz vom Gas gehen musste, Schnellster wurde, zeigt aber auch: Noch hat Mercedes das stärkste Auto. „Morgen wird es ein großer Kampf“, sagte Russell: „Ich freue mich sehr über den ersten Platz, aber im Rennen wird es sehr heiß. Die Ferraris sehen extrem schnell aus, sie sind das schnellste Team aktuell.“

HITZE: Am Sonntag werden Temperaturen von bis zu 36 Grad erwartet, es ist der heißeste Tag des Rennwochenendes in der Steiermark. Die FIA reagierte schon, bevor die Autos aus den Garagen rollten und sprach eine Hitzewarnung aus. Die Teams sind verpflichtet, Komponenten eines Kühlsystems ins Auto zu bauen. Die Fahrer können außerdem Kühlwesten tragen. Weil diese aber noch längst nicht über die gesamte Renndauer funktionieren, verzichten viele. Belastend wird das Rennen auch für die Autos. McLaren-Pilot Lando Norris hatte im Training brennende Bremsen, auch das Gummi leidet. „Die Reifen werden sich mehr abnutzen als geplant, es wird eher zwei Stopps geben als ein Ein-Stopp-Rennen“, sagte Racing-Bulls-Teamchef Peter Bayer bei Sky.

SCHICKSAL: Hängt die Zukunft von Verstappen am Rennen in Spielberg? Das war immer wieder zu lesen, ein Abschied von Red Bull scheint möglich. Um seinen unzufriedenen Top-Piloten bei Laune zu halten, versuchte der österreichische Rennstall zum Heimrennen mit einem runderneuerten Auto den Rückstand auf die Spitze zu verkürzen. Im Qualifying funktionierte es. Verstappen war bis zu seinem Crash konkurrenzfähig. Setzt sich der Trend im Rennen fort?

ORDER: Die Dominanz der Silberpfeile hat nach Ausfällen in den jüngsten Rennen gelitten – auch, weil sich Antonelli und Russell immer wieder offen duellierten. Das Ergebnis: In Barcelona gewann erstmals kein Mercedes-Pilot, sondern Hamilton im Ferrari. Weil sich der WM-Kampf zuspitzen könnte, bat Teamchef Wolff seine Fahrer zum Gespräch. „Toto hat sich sehr klar geäußert“, sagte Antonelli. Kriegen die Mercedes Druck von der Konkurrenz, „wird es eine Teamorder geben, insbesondere, wenn eines der beiden Autos ein besseres Tempo zeigt“. Liegen die Mercedes uneinholbar vorne, „können wir frei fahren“, erklärte der Italiener. Ob das klappt, zeigt sich frühestens am Sonntag. Die Erinnerungen an den „Krieg der Sterne“ zwischen Hamilton und Nico Rosberg sind allgegenwärtig.

REGELN: Russell schob sich im Qualifying auf die Pole Position, weil er die Regeln kannte. „George hat es einfach super clever gemacht, uns ist es erst später aufgefallen: Es war nur einfach Gelb. Für ihn freut es mich ganz besonders“, sagte Teamchef Wolff bei Sky. Bei Doppel-Gelb hätte Russell stärker abbremsen müssen, die zweite Pole Position in Serie wäre unerreichbar gewesen. Antonelli brach seine Runde ab. „Eine Erfahrungssache“ sei das, sagte Wolff. Am Sonntag werden alle Fahrer ganz genau auf die Warnungen schauen.