Superstars wie Lionel Messi, Kylian Mbappe, Ousmane Dembélé lassen es bei der WM 2026 gehörig krachen. Doch sie alle haben noch nicht das vollbracht, was Oleg Salenko heute vor genau 32 Jahren geglückt ist. Der russische Angreifer hat am 28. Juni 1994 beim WM-Vorrundenspiel gegen Kamerun fünf Tore erzielt.

Bis heute ist Salenko der einzige Spieler, der je in einem WM-Match fünfmal traf. Besonders ist dabei, dass er fast aus dem Nichts kam und nach seinem Meisterstück genauso schnell wieder verschwand.

Die Weltmeisterschaft 1994 hatte für ihn eigentlich wenig positiv begonnen. Das Team unterlag zunächst Brasilien mit 0:2 und im Anschluss Schweden mit 1:3. Salenko traf gegen die Skandinavier vom Punkt und markierte damit sein erstes Tor für Russland in seinem siebten Länderspiel.

Salenko schreibt Kamerun WM-Geschichte

Niemand hätte aber ahnen können, dass der russische Stürmer nur drei Tage später Geschichte schreiben sollte. Vor dem Duell mit Kamerun durfte sich Russland noch Hoffnungen machen, als einer von vier Gruppen-Dritten in die nächste Runde zu kommen.

„Wir hatten mit Brasilien und Schweden zwei sehr starke Teams in der Gruppe. Wir wollten unbedingt weiterkommen. Die Chance war ja da“, erinnerte sich der heute 56-Jährige später an den legendären Tag zurück.

Die Salenko-Show im Stanford Stadium begann bereits in der 15. Minute mit dem Treffer zum 1:0. Ein laut Salenko „besonders wichtiger Treffer“ gegen eine Mannschaft aus Kamerun, die zu dieser Zeit als „Stolz Afrikas“ galt. „Danach beginnst du, Spaß zu haben und vieles entwickelt sich zu deinen Gunsten“, führte die WM-Legende aus.

WM 1994: „Manchmal hat man solche Vorahnungen“

Mit jeweils zwei weiteren Treffern in den Durchgängen eins und zwei wurde der zuvor mäßig bekannte Angreifer plötzlich zum Held einer gesamten Nation.

„Vor dem fünften Tor wusste ich bereits, als ich auf Songo’os (Kameruns Torhüter) Tor zulief, dass ich den Ball über ihn hinweg heben und treffen würde“, erinnert er sich an seinen letzten Geniestreich.

Während die Fußballwelt aus dem Staunen nicht mehr herauskam, hatte Salenko seinen Wundertag schon in seinen Träumen kommen sehen. „Manchmal hat man solche Vorahnungen. Psychologie ist im Fußball sehr wichtig“, schilderte er.

Russland lag seinem Super-Knipser nach dem Gala-Auftritt zu Füßen, die WM-Hoffnung war mit einem Schlag zurück.

Russland fliegt trotz Salenko-Show aus

Nur zwei Tage später sollten sich alle Träume aber in Luft auflösen. Überraschende Siege von Saudi-Arabien gegen Belgien und von Bulgarien gegen Argentinien sorgten dafür, dass Russland auf Platz fünf der Tabelle der Gruppen-Dritten zurückfiel und ausschied.

Salenko gewann zwar den „Goldenen Schuh“, jedoch sollte sein legendärer Auftritt gegen Kamerun sein letzter im Russland-Trikot sein. Den Tag seines letzten Länderspiels teilt er sich mit keinem Geringeren als Kamerun-Legende Roger Milla.

Der damals 42-Jährige hatte den Ehrentreffer für die „Unzähmbaren Löwen“ erzielt und ging als ältester WM-Torschütze in die Geschichte ein.

Roger Milla (Kamerun, li.) und Oleg Salenko (Russland)
Roger Milla (Kamerun, li.) und Oleg Salenko (Russland) Roger Milla (Kamerun, li.) und Oleg Salenko (Russland) © IMAGO/Sven Simon

Während Milla seine Karriere mit insgesamt 102 Länderspielen bis zum letzten Tropfen ausgekostet hatte, sollte die WM für den damals 24 Jahre alten Salenko eigentlich der Startschuss sein.

Der neue russische Nationaltrainer Oleg Romanzew startete jedoch einen konsequenten Neuanfang und nominierte Salenko nicht mehr. Seine einzige wirkliche Sternstunde im Nationaldress ging so schnell vorbei, dass er sie gar nicht bewusst wahrnehmen konnte.

So erinnert er sich nur noch daran, völlig entkräftet bei der Dopingkontrolle gesessen zu haben.

„Die Partie fand um ein Uhr nachmittags statt, bei einer Temperatur von über 40 Grad. Wir waren unglaublich dehydriert und es dauerte anderthalb Stunden, bis wir fertig waren“, schilderte er. Trotz des Medium-Echos in Russland sei im Team davon wenig angekommen. „Mir wurde eigentlich erst nach der Karriere so richtig bewusst, dass ich einen WM-Rekord hielt“, verriet er.

WM 1994 der negative Wendepunkt einer spannenden Laufbahn

Seine aktive Laufbahn startete er bei  Zenit Leningrad, wo er im Alter von 16 Jahren zum Profi wurde. Im Jahr 1989 folgte der Wechsel zu Dynamo Kiew, wo er 45 Tore in 129 Spielen erzielte, ehe er 1992 zum damaligen spanischen Erstligisten CD Longronés wechselte.

1993/94 überzeugte Salenko mit 16 Toren und schaffte auch dank seiner WM-Glanzstunde den Sprung zum FC Valencia. Genau dieser Wechsel war für ihn jedoch ein negativer Wendepunkt.

Nach nur sieben Saisontoren verließ er Valencia und schloss sich den Glasgow Rangers an. Ein Jahr später ging die Reise weiter zu Istanbulspor. Zwar zeigte sich Salenko am Bosporus im ersten Jahr torhungrig, konnte daran aber nicht anknüpfen.

Es folgten zwei kurze Aufenthalte in der zweiten spanischen Liga und in der polnischen Ekstraklasa, jedoch führten Formschwächen und Verletzungen zu einem recht frühen Ende seiner Laufbahn im Alter von 31 Jahren.

Salenko wird Beachsoccer-Coach und gerät in finanzielle Schwierigkeiten

Salenko hielt dem Fußballsport – wenn auch auf anderem Untergrund – die Treue und wurde Trainer der ukrainischen Beachsoccer-Nationalmannschaft. Der WM-Held aus dem Jahr 1994 geriet jedoch auch in finanzielle Probleme und wollte sogar seinen „Goldenen Schuh“ verkaufen.

„Mein kleines Geschäft ist durch die weltweite Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten. Ich muss einige Schulden abbezahlen“, erklärte er im Jahr 2010. „Ich habe ein gutes Angebot aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten“, fügte er hinzu.

Dem Angebot von 500.000 Euro könne er nur schwer widerstehen. Ob Salenko seine Trophäe aber tatsächlich verkauft hat, ist unbekannt.

Ohnehin ist es um die einstige WM-Ikone, die seit 2001 in Kiew lebt, in der Öffentlichkeit ziemlich ruhig geworden.

Russland-Krieg für Salenko auch ein familiäres Drama

Lediglich 2023 gab er ein bewegendes Interview im spanischen Sportmedium Relevo, in dem er sich über den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine äußert.

„Ich war bei einem Freund zu Hause und sie kündigten die Ausgangssperren an, von acht Uhr abends bis fünf Uhr morgens. Wir waren anderthalb Tage dort, ohne Informationen oder irgendetwas, und hörten zu, wie die Bomben fielen“, erinnerte er sich an den Kriegsbeginn.

Salenko, der Sohn eines Ukrainers und einer Russin ist und einst sogar ein Länderspiel für die Ukraine bestritten hat, entschied sich für einen Verbleib in Kiew.

„Hier bin ich mit meiner jetzigen Familie. Aber meine erste Familie, ein Sohn und meine Ex-Frau, sind in dem Land, das mich angreift. Verstehst du, wie groß das für mich ist? Alles explodierte und ich war hier, um die Leute zu beruhigen. Ich bin Russe und habe die Leute beruhigt. Ich bin Russe und lebe in der Ukraine, weshalb ich mir solche Sorgen mache. Auf der einen Seite und auf der anderen habe ich Freunde“, beschrieb der scharfe Kritiker des Krieges von Russland-Präsident Wladimir Putin sein Dilemma.

Eineinhalb Monate nach Kriegsbeginn entschloss sich Salenko dazu, „an die Front zu gehen“ und befand sich an den „am stärksten zerstörten Orten“ der Ukraine. „Wenn ich dir wirklich sage, wie die Situation ist … besser, es nicht zu sagen. Es ist Mist“, teilte er seine Wut.

Obwohl er von viel Leid, Traurigkeit und Angst konfrontiert wurde, verspüre er selbst keine Angst. „Ich habe bereits meine Erfahrungen gemacht und mein Leben gelebt. Ich habe Angst um meinen Sohn, er muss leben“, erklärte er in Bezug auf den 19-Jährigen, der selbst für Dynamo Kiew spielt.

„Wir werden es überwinden, wir werden überleben. Wir werden das ertragen“, möchte er dennoch positiv bleiben.