In der 97. Minute ihres zweiten WM-Gruppenspiels bekam die Schweiz einen Elfmeter zugesprochen. Diese Verantwortung obliegt bei den Eidgenossen dem Chef Granit Xhaka höchstpersönlich. Umso mutiger wirkte es vom 20-Jährigen Johan Manzambi, beim Alphatier Ansprüche auf die Ausführung anzumelden.

Sein Auftreten begeistert nicht zuletzt zwei deutsche Ikonen. Thomas Müller und Mats Hummels, die bei der WM für MagentaTV im Einsatz sind, könnten sich den Mittelfeldspieler gut bei den beiden größten Vereinen Deutschlands vorstellen: „Er ist für mich einer – und jetzt können wir auch mal eine Schlagzeile machen – den sich auch der FC Bayern mal genauer anschauen sollte“ sagte Müller. „Oder der BVB“, ergänzte Hummels umgehend.

Die Schweizer Fußballwelt liegt Johan Manzambi zu Füßen
Die Schweizer Fußballwelt liegt Johan Manzambi zu FüßenDie Schweizer Fußballwelt liegt Johan Manzambi zu Füßen© IMAGO/Xinhua

Manzambi: Hummels und Müller sind begeistert

„Man spürt die Flexibilität, man spürt diese Unbekümmertheit“, beschrieb Müller Manzambis Eigenschaften. Laut Hummels ist der Youngster des SC Freiburg derjenige, „der Aktionen initiiert hat und mit seiner individuellen Qualität am meisten kreiert hat.“

Meinungen, die durchaus auch zu den Entscheidungsträgern durchgedrungen sein dürften. Öffentliches Interesse bekundeten Bayern und der BVB jedoch noch nicht. Ein Transfer dürfte ohnehin ein schwieriges Unterfangen werden. Laut der BBC steht der gebürtige Genfer schon seit Monaten auf dem Wunschzettel von Manchester City, dem FC Arsenal und Manchester United.

Dabei hat Manzambi gerade einmal seine erste komplette Saison als Profi hinter sich gebracht. In 27 Bundesliga-Spielen für den SC Freiburg gelangen ihm fünf Tore und fünf Vorlagen. In der Europa League war er in 15 Einsätzen ein wichtiger Baustein auf dem Weg ins Finale.

Manzambi könnte zum Rekordtransfer werden

Dass seine Zukunft voraussichtlich nicht im Breisgau liegen wird, war schon vor der WM ein offenes Geheimnis. Ein Transfer könnte den Freiburgern eine Rekordsumme einbringen. Mindestens 30 Millionen Euro sollen laut Sky für den torgefährlichen Zentrumsspieler fällig werden. Sollte er seine Leistungen im Turnier konstant halten, dürfte der Preis noch weiter steigen.

Können der BVB und Bayern bei diesen Zahlen überhaupt mithalten? Klar ist: Sollten die finanzstarken Klubs aus der Premier League tatsächlich ernst machen beim 20-Jährigen, wird es für die Bundesligisten schwer, bei den Gehalts- und Ablösesummen mitzugehen.

FC Bayern und BVB chancenlos?

Abgesehen von der Kaufkraft der Vereine stellt sich für Manzambi vor allem die Frage nach der sportlichen Perspektive. Beim Rekordmeister haben junge Talente erfahrungsgemäß einen schweren Stand, ihren Platz in der Mannschaft zu finden. Ein prominentes Beispiel aus der Vergangenheit ist Ryan Gravenberch.

Der Niederländer kam 2022 für 18,5 Millionen Euro als großes Versprechen von Ajax Amsterdam. Nach einer Saison als Ergänzungsspieler zog es den damals 21-Jährigen weiter zum FC Liverpool, wo er zum Leistungsträger wurde.

Anders sieht die Gemengelage dagegen beim BVB aus. Die Borussia hat sich in der Vergangenheit oft als gutes Karrieresprungbrett für junge Spieler erwiesen. Zumal mit dem Abgang von Julian Brandt ein Kreativposten im Mittelfeld frei wird. Für den Vizemeister dürfte das hohe Preisschild des Schweizers aber noch deutlich problematischer werden als für den FCB.

In der Bundesliga traf Manzambi auch gegen den FC Bayern
In der Bundesliga traf Manzambi auch gegen den FC BayernIn der Bundesliga traf Manzambi auch gegen den FC Bayern© IMAGO/MIS

„Sankt Johan“ verzaubert die Schweiz

In der Schweizer Nati ist Manzambi inzwischen für viele Fans zum Hoffnungsträger der WM aufgestiegen. Sowohl beim 1:1 gegen Katar als auch beim 4:1 gegen Bosnien und Herzegowina kam der Youngster von der Bank und zeigte sich prompt als belebendes Element.

Gegen Bosnien gelang ihm sogar Historisches, als er sich mit seinen zwei Treffern zum jüngsten Joker-Doppelpacker der WM-Geschichte machte.

„Sankt Johan“ taufte ihn der Schweizer Blick daraufhin. Der Tages-Anzeiger verglich ihn direkt mit einer der prägendsten Figuren der jüngeren Schweizer Fußballvergangenheit: „Sie sind grundverschiedene Typen, aber was früher für Shaqiri galt, gilt nun für Manzambi: Er ist der Spieler mit dem gewissen Etwas.“

Über die Rolle des Einwechselspielers kam er bisher aber selten hinaus. In zehn Länderspielen kam er achtmal von der Bank in die Partie. Die Rufe nach einem Startelfeinsatz werden in der Schweiz nun lauter. Nati-Trainer Murat Yakin sieht ihn bisher vor allem als Unruhestifter gegen eine müdegespielte Abwehr.

Eine ähnliche Situation wie für Deniz Undav im DFB-Team. „Egal, ob ich von Anfang an spiele, eingewechselt werde oder gar nicht zum Einsatz komme“, wollte Manzambi selbst von der Diskussion nichts wissen.

Der Anti-Hype-Spieler

Angst, dass ihm der plötzliche Rummel um seine Person zu Kopf steigen könnte, scheint allerdings unbegründet. „Mir ist egal, wie hoch mein Marktwert ist. Ich will einfach Fußball spielen und wenn möglich alles gewinnen“, sagte Manzambi zuletzt.

Der Schweizer gilt als zurückhaltend und bodenständig. „Meine Eltern sorgen dafür, dass ich auf dem Boden bleibe“, verriet er. Auch sein Glaube spiele in seinem Leben eine wichtige Rolle. Am liebsten höre er Gospelmusik und bete täglich.

Dass er mittlerweile als Box-to-Box-Spieler den Mittelfeld-Motor gibt, war lange gar nicht abzusehen. Bis in die Jugend stand er nämlich als Torwart zwischen den Pfosten. Sein größtes Idol? Manuel Neuer.

Mit der Schweiz trifft Manzambi am Mittwoch (21 Uhr im LIVETICKER) auf Kanada und kann dort den Gruppensieg perfekt machen. Vielleicht ja mit „Sankt Johan“ in der Startelf.