Lionel Messi führte Weltmeister Argentinien mit einem Gala-Auftritt zum Auftaktsieg, stellte nebenbei den WM-Torrekord ein – hätte eigentlich aber schon in der ersten Halbzeit vom Platz fliegen müssen. So zumindest sieht es Patrick Ittrich. „Für mich ist das eine Rote Karte“, sagte der Bundesliga-Schiedsrichter bei MagentaTV über ein Foul Messis im Spiel gegen Algerien (3:0): „Wir haben diverse Beispiele aus der Bundesliga, wo das mit Rot bestraft wurde. Er wollte das nicht, ohne Frage, aber das ist kein Grund, keine Rote Karte zu geben.“

In der 31. Minute hatte Messi Algeriens Kapitän Aissa Mandi mit offener Sohle an der Wade erwischt. Da stand es bereits 1:0 durch den ersten Treffer des Superstars (17.), später gelangen ihm zwei weitere Tore (60./76.). Messi liegt damit in der Liste der Rekordtorjäger bei Weltmeisterschaften gleichauf mit Miroslav Klose (je 16).

Eine derart frühe Rote Karte hätte das gesamte Spiel verändert. Es gebe, sagte Ittrich, „drei Kriterien für übermäßige Härte: Chancen, den Ball zu spielen, Trefferbild und Dynamik. Wenn zwei erfüllt sind, kannst du immer eine Rote Karte geben, besser sind drei. Hier sind zwei erfüllt. Chancen, den Ball zu spielen, hat er nullkommanull. Das Trefferbild sieht ganz übel aus. Das Einzige, was fehlt, ist die Dynamik. Deswegen hat sich der Videoassistent nicht eingeschaltet.“

Einen Messi-Bonus sieht Ittrich aber nicht als Grund für die milde Entscheidung. „Ich bin immer vorsichtig mit solchen Aussagen, weil ich als Schiedsrichter immer nach bestem Wissen und Gewissen handle“, sagte er, das gelte auch für den Videoassistenten: „Da ist jetzt keiner von der FIFA, der von hinten reinkommt und ruft: ‚Ey, es ist Messi‘. Das wird so nicht passieren, da müssen wir uns jetzt nichts zurechtmalen.“ Vielmehr sei das Foul in der Situation „für den Schiedsrichter völlig unerwartbar“ gewesen, „deswegen glaube ich, schaltest du ein bisschen ab“.