Es ist DAS Duell im deutschen Basketball: Bayern München gegen ALBA Berlin! Erneut treffen die deutschen Giganten im BBL-Finale (Spiel eins heute ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) aufeinander. Mittendrin wird dann ein Spieler sein, der gerade versucht, den schmalen Grat zwischen NBA-Traum und Finale zu meistern – Jack Kayil.
Der 20-Jährige hat in dieser Saison eine der zentralen Rollen im Spiel der Berliner. Trotz seines jungen Alters bauen sie in der Hauptstadt voll auf das Top-Talent. In seinen 42 Einsätzen in der Liga kam der Point Guard auf beachtliche 21:24 Minuten im Schnitt.
Bei ALBA bekam das Eigengewächs vor der Saison gleich die Schlüssel in die Hand. Kayil lieferte. Er kam in der Hauptrunde auf 12,2 Punkte und 3,5 Assists im Schnitt. In den Playoffs steigerte er die Werte sogar nochmal auf 13,3 Punkte und 3,7 Assists.
Auch die NBA-Scouts wurden auf Kayil aufmerksam. Und so wird er in der kommenden Saison doch nicht den Zwischenschritt über das College gehen, sondern will es über den NBA-Draft gleich in die beste Liga der Welt schaffen. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht. In Prognosen gilt er als Zweitrunden-Pick.
BBL: Kayil will mit Meistertitel in die NBA
Doch zuvor will er mit seinem Heimatverein noch das Finale gegen den FC Bayern gewinnen. Der Plan: Erst die Meisterschaft holen, dann rüber in die NBA.
„Ja, so ist es perfekt beschrieben“, sagte Kayil in einer Medienrunde zum NBA-Draft, als SPORT1 ihn fragte, ob dies ungefähr sein Plan sei: „Ich möchte die Saison so schnell wie möglich, aber auch so erfolgreich wie möglich mit der Meisterschaft abschließen. Dann geht es nach Amerika.“
Gut für Kayil: Er muss sich, anders als die letztjährigen Ulmer Noa Essengue und Ben Saraf, nicht zwischen BBL-Finale und NBA-Draft entscheiden. Im vergangenen Jahr hatten sich die Finalserie zwischen Ulm und Bayern und der Draft überschnitten. Die Aufregung war groß. In dieser Saison passte die BBL deshalb den Spielplan an. ALBA-Star Kayil kann so beide Highlights erleben.
Dass er in Berlin in so jungen Jahren gleich eine so große Rolle bekommen hat, ist nicht selbstverständlich. Das weiß auch Kayil, der ALBA unbedingt etwas zurückgeben will: „Die Motivation ist sehr, sehr hoch. Jeder geht in die Saison und will am Ende jeglichen Titel gewinnen. Genauso bin ich auch.“
„Mit dem Team macht es super Spaß zu spielen. Da würde es mich noch mehr freuen, das mit dem Meistertitel zu krönen, sei es für meine Mitspieler, für die Organisation, aber auch für die Fans, die von Anfang an hinter mir und hinter dem Team standen“, erklärte Kayil weiter.
Drahtseilakt zwischen BBL-Finale und NBA-Draft
Doch seinen kompletten und uneingeschränkten Fokus kann Kayil auf die BBL-Playoffs nicht richten. Der 20-Jährige wandelt aktuell klar zwischen zwei Welten und muss eine Balance finden.
Der Point Guard muss seine Freizeit neben dem Training und der Spielvorbereitung dazu nutzen, NBA-Teams für Gespräche zur Verfügung zu stehen oder eben an Medien-Calls teilzunehmen.
Dort verriet er zwischen Spiel drei und vier der Halbfinalserie aus seinem Hotelzimmer in Bamberg: „Es hat Vor- und Nachteile. Ich hätte mich gerne nochmal vor anderen Teams gezeigt, weil ich glaube, dass man da den Teams auch nochmal andere Dinge näherbringen kann, die die von einem noch nicht gesehen haben und die man im Spiel nicht immer zeigen kann. Aber durch aktive Spiele kann man die wichtigsten Dinge zeigen. Ich versuche, das Beste daraus zu ziehen.“
Konkret meint er damit, dass er eben nicht zum NBA-Combine in den USA konnte, eine Bühne, bei der sich die Talente in Trainingseinheiten und bei Interviews den verschiedenen Franchises direkt vorstellen.
Kayil auch dank ALBA mit NBA-Chancen
Stattdessen musste er diese Gespräche nebenbei aus Hotelzimmern führen. Ob das auch Einfluss auf seinen sportlichen Fokus hatte? Zumindest sanken seine Zahlen nach 18 und 17 Punkten in den Spielen eins und zwei im Anschluss auf acht, acht und zehn Zähler.
Bei der Belastung und dem Druck, der auf dem jungen Point Guard lastet, nicht verwunderlich. Beschwerden gibt es aber keine. Kayil weiß, wie das Business läuft und er weiß auch, dass er seine Möglichkeit, in die NBA gedraftet zu werden, auch seiner Chance bei ALBA zu verdanken hat.
„ALBA spielt eine sehr wichtige Rolle. Hier wieder zu spielen, hat mir sehr geholfen, auch weil es nicht so war, wie bei anderen Wechseln, wo man vielleicht erstmal ankommen muss und sich an die Stadt und Organisation dran gewöhnen muss. Das fiel mir hier total leicht. Ich bin sehr, sehr froh mit der Rolle, die ich hier bekommen habe“, sagte der 20-Jährige auf SPORT1-Nachfrage.
„Ich habe sehr viel Vertrauen von Mitspielern, Coaches, etc. bekommen. Da hatte ich zum allerersten Mal in meiner Karriere die Möglichkeit, mein volles Potenzial zu zeigen, auch mal mit Fehlern mal weiterzuspielen“, erklärte Kayil weiter: „Daran konnte ich sehr wachsen, auch weil ich viele Spiele gespielt habe. Ich habe zum ersten Mal auch europäisch gespielt. Das hat auch sehr geholfen, vieles vom Basketball zu sehen.“
NBA? „Wenn man das erleben kann, hat man im Leben was erreicht“
Kayil hat einen klaren Karriereplan. Dieser sieht als nächsten Schritt vor, gedraftet zu werden – und sich dann in der NBA zu etablieren: „Es war immer mein Traum, in der NBA zu spielen. Nach der guten Saison, die ich gespielt habe, sehen wir eine hohe Chance, dass es klappen könnte. Deswegen haben wir die Entscheidung getroffen, All-In zu gehen.“
Zu Beginn der Saison hatten ihn zwar einige NBA-Scouts auf dem Zettel. Dass er schon im 2026er-Draft ausgewählt werden könnte, galt aber als unwahrscheinlich. Deshalb sollte nach dieser Saison eigentlich ein Wechsel ans College nach Gonzaga folgen.
Doch seine starke Saison bei ALBA veränderte das Bild: „Ich habe ein paar Signale bekommen und hatte auch schon einige Interviews mit den NBA-Teams, wo man sich auch ein bisschen kennengelernt hat. Das Feedback danach war sehr gut.“
Dass er sich selbst in der NBA sieht, daraus macht der Point Guard keinen Hehl. „Ich sehe mich sowieso ziemlich gut“, sagte Kayil deutlich: „Da spielen die besten Spieler und dann mal sagen zu können, dass man es dahin geschafft hat oder sich mit denen gemessen hat oder auch sie geschlagen hat, ist so ein Traum. Wenn man das wirklich erleben kann, kann man sehr stolz sein und hat im Leben was erreicht.“
Doch zuvor will der 20-Jährige noch etwas mit ALBA Berlin erreichen und die Meisterschaft zurück nach Berlin bringen. Erste Chancen dazu hat er schon am Freitagabend bei Spiel eins in München. Ein guter Auftritt könnte dann auch seine NBA-Chancen weiter steigern.