Die sensationelle Reise geht weiter: Die polnische Tennisspielerin Maja Chwalinska hat das Finale der French Open (täglich im LIVETICKER) erreicht und steht als erst zweite Qualifikantin überhaupt in einem Grand-Slam-Endspiel.
Die 24-Jährige schlug am Donnerstag auch die Russin Diana Schnaider, die vom deutschen Trainer Sascha Bajin betreut wird, mit 7:6 (7:4), 6:4. Vor Chwalinska war ein solcher Lauf einer Qualifikantin nur der Britin Emma Raducanu gelungen, die sich bei den US Open 2021 sogar den Titel holte.
„Es ist ein Traum, ehrlich gesagt. Ich weiß nicht, was hier vor sich geht“, sagte Chwalinska völlig entgeistert nach der Partie: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Sorry, ich bin einfach so glücklich.“
Boris Becker: „Ein Star ist geboren“
Sie fühle sich nach fast drei Wochen im Turnier körperlich und mental zwar nicht großartig, wolle den erstaunlichen Moment nun aber genießen: „Es ist ein Grand Slam, du musst alles und mehr geben. Ich beschwere mich nicht.“
Wie so häufig wirkte Chwalinska äußerlich sehr fokussiert und ruhig. Innerlich aber tobe „ein Sturm“, erklärte sie mit einem schüchternen Lächeln.
„Ein Star ist geboren. Wer vor ein paar Wochen dieses Finale getippt hätte, hat jetzt einen Sechser im Lotto“, erklärte TV-Experte Boris Becker bei Eurosport.
Für die Weltranglisten-114., die es erstmals überhaupt ins Hauptfeld beim Höhepunkt der Sandplatzsaison und nun ihren neunten Sieg in Serie an der Seine schaffte, ist es schon vor dem Endspiel das mit Abstand beste Turnier ihres Lebens. In Paris bestritt sie ihr erstes Halbfinale überhaupt auf Tourlevel.
Die French Open der Sensationen
Im Endspiel um die Coupe Suzanne Lenglen trifft sie nun am Samstag auf Schnaiders Landsfrau Mirra Andreeva. Die 19-Jährige hatte sich zuvor nach einer starken Vorstellung mit 6:1, 6:3 gegen Marta Kostjuk aus der Ukraine durchgesetzt. Als erste nach 2005 geborene Spielerin steht die Weltranglistenachte in einem Major-Finale, auch bei den Männern gelang dieses Kunststück noch niemandem.
Bei den French Open verabschiedete sich im Verlauf des Turniers schon so manche namhafte Favoritin. Vor allem das Aus von Aryna Sabalenka im Viertelfinale kam einer Sensation gleich.
Chwalinska und Schnaider standen sich zum zweiten Mal auf Sand gegenüber. Zuletzt hatten sie sich bei einem ITF-Event in Istanbul vor vier Jahren als Nummer 268 und 471 der Welt duelliert – den Sieg sicherte sich damals Schnaider. Auf dem Court Philippe-Chatrier ging sie nun als Favoritin in das Match. „Hoffen wir mal, dass sie sich nur auf den Ball konzentriert und nicht auf die Gegnerin oder das Ranking“, hatte ihr Trainer Bajin vor dem Spiel bei Eurosport betont.
Bei geschlossenem Dach entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe, mit ihrem variantenreichen Spiel stellte Chwalinska die Russin immer wieder vor Probleme. Und auch als Schnaider im Tiebreak schon klar in Führung lag, gab die Polin nicht auf – und holte sich nach 1:17 Stunden den ersten Satz. Andreeva hatte zuvor für ihren Sieg eine Minute weniger benötigt.
In Satz zwei zeigte sich ein ähnliches Bild, beiden Spielerinnen war das intensive Spiel körperlich anzumerken. Doch Chwalinska ließ sich nicht mehr aufhalten.