Kennet Eichhorn selbst sagt wenig. Jedenfalls nicht öffentlich. Für die großen Worte sorgten zuletzt andere. Stefan Leitl, sein Trainer bei Hertha BSC, nannte ihn ein „unfassbares Talent“. Die spanische Zeitung Marca stilisierte ihn bereits zum „Mini-Kroos“.

Max Eberl wiederum formulierte es so: „Ich finde, wenn du Kennet Eichhorn siehst – und der FC Bayern würde sich damit nicht beschäftigen –, dann würden wir unseren Job nicht machen.“ Und auch Borussia Dortmunds Sportdirektor Ole Book ließ keinen Zweifel am Interesse aufkommen: „Wir mögen ihn.“

Kennet Eichhorn im Trikot der Hertha
Kennet Eichhorn im Trikot der HerthaKennet Eichhorn im Trikot der Hertha© IMAGO/Jan Huebner

Wohin verschlägt es Eichhorn?

Der Grund für all die Aufmerksamkeit: Seit Wochen wird munter darüber spekuliert, in welchem Trikot der erst 16 Jahre alte Mittelfeldspieler in der kommenden Saison auflaufen wird. Bleibt er in Berlin? Oder geht Eichhorn, wie viele erwarten, schon jetzt den nächsten Schritt?

Zum FC Bayern vielleicht, zum BVB oder zu Bayer Leverkusen? Ein Wechsel ins Ausland gilt ebenso als denkbar. Medienberichten zufolge haben europäische Topklubs wie der FC Barcelona, Real Madrid, der FC Liverpool und Manchester City den Teenager längst auf dem Zettel. 

So richtig voran geht im Werben derzeit allerdings nichts. Aus gutem Grund. Das liegt auch an der Seite des Spielers. Zwar soll die Ablösesumme für Eichhorn, der vertraglich eigentlich noch bis 2029 an Hertha gebunden ist, bei vergleichsweise moderaten neun Millionen Euro liegen. Doch dabei dürfte es nicht bleiben.

Sein Berater soll zusätzlich ein Handgeld von zehn Millionen Euro fordern. Man kann auch von üppig sprechen. Für jemanden, der zweifellos als Ausnahmetalent gilt – der in seiner noch jungen Laufbahn bislang aber erst 19 Einsätze im Profibereich vorzuweisen hat. In der 2. Bundesliga und im DFB-Pokal, wohlgemerkt. Erste Reaktionen ließen entsprechend nicht lange auf sich warten.

Bayern und BVB aus Eichhorn-Poker raus?

Bei einigen der interessierten Klubs stieß diese Forderung auf wenig Gegenliebe. Nach Informationen von SPORT1 verabschiedete sich der FC Bayern umgehend aus dem Kreis der möglichen Abnehmer.

Die finanziellen Vorstellungen auf Spielerseite, so heißt es, passten nicht zu den Rahmenbedingungen des Rekordmeisters. Auch der BVB soll wohl nicht bereit sein, ein Gesamtpaket von rund 20 Millionen Euro zu stemmen. Aus dem Umfeld des Klubs ist zu hören, der Spieler müsse für sich entscheiden, ob für ihn vor allem die sportliche Perspektive zähle oder doch eher die finanziellen Anreize.

Liverpool hingegen sei wegen der kolportierten Millionensumme nicht grundsätzlich abgeschreckt. Die Engländer hätten aber – ähnlich wie Manchester City – ein anderes Problem zu lösen. Beide Klubs dürften gezwungen sein, zunächst eine Ausweichlösung zu finden, etwa in Form eines Leihvereins. Hintergrund sind Regularien, nach denen Klubs aus Nicht-EU-Staaten keine minderjährigen Spieler verpflichten dürfen.

Liverpool und City müssten also kreative Konstruktionen entwickeln, um einen Transfer überhaupt möglich zu machen. Die Frage drängt sich also auf: Hat sich Eichhorn womöglich verzockt – oder gibt es längst einen heimlichen Favoriten?

Anders als Bayern und Dortmund sollen die Leverkusener im Rennen um Eichhorn weiterhin aussichtsreich dabei sein. Die Werkself bemüht sich bereits seit Längerem um das viel umworbene Talent und rechnet sich nach wie vor gute Chancen auf eine Zusage aus. Schon im März reisten Geschäftsführer Simon Rolfes und Direktor Profifußball Kim Falkenberg nach Berlin, um mit dem Umfeld von Eichhorn konkrete Gespräche zu führen und für einen Wechsel im Sommer ins Rheinland zu werben. Einige Punkte könnten tatsächlich für ein solches Szenario sprechen.

Macht es Eichhorn wie Maza?

Da ist zum einen Ibrahim Maza. Der algerische Nationalspieler wechselte 2025 von Hertha BSC unters Bayer-Kreuz und ging damit genau jenen Schritt, der nun auch bei Eichhorn diskutiert wird. Seitdem verläuft seine Entwicklung nahezu mustergültig.

Der offensive Mittelfeldspieler ist bei der Werkself längst unumstrittener Stammspieler und gilt als einer der zentralen Hoffnungsträger. Eichhorn und Maza sollen sich dem Vernehmen nach eng austauschen. Zudem verkündete der Klub am Mittwoch, dass Herthas bisheriger U17-Coach Konstantinos Kotsifakis künftig in Leverkusen arbeiten wird.

Der Deutsch-Grieche soll dort als Co-Trainer der U19 fungieren und sich zugleich um die Leihspieler des Profiteams kümmern. Kotsifakis gilt allerdings nicht nur als aufstrebender Trainer, sondern auch als wichtiger Förderer Eichhorns.

Neben dem Vater des 16-Jährigen zählt er zum engsten Kreis der Vertrauten, zur Familie soll der Kontakt auch über das Sportliche hinaus eng sein. In Herthas U15 arbeiteten Eichhorn und Kotsifakis ein Jahr lang sehr erfolgreich zusammen. In der Frage nach Kennets Zukunft hält sich der Trainer zwar zurück. Dennoch spekuliert die Bild bereits, ob dieses Detail ein entscheidender Hinweis im Poker um Eichhorn sein könnte.

Das ist wohl Leverkusens größter Konkurrent

Fest steht: Konkurrenzlos ist Leverkusen trotz der Rückzüge aus München und Dortmund nicht. Nach Informationen von Sky bemüht sich auch der FC Liverpool weiter intensiv um einen Transfer. Doch immerhin hat Leverkusen inzwischen eine zentrale Personalfrage geklärt: Carles Martínez Novell wird neuer Bayer-Coach werden. Für Eichhorn ist genau das ein entscheidender Punkt. Eine Zusage, so hieß es, würde er keinem Verein erteilen, solange nicht feststeht, wer dort künftig an der Seitenlinie steht. Wichtig sei für ihn nicht nur der Name des Trainers, sondern vor allem dessen Idee vom Spiel und die Rolle, die er ihm darin konkret zuschreibt.

Gerade bei einem Spieler in diesem Alter wiegt dieser Faktor besonders schwer. Sollte Martínez Eichhorn davon überzeugen können, hätte Leverkusen im Werben um das Berliner Top-Talent durchaus ein gewichtiges Argument auf seiner Seite. Noch ist die Lage offen, noch zieht sich der Poker um den umworbenen Mittelfeldspieler hin. Vieles wirkt derzeit wie ein Festhängen in einer Warteschleife – lange dürfte dieser Schwebezustand aber kaum noch anhalten.