Der TSV 1860 München steht vor einem Scherbenhaufen: Aus finanziellen Gründen steigt der Traditionsverein aus der 3. Liga ab. Investor Hasan Ismaik war nicht bereit, die Liquiditätslücke in Höhe von 2,7 Millionen Euro zu schließen.

Während die TSV-Bosse dem jordanischen Geschäftsmann Vorwürfe machen, sieht dieser die Schuld beim einstigen Bundesligisten. Ismaik beteuerte in einem Statement, dass das nötige Geld bereitgestanden habe – eine Einigung aber dennoch ausblieb. Im Folgenden seine Erklärung im Wortlaut.

Hasan Ismaik bei einem Besuch des Münchner Training-Geländes im Sommer 2025
Hasan Ismaik bei einem Besuch des Münchner Training-Geländes im Sommer 2025Hasan Ismaik bei einem Besuch des Münchner Training-Geländes im Sommer 2025© IMAGO/Ulrich Wagner

Darum hat Ismaik die Löwen nicht gerettet

„Liebe Löwen,

es schmerzt mich sehr, Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Verein die Lizenz für die Teilnahme an der 3. Liga in der kommenden Saison nicht erhalten wird.

Dennoch bin ich überzeugt, dass der TSV 1860 München eines Tages an den Platz zurückkehren wird, den er verdient. Dieser Verein ist größer als eine einzelne Saison und größer als jede Krise. Er steht auf einem stolzen Fundament aus Geschichte, Tradition und leidenschaftlichen Fans, die stets seine größte Stärke waren.

In den vergangenen Monaten haben wir intensiv mit den Vertretern der KGaA, der Geschäftsführung und des e.V. zusammengearbeitet, um eine nachhaltige Lösung für die finanziellen Herausforderungen des Vereins zu finden. Unser gemeinsames Ziel war es, die Zukunft des Vereins zu sichern und die notwendige Stabilität für den weiteren sportlichen Wettbewerb zu schaffen.

Das grundlegende Problem ist seit vielen Jahren bekannt: wiederkehrende finanzielle Defizite, die daraus entstehen, dass die Ausgaben die tatsächlichen Möglichkeiten des Vereins übersteigen. Jahr für Jahr mussten zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, um diese Lücke zu schließen. Trotz aller Bemühungen blieben die sportlichen Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück.

Aus diesem Grund haben wir den Versuch unternommen, die Bereitstellung neuer Mittel mit klaren strukturellen Reformen zu verbinden. Dazu gehören eine stärkere Corporate Governance, mehr Transparenz, klar definierte Verantwortlichkeiten sowie Mechanismen, die einen nachhaltigeren und disziplinierteren Umgang mit finanziellen Ressourcen gewährleisten.

Die Herausforderungen der KGaA sind nicht ausschließlich finanzieller Natur. Sie betreffen ebenso organisatorische Strukturen, Entscheidungsprozesse und die langfristige strategische Ausrichtung. Aus meiner Sicht ist die Bewältigung dieser Themen eine wesentliche Voraussetzung für den zukünftigen Erfolg des Vereins.

In den vergangenen Wochen haben wir mehrere Vorschläge und Lösungsansätze vorgelegt. Ich persönlich habe zusätzliche Zugeständnisse gemacht und weitere Sicherheiten angeboten, weil es mein aufrichtiger Wunsch war, die Stabilität des Vereins zu erhalten und ihm die Möglichkeit zu geben, in der 3. Liga zu bleiben.

Bis spät in die Nacht hinein schien es, als stünden wir kurz vor einer Einigung. Die erforderlichen finanziellen Mittel standen für eine sofortige Umsetzung bereit. Leider ist es uns am Ende nicht gelungen, den notwendigen Konsens zwischen allen beteiligten Parteien zu erreichen.

Heute empfinde ich große Traurigkeit. Nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch deshalb, weil ich gehofft hatte, dass wir gemeinsam einen Weg finden würden, um dem Verein Stabilität und eine neue Perspektive zu geben.

Trotz dieses Rückschlags liegt die Zukunft des TSV 1860 München weiterhin in den Händen seiner Mitglieder, Fans und Verantwortlichen. Mehr denn je braucht der Verein jetzt eine klare Vision, verantwortungsvolle Führung und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, um eine stabile und nachhaltige Zukunft aufzubauen.

Fünfzehn Jahre lang habe ich an diesen Verein geglaubt und ihn nach besten Kräften unterstützt. Über die Wege dorthin gab es nicht immer Einigkeit, doch mein Ziel war stets dasselbe: den TSV 1860 München stark, stabil und wettbewerbsfähig zu sehen.

Ich danke allen Fans, die den Verein in diesen Jahren begleitet haben, sowie allen Menschen, die sich ehrlich für seine Interessen eingesetzt haben. Von Herzen hoffe ich, dass dieser schwierige Moment der Ausgangspunkt für eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine bessere Zukunft sein wird.

Vielen Dank.

Einmal Löwe, immer Löwe.
Hasan Ismaik“