Ein ganz gewöhnlicher Austausch war es nicht, als sich Bayern-Trainer Vincent Kompany und PSV-Spieler Ismael Saibari miteinander unterhielten.

Es war Ende Januar, der FC Bayern hatte das Champions-League-Spiel bei der PSV in Eindhoven gerade mit 2:1 gewonnen, als sich Kompany und Saibari so angeregt unterhielten, dass zumindest die niederländischen Medien beide Akteure nach dem Spiel auf den Austausch ansprachen.

Vincent Kompany und Ismael Saibari im Gespräch nach dem Champions-League-Spiel zwischen Eindhoven und dem FC Bayern
Vincent Kompany und Ismael Saibari im Gespräch nach dem Champions-League-Spiel zwischen Eindhoven und dem FC BayernVincent Kompany und Ismael Saibari im Gespräch nach dem Champions-League-Spiel zwischen Eindhoven und dem FC Bayern© IMAGO/Pro Shots

„Nein, nein“, beschwichtigte Saibari, als er von Ziggo Sport direkt darauf angesprochen wurde, ob Kompany ihn von einem Wechsel nach München überzeugen wollte. „Er hat mir zu meinem Auftritt gratuliert, eigentlich unserem Team. Er meinte, dass wir so weitermachen müssten“, fügte der 25-Jährige an.

„Er ist ohne Zweifel auf einem guten Weg“

Kompany bestätigte, dass er mit Saibari nicht explizit über Wechselmöglichkeiten zum FC Bayern gesprochen habe. Den Sprung in die europäische Fußball-Elite traue ihm der Belgier in jedem Falle zu. „Ja, er ist ohne Zweifel auf einem guten Weg. Er hat Power und kann Chancen kreieren. Zudem hat er Torgefahr. Heute (beim 1:2 gegen den FC Bayern; Anm. d. Red.) hat er auch viel für seine Mannschaft verteidigt.“

Saibari verteidigte nicht nur leidenschaftlich für sein Team, sondern erzielte auch den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer. Als Sohn marokkanischer Eltern wurde der Offensivspieler im spanischen Terrassa geboren, aber auch teilweise in Belgien großgezogen und fußballerisch bei Klubs wie Anderlecht, Genk und Mechelen ausgebildet.

Auch deshalb habe Kompany eine besondere Beziehung zum PSV-Star: „Saibari ist Marokkaner, aber auch Belgier. Bei der PSV gibt es immer Jungs, die bei uns (in Belgien; Anm. d. Red.) ausgebildet wurden und ihre Sache gut machen.“

Kompanys Lob stößt jetzt auf nachhaltiges Echo

Waren die Worte an Saibari also nur ein beiläufiges Kompliment für einen Spieler eines gegnerischen Teams?

Auf ein großes Echo stießen die Sätze im Januar nicht. Seit den jüngsten Berichten von Transfer-Insider Fabrizio Romano und dem niederländischen Telegraaf, die von einer mündlichen Einigung zwischen Saibari und dem FC Bayern über einen Sommertransfer wissen wollen, ist der Plausch von Eindhoven jetzt in aller Munde.

Doch wer ist dieser Ismael Saibari eigentlich? Welche Fähigkeiten qualifizieren ihn für den deutschen Rekordmeister? Und könnte er im offensiven Starensemble der Bayern überhaupt seinen Platz finden?

Schaut man sich seine Leistungen aus der abgelaufenen Saison an, steht fest: Saibari ist ein Top-Stürmer, der sowohl abschließen als auch vorbereiten kann. Seine Abschlussstärke kennen übrigens auch die Bayern, die beim direkten Aufeinandertreffen in der Königsklasse ein sehenswertes Tor des marokkanischen Nationalspielers kassierten.

Auch gegen Bayer Leverkusen traf Saibari in der vergangenen Champions-League-Saison. Insgesamt stehen bei ihm in der Spielzeit 2025/26 in 37 Partien 19 Tore und neun Vorlagen zu Buche. Damit war er der PSV-Akteur mit den meisten Torbeteiligungen.

PSV Eindhoven: Saibari steigert Wert um das 300-fache

Sein Beitrag zur souverän errungenen Meisterschaft in den Niederlanden macht die Tatsache umso wertvoller, dass er vor sechs Jahren noch für einen Spottpreis von 200.000 Euro aus Genk verpflichtet wurde.

Heute wird der Sohn marokkanischer Eltern, der in seiner Jugend auch für Anderlecht und Mechelen spielte, für das 300-fache gehandelt. Nicht unerheblich bei der Bemessung seines Marktwerts ist seine Variabilität.

Er kann sowohl als Sturmspitze als auch im offensiven Mittelfeld und auf der linken Außenbahn eingesetzt werden, ohne dass seine Torgefahr darunter leidet.

„Er kommt immer wieder in gute Abschlusspositionen, das ist eine große Qualität von ihm. Inzwischen verbindet er das auch mit einer starken Ausbeute“, lobte ihn sein Klub-Trainer Peter Bosz nach einem Dreierpack gegen Feyenoord im Oktober.

Besonders auffällig: Ähnlich wie Michael Olise von rechts, zieht Saibiri gerne von links in die Mitte und kommt dann zu gefährlichen Abschlüssen.

Auch in der Nationalmannschaft gehört er längst zu den Leistungsträgern. Erst am Dienstag traf er beim 4:0-Sieg im WM-Testspiel der Marokkaner gegen Madagaskar doppelt.

Kann Saibari dem FC Bayern weiterhelfen?

Ob das alles aber reicht, um dem FC Bayern wirklich weiterzuhelfen und mehr als nur ein Backup für die Offensiv-Maschinerie zu sein, ist fraglich.

In der Sturmspitze würde er, solange Harry Kane dort wirbelt, nicht über den Status eines Vertreters hinauskommen. Ähnliches gilt für die Positionen dahinter. Wenn Jamal Musiala, Serge Gnabry und Luis Díaz ihre Topform erreichen, dürfte ihm zumindest vorerst nur die Rolle des Herausforderers bleiben.

Dazu kommt, dass sich Saibari sowohl bei der PSV als auch im Nationalteam schon die eine oder andere Disziplinlosigkeit leistete. Der 25-Jährige kam in Eindhoven immer mal wieder zu spät zum Training und bewarb sich beim skandalumwitterten Afrika-Cup-Finale gegen den Senegal nicht unbedingt für den Fair-Play-Preis.

Auf Videos ist zu sehen, wie er von außerhalb des Spielfelds immer wieder versuchte, Senegals Ersatztorhüter Yehvann Diouf daran zu hindern, seinem Teamkollegen Edouard Mendy ein Handtuch zu bringen, um den nassen Ball abzutrocknen.

Ist der Spieler also wirklich einer für den FC Bayern? Offensichtlich schon. Dass sich Kompany schon vor Monaten so lobend über Saibiri äußerte und sich die Bayern laut übereinstimmenden Medienberichten mit ihm schon mündlich geeinigt haben, sind zumindest klare Anzeichen dafür.