Gewonnen und trotzdem alles andere als zufrieden. Die Basketballer des FC Bayern haben sich in Spiel eins der Halbfinal-Serie gegen die Telekom Baskets Bonn zu einem glücklichen 83:78-Erfolg gemüht.
Gegen den Außenseiter aus Bonn liefen die Münchener lange einem Rückstand hinterher. Bis Mitte des letzten Viertels sah alles nach einem extremen Fehlstart aus. Zwischenzeitlich lag der haushohe Favorit mit 13 Punkten zurück, erzielte bis zum Ende des dritten Viertels nur 50 Punkte.
Nur weil dann die Offensive aufwachte und im Schlussviertel 33 Punkte erzielte, aber auch, weil den Bonnern nach der anstrengenden Fünf-Spiele-Serie gegen Würzburg im Viertelfinale die Kräfte ausgingen, zog der Favorit Spiel eins doch noch auf seine Seite.
Dementsprechend unzufrieden zeigte sich Trainer-Ikone Svetislav Pesic nach dem Spiel: „Wenn Bonn heute gewonnen hätte, wäre das absolut verdient gewesen. Sie haben uns dominiert, eigentlich das ganze Spiel. Vielleicht am Ende haben wir etwas gefunden, um das Spiel auf unsere Seite zu ziehen, vielleicht war es auch unsere individuelle Qualität.“
Pesic kritisiert Bayern deutlich: „Haben versagt“
Besonders ärgerte Pesic, dass sein Team die bekannten Stärken des Gegners nicht in den Griff bekam. Bonn erspielte sich mit schnellem Basketball immer wieder 5-gegen-4-Situationen und so auch Chancen auf Offensive-Rebounds (insgesamt 18).
„Das wissen wir alles. Wir haben erfahrene Spieler und sind darauf vorbereitet. In diesem Zusammenspiel haben wir heute leider versagt, das muss ich so klar sagen. Das müssen wir um jeden Preis verhindern und uns verbessern“, kritisierte Pesic.
„Ich bin vielleicht der einzige in dieser Halle, aber auf jeden Fall in meiner Mannschaft, der wusste, dass es heute gegen eine sehr gute Mannschaft schwer wird. Das habe ich vorher auch schon mehrfach gesagt, aber scheinbar kam das nicht überall an“, erklärte die Trainer-Legende: „Bonn hat zwar individuell keine EuroLeague-Qualität, aber wie sie als Team auftreten, ist unglaublich stark.“
Mit der Qualität am offensiven Brett erkämpften sich die Baskets insgesamt 71 Würfe und damit 13 Abschlüsse mehr als die Bayern (58 Würfe). „Ich weiß nicht, wie sie nicht gewonnen haben“, sagte Pesic deutlich.
Nachfrage bringt Bayern-Trainer in Rage
Sein Team müsse sich deshalb ganz schnell am Riemen reißen: „Wenn wir in den nächsten Spielen denken, dass wir mit unserer Offensive sowieso gewinnen, dann werden wir ganz sicher verlieren. Wir müssen ganz schnell in der Realität ankommen.“
Als SPORT1 Pesic fragte, ob sein Team Bonn unterschätzt hätte, wurde er so richtig deutlich: „Das ist keine Frage für mich. Ich unterschätze niemanden. Da müssen Sie jemand anderen fragen. Für mich ist klar: Ich respektiere jeden Gegner und unterschätze keinen Gegner.“
Anschließend holte die Trainer-Ikone zu einem seiner legendären Monologe aus: „Ich bin einer der besten Trainer aller Zeiten im europäischen Basketball. Ich habe alles gewonnen. Es gibt keinen Titel, den ich nicht gewonnen habe. Aber ich weiß, dass im Spitzensport die Vergangenheit nicht existiert. Es zählt nur das Hier und Jetzt. Nicht die Vergangenheit und nicht die Zukunft.“
Pesic: „Ich respektiere alle, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen“
„Morgen kann man nicht planen. Für heute hatte ich einen Plan, wie wir spielen und wir hatten auf der Gegenseite auch einen Gegner. Ich respektiere alle, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Das ist keine Frage für mich. Das ist eine Frage für alle“, ergänzte Pesic.
Und wer könne diese Fragen beantworten? Geht es nach Pesic, dann so ziemlich jeder im Verein: „Es ist eine Frage für den Präsidenten, den Sportdirektor, für den Kapitän, für den Medical Staff und den Coaching Staff. Fragen Sie die alle. Mir diese Frage zu stellen, ist nicht korrekt und kein Fairplay.“
Anschließend zeigte er sich dann aber auch versöhnlich und sagte lächelnd: „Aber es ist alles gut. Ich wollte das nur klarstellen.“ Auch dank des glücklichen Sieges ist die Stimmung noch gut beim FC Bayern Basketball.
Damit dies so bleibt, braucht es in den kommenden Spielen aber dringend eine Leistungssteigerung, wenn es mit dem Ziel Meisterschaft etwas werden soll. Die nächste Chance dazu gibt es schon am Montag in Spiel zwei gegen Bonn (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).