Früher, sagt Ellen Wagner und lacht, hätte sie auf die Frage nach ihrem beruflichen Wirken geantwortet: Diversity, Equality, Inclusion – das bedeutet, sie ist unter anderem als Coach für die Themen Diversität, Gleichheit und Inklusion tätig. In einer Zeit, in der es in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft Bestrebungen gibt, diese Themen als negativ zu labeln, überlege man schon manchmal, andere Begriffe zu nutzen.

Wagner, die mit ihrer Frau und den Kindern in den USA lebt, ist eine, die vieles mitdenkt, um Türen für Diskurs immer wieder neu zu öffnen. Das kostet Kraft, zumal als queere Person of Color, als Schwarze Frau in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung also. Neben den Inhalten ist es Wagner deswegen wichtig, sich selbst und andere daran zu erinnern: Nur wer Orte und Menschen zum Kraft tanken findet, kann anschließend wieder wirken und arbeiten.

Rassismus auch im Fußball

In den Workshops der Wirtschaftsexpertin geht es im Kern immer darum, dass von einer offenen und inklusiven Gesellschaft alle profitieren. Der Weg hin zu dieser Gesellschaft führt auch über die Offenlegung von rassistischen und anderen diskriminierenden Strukturen, die so festsitzen, dass Menschen in der Regel erstmal mit Abwehr reagieren, wenn sie darauf angesprochen werden. Das gilt in allen Lebensbereichen – und natürlich auch im Fußball.

Auffällig ist dann, dass Diskussionen über statt mit Schwarzen Menschen geführt werden. Wie nach den zwei Situationen im Fußball der Frauen zuletzt, als Spielerinnen Rot gesehen haben fürs Haareziehen. Hinterher driftete die Diskussion der Klubverantwortlichen schnell ab zur Frage, ob Haare nicht auf eine bestimmte Art gebändigt, gebunden werden müssen.

Es sei absolut in Ordnung, betont Wagner, dass PoC sich in diesen Situationen nicht von sich aus erklärend zu Wort melden, denn: Diese Aufklärungsarbeit koste Kraft. Nicht nur an sich, sondern auch, weil die Erfahrung damit verbunden sei, dass einem nicht geglaubt werde.

„Liebe ist keine Entschuldigung“

Dabei hat die Geste des „in die Haare Greifens“ koloniale Wurzeln, ist verbunden mit altem Denken von Wert und Besitz. Sich das einzugestehen, mag schmerzhaft sein, davon betroffen zu sein, ist aber das eigentliche Problem. Und diese Unterhaltung wird zu selten geführt.

In Coachings rate sie Personen, die negativ von Rassismus betroffen sind, immer erst für sich zu prüfen, ob sie in der Situation sicher sind, bevor sie etwas ansprechen. Wie das Gegenüber reagiert, das könne man vorher nämlich nicht wissen. „Wenn die Person nicht bereit ist, offen zu sein, neugierig zu sein, das Verhalten zu reflektieren – das war’s. Da passiert nichts.“

Wichtig sei besonders, zu verstehen, dass Rassismus ebenso wie rassistisches Verhalten nicht mit Vorsatz passieren müsse, um zu verletzen. Was wiederum bedeutet, die Auswirkungen von Rassismus reichen in alle Beziehungsgefüge hinein, denn: „Liebe ist keine Entschuldigung dafür, dass Schaden angerichtet wird.“