Frankfurts Trainer Albert Riera hat auf den Wirbel um seine Person reagiert, der infolge der aufsehenerregenden Pressekonferenz am Freitag zusätzlich Fahrt aufgenommen hatte. Der Spanier ordnete seine Aussagen vor der Partie gegen den Hamburger SV ein. „Ich habe die Aufgabe, die Spieler und die Fans zu beschützen. Das habe ich getan. Wir müssen zusammenstehen“, sagte er bei Sky.
Bei einer Nachfrage zu einem Bericht, wonach er Differenzen mit Stürmer Jonathan Burkardt habe, hatte er dies als „totalen Bullshit“ abgetan und auf der PK zu einer sechs Minuten langen Medienschelte ausgeholt. „Was soll ich erklären? Ihr schreibt sowieso, was ihr wollt“, pestete er. Hierzu sagte er nun bei DAZN: „Meine Verantwortung ist es, ein Team zu coachen. Über den Rest zu sprechen, ist es nicht […] Ich habe das Gefühl, dass ich derjenige bin, auf den sich alles bezieht. Darum habe ich gesagt, dass es genug für mich ist.“
An all seine Kritiker gerichtet, gab Riera ein bemerkenswertes Versprechen ab. Er wolle „nicht mehr oder weniger respektiert werden“ als die anderen Bundesligatrainer. „Gebt mir Zeit, eine Saisonvorbereitung, ein Transferfenster. Wenn ich dann nicht gut genug bin – vertraut mir, ihr müsst mir das nicht sagen – bin ich der Erste, der sich meldet und sagt: ‚Ich bin nicht gut genug, ich habe die Spieler nicht verbessert‘ – und werde gehen.“
Krösche mit Klartext: „Das war keine Wutrede“
Rückendeckung erhielt Riera, seit Anfang Februar bei der SGE im Amt, von Sportvorstand Markus Krösche, der von der in nahezu sämtlichen Medien zu lesenden Bewertung der Pressekonferenz nichts wissen wolle: „Es wurde von einer Wutrede geschrieben. Das war keine Wutrede. Er hat das gesagt, was in seinem Herzen war. Er hat gesagt, was ihn gestört hat. Wenn man die Fakten ansieht, dann hat er keine schwierigen Dinge gesagt, er hat seine Meinung zu dem, was eine gewisse Negativität des Umfelds anbelangt.“
Riera habe „eine sehr starke Persönlichkeit“ und sei jemand, „der eine gewisse Klarheit hat in dem, was er sagt“. Dass es Differenzen zwischen dem Trainer und Spielern gebe, die nicht wie gewünscht zum Einsatz kommen, dementierte Krösche: „Die Kommunikation ist gut. Wir haben einen breiten Kader und viele Spieler dabei, die spielen wollen, wir haben aber nur elf Plätze. Der ein oder andere Spieler sitzt dann auch auf der Bank. Das ist im Leistungsgeschäft Bundesliga so.“
Demnach spreche auch nichts gegen eine Zusammenarbeit mit Riera über den Sommer hinaus: „Wir spielen momentan nicht so gut, wie wir uns das vorgestellt haben und sind hinter unseren Erwartungen. Das hat aber nichts mit Albert an sich zu tun.“
„Dann gibt es nur einen Sieger – und das wird nicht Riera sein“
Klar ist in jedem Fall: Der Druck auf alle Beteiligten wächst, sollten sich keine besseren Ergebnisse einstellen und sogar die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasst werden. Durch die 1:2-Niederlage, auf die die Fans mit heftigen Pfiffen reagierten, ist dieses Szenario wahrscheinlicher geworden. Bereits mit einem Punktgewinn am Sonntag würde Freiburg die SGE auf Platz acht der Tabelle verdrängen.
Und Riera könnte seine Art der Kommunikation auf die Füße fallen, meinte auch Sky-Experte Dietmar Hamann: „Wenn du dich mit den lokalen Journalisten anlegst, dann gibt es nur einen Sieger – und das wird nicht er sein […] Und wenn er dann von einer vergifteten Atmosphäre spricht, dann muss er sich mal überlegen, ob er was damit zu tun hat.“
Ähnlich sah es Sebastian Kneißl bei DAZN: „Ich war total gehypt, als Albert Riera in die Bundesliga kam. Ich mag den Ansatz, den er hat. Aber mittlerweile gibt es zu viele Schlagzeilen abseits des Platzes statt auf dem Feld. Das ist die eigentliche Aufgabe.“ Entsprechend müsse Riera „aufpassen, dass es nicht kippt, nicht nur bei den Fans, sondern auch in der Mannschaft“.