Es ist gar nicht lange her, da hätten sich gerade deutsche Topspieler in der Bundesliga in Vertragsverhandlungen vor allem für den FC Bayern eine Ausstiegsklausel gesichert – diese Zeiten sind vorbei. Zwar verfügt der Rekordmeister weiterhin über große Strahlkraft, doch der Fall Nico Schlotterbeck in Dortmund zeigt, dass die inländische Konkurrenz immer vehementer versucht, die Münchner von ihren Stars fernzuhalten. Alle gegen Bayern!

SPORT1-Infos zufolge gehört der FC Bayern explizit nicht zu den Vereinen, zu denen Schlotterbeck ohne Probleme wechseln kann. Ähnliches konnte man bereits im vergangenen Sommer beobachten: In Leverkusen kämpfte man mit allen Mitteln dafür, dass Florian Wirtz – wenn er schon wechseln will – keinesfalls den Weg an die Isar findet.

Nico Schlotterbeck hat seinen Vertrag beim BVB bis 2031 verlängert
Nico Schlotterbeck hat seinen Vertrag beim BVB bis 2031 verlängertNico Schlotterbeck hat seinen Vertrag beim BVB bis 2031 verlängert© IMAGO/Kirchner-Media

Bayern ging schon bei Wirtz und Woltemade leer aus

Zur Erinnerung: Dass der DFB-Star zu Sondierungsgesprächen nach England gereist war, wurde dem Vernehmen nach von den Bayer-Bossen an die Presse durchgesteckt. Das schadete den Bayern enorm.

Und auch in Stuttgart war man bereit, den Kampf aufzunehmen. Die Führungsriege des VfB rief für Nick Woltemade einen so hohen Preis auf, dass die Bayern entnervt aufgeben mussten. Zum Ärger der Münchner bewies der Offensivmann im Nachgang keine Geduld, sondern nahm die Möglichkeit wahr, sich Richtung Newcastle zu verabschieden – und das, obwohl Bayerns Klub-Patron Uli Hoeneß ihm in Aussicht gestellt hatte, dann eben 2026 an die Säbener Straße zu kommen.

Finanzstärke aus England wird Bayern zum Hindernis

Es wäre das Modell gewesen, das die Bayern unter anderem in den Fällen von Mario Gómez und Robert Lewandowski verfolgt haben: Ein Jahr zu warten war für beide Stürmer kein Problem, sie wollten unbedingt zum FCB. Das hat sich geändert.

Dass es die Bundesliga-Konkurrenz mittlerweile leichter hat, ihre Topleute nicht an den FC Bayern verlieren zu müssen, hat einen einfachen Grund: Die finanziellen Mittel sind gerade in England so angewachsen, dass sogar ein Verein wie Newcastle United enorme Preise bezahlen kann. Obendrein lassen es sich Stars wie Schlotterbeck und Woltemade mittlerweile gefallen, wenn ihnen von ihren aktuellen Vereinen ein Wechsel zu den Bayern aktiv erschwert wird.

Neue Orientierung bei den Bayern-Bossen

Eine neue Situation für die Münchner, die in einigen Punkten umdenken (müssen). Der Transfer-Trend geht mittlerweile nicht mehr in die Richtung von deutschen Nationalspielern, sondern verlagert sich zu internationalen Stars wie Luis Díaz oder hoffnungsvollen Talenten aus dem Ausland.

Fakt ist zudem: Den Bayern ein Schnippchen zu schlagen, bereitet der deutschen Konkurrenz immer besondere Freude. Unvergessen, wie man in Leipzig 2024 die Einigung mit Xavi Simons feierte und den Münchnern relativ offen die lange Nase zeigte.

Schwingt das Pendel bald zurück?

Deshalb – und auch wegen anderer gescheiterter Deals – sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl damals: „Immer dieser saloppe Satz ‚Bayern verliert das nächste Transfer-Duell‘ – das ist dann immer eine sehr plumpe Überschrift. Man kann nicht immer von Niederlage sprechen, wenn etwas nicht funktioniert hat.“ Getan wird es aber trotzdem…

Aktuell sieht es so aus, dass das gewachsene Selbstbewusstsein der deutschen Konkurrenz den Bayern weiter Kopfzerbrechen bereiten wird, schließlich wird das Geld in England nicht weniger. Doch der sportliche Erfolg der Münchner in der aktuellen Saison könnte das Pendel zurückschwingen lassen: Ein möglicher Gewinn des Triples würde den Rekordmeister nicht nur attraktiver, sondern auch reicher machen. Dann werden die Karten neu gemischt.