Der FC Bayern bekommt es am kommenden Mittwoch mit einem wankenden Schwergewicht zu tun – und ein solches ist bekanntlich am gefährlichsten, wenn es zuvor in die Ecke getrieben wurde.

“Madrid im freien Fall – München oder der Abgrund”, titelte die spanische Zeitung As, bezugnehmend auf den letzten und nächsten Gegner des deutschen Rekordmeisters, nachdem dieser sich wohl endgültig aus dem Meisterrennen in LaLiga verabschiedet hat. 

Jude Bellingham war gegen Bayern stark, fing sich gegen Girona aber eine Ansage ein
Jude Bellingham war gegen Bayern stark, fing sich gegen Girona aber eine Ansage einJude Bellingham war gegen Bayern stark, fing sich gegen Girona aber eine Ansage ein© IMAGO/PsnewZ

Das stolze Real Madrid konnte gegen den FC Girona nicht gewinnen, nur ein mageres 1:1 sprang vor heimischem Publikum heraus. Zu wenig für den Weltklub, dessen einzige verbliebene Titelchance nun die Champions League sein dürfte. 

Bayern? Bei Real steigt der Druck ins Unermessliche

Der FC Barcelona kann den Vorsprung an der Spitze nun auf neun Punkte ausbauen: “Die München-Probe geht schief”, schrieb Mundo Deportivo, recht ähnlich titelte die Marca: “Die München-Probe endet im Fiasko”, heißt es da. Die Sport schrieb vom “weißen Debakel”. 

Man will sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn Madrid auch in München scheitern sollte. Der Druck ist im Unermesslichen angekommen – wahrlich nicht die besten Voraussetzungen für eine Aufholjagd.

Schon vor der Girona-Partie war klar: Die Madrilenen müssen einen schwierigen Spagat bewältigen. Denn nach den Bayern war und ist vor den Bayern. Gleichzeitig darf ein Team mit maximalen Ansprüchen aber auch geringe Chancen auf eine Meisterschaft nicht wegwerfen. 

Und so wählte Trainer Álvaro Arbeloa einen Mittelweg. Zwar stellte er Säulen wie Vinícius Jr. und Kylian Mbappé auf, mit Stars wie Antonio Rüdiger, Álvaro Carreras und Trent Alexander-Arnold schonte er aber auch einige Spieler. Das Abwehr-Trio stand gar nicht erst im Kader, insgesamt rotierte Arbeloa auf sieben Positionen.  

Hier hat sich Reals Trainer verpokert

Gerade die beiden geschonten Außenverteidiger sollen wohl mit frischen Beinen ins Duell mit Bayerns Superstars Michael Olise und Luis Díaz geschickt werden. Denn der vermeintliche Hoffnungsträger Ferland Mendy (er ist der wohl beste Verteidiger für links hinten) kam zwar zu einem Kurzeinsatz – aber ob er schon für einen Startelfeinsatz gegen den herausragenden Olise bereit ist, ist fraglich.

Bezeichnend: Gironas Ausgleichstreffer fiel über die verwundbare linke Flanke, die von Fran García besetzt wurde. Das Tor erinnerte gar ein wenig an den Siegtreffer der Bayern von vor wenigen Tagen. Wer es schelmisch ausdrücken will: Arbeloa hat sich hier mit seiner Aufstellung schlicht verpokert. 

Und auch Jude Bellingham – der als Joker im Viertelfinal-Hinspiel gegen die Bayern viel Schwung ins Real-Spiel brachte – diente nur bedingt als möglicher Heilsbringer. Zwar schob der Engländer bis zu seiner Auswechslung nach rund einer Stunde erkennbar an – doch beim Gegentreffer sorgte er für mächtig Unmut. 

Erst trabte er in gemäßigtem Tempo zurück, dann blieb er einfach stehen und ließ den Torschützen Thomas Lemar aus sicherem Abstand gewähren – was Abwehrchef Eder Militao auf die Palme brachte. Der Brasilianer schimpfte wutentbrannt auf die Kollegen, vor allem auf Bellingham. 

Selbst auf dem Mond ein Elfmeter?

Auch Eduardo Camavinga erlebte einen bitteren Abend. Er sollte eigentlich Selbstvertrauen tanken, da er in München wohl den gesperrten Aurélien Tchouaméni ersetzen muss. Doch der Franzose blieb blass und wurde bei seiner Auswechslung von den eigenen Fans ausgepfiffen. Nach der Partie traf es dann auch alle anderen.

Madrid wankt – dürfte aber auch mächtig Wut im Bauch haben. Nicht zuletzt, weil wie schon beim 1:2 gegen die Bayern auch nun der Schiedsrichter eine Rolle spielte. Jeweils im Mittelpunkt: Der verzweifelt anrennende Kylian Mbappé. 

Gegen die Münchner ging der Franzose mit blutigen Schrammen an der Wade vom Platz (Jonathan Tah hätte für seine unabsichtliche Attacke durchaus Rot sehen können), gegen Girona blutete Mbappé am Kopf. Nach einem Ellenbogencheck im Strafraum, der einen späten Elfmeter hätte bedeuten können. 

„Für mich ist es hier ein Elfmeter und auf dem Mond auch“, schimpfte Reals Trainer Álvaro Arbeloa. Wieder einmal fühlte er sich benachteiligt: „Es ist dasselbe wie immer.“ Die Intention hinter den Aussagen dürfte klar sein. Die Botschaft lautet: Wir gegen die bösen Schiedsrichter, Real gegen den Rest der Welt. 

„Wir müssen dahin gehen und sterben“

Abschreiben sollte man die Königlichen auf keinen Fall. „Wir wissen, dass Mittwoch unser Spiel ist, uns ist klar, dass wir dahin gehen und sterben müssen“, verkündete Arbeloa. 

Das ganze Team glaube an die Wende gegen Bayern, denn „sie werden weiße Shirts anhaben mit einem runden Wappen, dass sie (die Bayern, Anm.) vor Probleme stellen wird“. Gesprochen wie ein gefährlich wankendes Schwergewicht.

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