Tiger Woods mit „blutunterlaufenen, glasigen“ Augen, die Bewegungen „träge und langsam“, dazu zwei Schmerztabletten in seiner linken Hosentasche: Die alarmierenden Details aus dem Unfallbericht des Sheriff-Büros von Martin County zeichneten ein besorgniserregendes Bild der tief gefallenen Golfikone. Das weiß auch der 15-malige Majorchampion, er sei sich „der Schwere der Situation bewusst“, erklärte Woods – und zog die Handbremse.

„Ich werde mich für eine gewisse Zeit zurückziehen, um mich in Behandlung zu begeben und mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren“, teilte der 50-Jährige mit. Die Auszeit sei „notwendig, damit ich meinem Wohlbefinden Vorrang einräumen und auf eine dauerhafte Genesung hinarbeiten kann“. Für Woods ist nicht nur eine Teilnahme am legendären Masters in Augusta (ab 9. April) damit endgültig vom Tisch, nach den jüngsten Enthüllungen steht eine Rückkehr auf den Golfplatz in den Sternen.

Kehrt Woods dem Golf den Rücken?

Er sei fest entschlossen, sich die nötige Zeit zu nehmen, „um sowohl privat als auch beruflich wieder zu mehr Gesundheit, Kraft und Konzentration zu finden“, schrieb Woods. Wie schwierig dieses Unterfangen jedoch wird, verdeutlichten die neuesten Informationen. Den Behörden erklärte Woods, er habe vor seinem Autounfall „auf sein Handy geschaut und den Radiosender gewechselt und dabei nicht bemerkt, dass das vor ihm fahrende Fahrzeug langsamer geworden war“. Sein Wagen streifte das Heck eines vor ihm fahrenden LKW, kippte auf die Seite.

Woods wurde festgenommen und wegen Fahruntüchtigkeit und Verweigerung eines Urintests angeklagt. Einen Atemalkoholtest hatte er bestanden, die Überprüfung seines Urins jedoch abgelehnt. Seinen unrunden Gang vor Ort begründete Woods, der auf „nicht schuldig“ plädierte, mit den „mehr als 20 Operationen“ an seinem rechten Bein, an dem er 2021 beim einem Unfall schwere Verletzungen erlitten hatte. Hydrocodon, das Schmerzmittel in seiner Hosentasche, wurde schon 2017 bei ihm nachgewiesen, als er schlafend am Steuer seines beschädigten Wagens gefunden worden war.

Comeback-Pläne liegen in Trümmern

Und so blickt der US-Amerikaner, der seit der British Open im Sommer 2024 kein Turnier bestritten hat, in eine Zukunft voller Fragezeichen. Vor dem erneuten Ärger mit der Justiz hatte sich Woods in einem überraschend guten körperlichen Zustand gezeigt, so Spekulationen auf ein Rückkehr – ausgerechnet – beim Masters in Augusta geschürt. Nun liegen aber alle Pläne in Trümmern, und die Golfwelt macht sich Sorgen.

„Tiger Woods ist eine Legende unseres Sports, deren Einfluss weit über seine Erfolge auf dem Platz hinausreicht“, erklärte die PGA-Tour in einer Stellungnahme. Vor allem aber sei Woods „ein Mensch, und unser Hauptaugenmerk liegt auf seiner Gesundheit und seinem Wohlbefinden“. Er habe „weiterhin unsere volle Unterstützung bei diesem wichtigen Schritt“.

Auch wenn Woods nächste Woche „nicht persönlich dabei sein wird“, sagte der Masters-Vorsitzende Fred Riley, „wird seine Präsenz hier in Augusta spürbar sein“.