Der Deutsche Skiverband wollte „wahrscheinlich im März“ den neuen Skisprung-Bundestrainer als Nachfolger von Stefan Horngacher vorstellen. Doch daraus wird nichts.

„Wir stehen direkt vor der Zielgeraden, aber wir sind noch nicht drüber. Es gibt noch Dinge, die besprochen werden müssen“, sagte Sportdirektor Horst Hüttel am Rande des Weltcup-Finales in Planica im ZDF.

Der Sportdirektor betonte, dass für den Verband in dieser Entscheidung „Seriosität und Inhaltliches vorgehen. Wir bitten einfach um Verständnis. Es ist ja auch kein Zeitdruck da. Ich weiß, ihr hättet das jetzt gerne, aber es wird nicht mehr lange dauern.“

Horngacher prägte sieben Jahre den DSV

In Planica ist Horngacher am Sonntag letztmals als Chefcoach im Einsatz. Rückblickend würde Hüttel dem langjährigen Bundestrainer die Schulnote 2 geben: „In den gesamten sieben Jahre ist viel Tolles passiert. Wir haben einen Nationen-Weltcup gewonnen, haben einen Skiflug-Weltmeister und auch einen Olympiasieger jetzt in dieser Saison. Es ist viel Cooles passiert, aber es waren auch schwere Tage dabei.“

Er betonte, dass die deutschen Skispringer dem Anspruch des DSV vor allem in den letzten Jahren nicht immer gerecht werden konnten.

Für Horngacher blieb vor allem der Traum eines deutschen Vierschanzentourneesieges bis zum Ende unerfüllt. Skisprung-Experte Severin Freund fand dazu klare Worte: „Es ist natürlich das, auf was ganz Deutschland wartet. Klar, er (Horngacher, Anm. d. R.) hat das in Polen schon geschafft, deswegen hätte er es wahrscheinlich am meisten gerne auch in Deutschland geschafft. Man war auch da nah dran, aber hat es noch nicht geschafft.“

Grundsätzlich sei er aber sehr zuversichtlich was die DSV-Zukunft angehe: „Und es wird passieren, irgendwann, da kann man sich ganz sicher sein. Aber die Garantie für Erfolg gibt’s eben nicht.“

Skispringen: Gerüchte um einen Polen als Nachfolger

Wer die Trainer-Nachfolge übernehmen wird, ist also immer noch nicht klar. Ursprünglich galt der Österreicher Thomas Thurnbichler als Topkandidat auf die Nachfolge seines Landsmanns Horngachers. Doch Thurnbichler tendiert wohl dazu, Coach des deutschen B-Kaders zu bleiben.

Gehandelt wird der Pole Grzegorz Sobczyk, der für den Bulgaren Wladimir Sografski verantwortlich ist – Sografski trainiert als bulgarisches „Ein-Mann-Team“ mit den deutschen Springern.

Dass der Prozess so lange dauert, ist für Severin Freund ganz normal: „Es sind natürlich sehr viele Trainer im DSV beschäftigt und man kann bei vielen das Anforderungsprofil finden, wo man dann sagt: ‚Das könnte was sein‘. Aber trotzdem sucht man ja den perfekten Kandidaten.“

Diese Aufgaben soll der neue Bundestrainer angehen

Genau das bestätigte auch Horst Hüttel. Für den neuen Bundestrainer gebe es zwei konkrete Aufgaben zu bewältigen: Auf der einen Seite sollten die Springer, die aktuell sehr gute Leistungen zeigen, weiter gefördert werden. Gleichzeitig sollen aber auch „jüngere Leute aus der B-Mannschaft wieder im A-Team integriert werden.“

Hüttel sagte ganz klar, dass der DSV an „Substanz verloren hat in den letzten Jahren“ und daher vor allem der Generationenumbruch, der sicher kommen wird, gelingen muss.

Die Geduld soll sich am Ende langfristig auszahlen. „Lieber dieses eine Stück weit mehr zu Ende gedacht, als nach einem halben Jahr zu sagen: ‚Puh das haben wir jetzt vielleicht nicht so gedacht'“, sagte Hüttel. Wer dann konkret die Nachfolge übernimmt, wird vermutlich passend zum Ende der Saison in den nächsten Tagen kommuniziert werden.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)