Deutschland hat nach einem Sieben-Tore-Spektakel die Schweiz mit 4:3 (2:2) besiegt. Florian Wirtz überragte im launigen Testspiel gegen die Nati mit zwei Vorlagen und zwei Traumtoren. Die deutsche Defensive offenbarte jedoch einige Schwächen.

Bundestrainer Julian Nagelsmann sah in Basel einen engagierten Auftritt seiner Mannschaft, auch wenn bei weitem noch nicht alles funktionieren wollte. Dennoch machte der Auftritt mit Blick auf die WM in Nordamerika im Sommer Mut.

Serge Gnabry (l.) und David Raum (r.) jubeln mit Florian Wirtz
Serge Gnabry (l.) und David Raum (r.) jubeln mit Florian WirtzSerge Gnabry (l.) und David Raum (r.) jubeln mit Florian Wirtz© IMAGO/Uwe Kraft

Für Deutschland trafen Jonathan Tah (26.), Serge Gnabry (45.+2) und der bockstarke Wirtz (61., 86.). Bereits die ersten beiden Tore hatte der Liverpool-Star vorbereitet.

Wirtz‘ Gala ließ auch seinen ehemaligen Teamkollegen Granit Xhaka auf Seiten der Gastgeber ins Schwärmen geraten. „Das überrascht mich nicht. Ich hatte das Glück, mit ihm zwei Jahre die Kabine zu teilen und hatte das Glück, heute einmal wieder gegen ihn zu spielen. Er ist als Mitspieler damals oder als Gegenspieler ein Genuss. Ganz Deutschland kann froh sein, solch einen Spieler in den Reihen zu haben“, sagte der Mittelfeld-Stratege nach dem Spiel.

Für die Schweiz waren Dan Ndoye (17.), Breel Embolo (41.) und Joël Monteiro (79.) erfolgreich.

Schlotterbeck patzt folgenschwer

Vor dem ersten Gegentor spielte Nico Schlotterbeck einen folgenschweren Fehlpass, Joshua Kimmich fehlte auf der rechten Seite und Angelo Stiller verteidigte zu zaghaft. Ndoye netzte schließlich ein.

„Stiller muss da energischer hingehen. Lässt sich zurückdrängen. (Ndoye, Anm. d. Red.) kommt durch eine schnelle Körpertäuschung zum Abschluss“, analysierte RTL-Experte Lothar Matthäus die Szene.

Beim zweiten Gegentreffer verlor Tah den ehemaligen Bundesliga-Profi Embolo aus den Augen. „Tah schaltet ab. Embolo riecht es und macht das Tor“, merkte Matthäus an.

Wenig später hatte Deutschland Glück: Der Distanzschuss vom Augsburger Fabian Rieder knallte an die Latte (43.). Gnabry glich mit einem schicken Lupfer über Gregor Kobel kurz vor dem Pausenpfiff aus.

Wirtz trifft traumhaft – Karl debütiert

Für das Highlight des Spiels sorgte im zweiten Durchgang Wirtz. Der Ex-Leverkusener traf nach einem schnell ausgeführten Eckstoß traumhaft in den rechten oberen Winkel. „Da ist nichts zu halten. Geniestreich von Florian“, sagte Matthäus.

Florian Wirtz bei seinem Traumtor
Florian Wirtz bei seinem TraumtorFlorian Wirtz bei seinem Traumtor© IMAGO/MIS

„Ich würde jetzt lügen, wenn ich bei meinem ersten Tor den Ball genau dorthin schießen wollte. Ich wollte ihn aber schon auf das Tor bringen. Wenn der Ball so reingeht, nehme ich das gerne mit. Es war schon ein bisschen gewollt“, freute sich Wirtz.

Nach etwas mehr als einer Stunde kam Lennart Karl zu seinem Debüt. Der Youngster des FC Bayern wurde im Rahmen eines Doppelwechsels für Leroy Sané gebracht (63.). Nick Woltemade ersetzte den glücklosen Kai Havertz.

Kimmich blutet nach Ellenbogenschlag

Einen Schreckmoment gab es um Joshua Kimmich. Der Kapitän wurde vom Freiburger Johan Manzambi mit dem Ellenbogen im Gesicht getroffen und blutete stark (67.). Kimmich konnte nach einer kurzen Behandlungspause aber weiterspielen.

Wie aus dem Nichts traf Monteiro wenig später zum 3:3. Oliver Baumann war beim strammen Schuss des Schweizers machtlos.

Für den Schlusspunkt sorgte der alles überragende Wirtz, wieder mit einem Schuss ins rechte obere Eck. „Schon wieder ein Geniestreich“, sagte Matthäus: „Den zaubert er nochmal da oben rein.“

Wirtz? „Besser kann man es nicht machen“

Der Rekordnationalspieler war auch nach dem Abpfiff voll des Lobes für Wirtz. „Besser kann man fast nicht spielen. Er macht die entscheidenden Tore, war an den anderen auch beteiligt. Besser kann man es nicht machen. Ich würde ihm heute eine Eins mit Sternchen geben“, schwärmte Matthäus.

Damit gewinnt Deutschland erstmals seit 18 Jahren wieder gegen die Schweiz. Den letzten Erfolg gab am 26. März 2008 (4:0) – ebenfalls im St. Jakob Park.

Am Montag bestreitet die DFB-Auswahl dann ihr zweites Testspiel gegen Ghana. Anpfiff in Stuttgart wird ebenfalls um 20.45 Uhr sein.