Nicht nur in Kanada, dem Mutterland des Eishockeys, ist sein Name spätestens seit März 2026 endgültig verpönt: Radko Gudas hat sich über viele Jahre hinweg in der besten Eishockeyliga der Welt zu einem Feindbild für Fans und Gegenspieler entwickelt – er ist der Dominik Kohr der NHL.

Doch warum ist das so? Warum hasst eine ganze Liga den bärtigen Tschechen, der bereits zu Beginn seiner Karriere für Stirnrunzeln sorgte, als er Shirts mit der Aufschrift „Fear the Beard” (zu Deutsch: „Fürchte den Bart”) trug?

Radko Gudas ist das Feindbild einer gesamten Nation.
Radko Gudas ist das Feindbild einer gesamten Nation. Radko Gudas ist das Feindbild einer gesamten Nation. © IMAGO/ZUMA Press Wire

NHL: Gudas wird zur Hassfigur in Toronto

In Toronto wird kein Sport so sehr gelebt wie Eishockey. Der heimische NHL-Klub, die Toronto Maple Leafs, ist ständiges Thema in den Tageszeitungen. Im Großstadtrummel wird vermutlich kein Sport so viel diskutiert wie dieser, bei dem bärtige Männer übers spiegelglatte Eis flitzen und sich gegenseitig in die Bande befördern.

Spätestens seit dem 13. März hat die eishockeyverrückte Stadt ein neues Feindbild: den Tschechen Radko Gudas. Der Verteidiger der Anaheim Ducks hatte zuvor den Kapitän der Leafs und NHL-Superstar Auston Matthews mit einem bösen Kniecheck über den Haufen gefahren.

„Das ist eine dreckige Aktion“, erregte sich Leafs-Trainer Craig Berube damals: „Wir hatten vier Mann auf dem Eis, die etwas dagegen hätten unternehmen sollen.“ Ducks-Trainer Joel Quenneville spielte dagegen die Aktion herunter, sie sei „nicht vorsätzlich“ erfolgt. „Er hat das in seiner Karriere schon ein paar Mal gemacht“, erinnerte sich wiederum Torontos Stürmer Matthew Knies.

NHL-Superstar niedergestreckt

Die Spieldauerstrafe gegen Gudas konnte die Anhänger der Toronto Maple Leafs aber vermutlich nicht über die tragischen Folgen hinwegtrösten. Denn Matthews musste von Betreuern gestützt das Eis verlassen und kehrte nicht mehr zurück. Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich wenig später.

Der 69-Tore-Mann aus der Saison 2023/24 und Kapitän von Olympiasieger USA hatte sich bei der fiesen Aktion das Innenband im Knie gerissen und wird für den Rest der Spielzeit 2025/26 ausfallen. Die ohnehin schon geringen Playoff-Hoffnungen in Toronto konnten somit ad acta gelegt werden.

Der 35-jährige Gudas wurde von der Liga bzw. dem Department of Player Safety (DOPS) in der Folge zu einer Sperre von fünf Spielen verdonnert – es ist bereits die Fünfte in seiner Karriere. Insgesamt hat er dabei 26 Spiele verpasst und rund 850.000 Dollar Strafe zahlen müssen.  

Die Aktion löste eine Grundsatzdiskussion darüber aus, inwiefern solche Aktionen härter bestraft werden sollten und wie der Spielerschutz verbessert werden kann. So bezeichnete der Berater von Matthews die Strafe als „lächerlich und absurd“ und schlug vor, das DOPS gleich mit zu suspendieren.

Die wiederum gab in der Folge zu verstehen: „Wir untersuchen den Vorfall, nicht die involvierten Spieler. Der Prozess ist definiert, wir halten uns dabei an die Richtlinien, die uns der Gesamtarbeitsvertrag vorgibt.“

Eine Zwickmühle für die Liga – auch, weil Gudas bekanntlich nicht zum ersten Mal mit Aktionen an der Moralgrenze auffällig geworden ist.

Radko Gudas ist Kapitän bei den Anaheim Ducks
Radko Gudas ist Kapitän bei den Anaheim Ducks Radko Gudas ist Kapitän bei den Anaheim Ducks © IMAGO/Larry MacDougal

Gudas wird auch zum kanadischen Feindbild

Radko Gudas und die Toronto Maple Leafs führen eine toxische Beziehung mit Vorgeschichte. Denn bereits in der Saison 2022/23 hatte Gudas, damals noch im Trikot des späteren Meisters Florida Panthers, für Zorn in der kanadischen Stadt gesorgt. Sekunden nach dem entscheidenden Playoff-Overtime-Treffer baute er sich vor dem Goalie der Leafs auf und brüllte ihn höhnisch an.

Dies nahm er Jahre später zum Anlass, erneut gegen die Fans der Leafs zu sticheln: „Die Leute hier können immer noch nicht darüber schlafen. Es ist einer dieser Momente, die sich in einer Sekunde ereignen.“

Doch damit nicht genug der Stiche ins kanadische Eishockey-Herz. Bereits am 18. Februar, im Viertelfinale des olympischen Eishockeyturniers, hatte Gudas, der in der kanadischen Presse auch als „der Metzger“ bezeichnet wird, für einen kollektiven Aufschrei gesorgt.

Auch dieses Mal hatte sein Opfer einen prominenten Namen. Kein Geringerer als Superstar Sidney Crosby konnte nach einem Check des Tschechen nicht mehr weiterspielen. Der Kapitän der Ahornblätter verpasste aufgrund dieser Aktion das Halbfinale und das letztlich verlorene Finale.

Radko Gudas streckt Sidney Crosby bei Olympia nieder
Radko Gudas streckt Sidney Crosby bei Olympia niederRadko Gudas streckt Sidney Crosby bei Olympia nieder© IMAGO/CTK Photo

Olympia: „Kanadische Geschichte beeinflusst“

Übrigens soll Gudas auch im Umgang mit den Schiedsrichtern in dieser Partie kein Kind von Traurigkeit gewesen sein. So soll er den schwedischen Schiedsrichter Mikael Holm während eines Protests gegen eine Zwei-Minuten-Strafe mit den Worten „Steh auf deinen verdammten Knien, du verdammter Sch****lutscher!“ angeschrien haben.

Der kanadische Sportsender Sportsnet fasste die Eskapaden zusammen: „Die Fans sehen einen Verteidiger, dessen psychischer Stil nun zwei Playoff-Rennen und eine olympische Geschichte beeinflusst hat. Die Sperre wirkt im Vergleich dazu gering.“

Zu dieser hatte sich Gudas nach seiner Rückkehr in den Spieltagskader gegen die Vancouver Canucks – im Spiel stand er 15 Minuten auf dem Eis – erstmals geäußert. „Ich finde es wirklich schrecklich, wie es ausgegangen ist, dieser Zusammenstoß. Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich will da draußen niemals jemanden verletzen. Es ist ein hart umkämpftes Spiel und ich fühle mich schrecklich wegen des Ausgangs“, erklärte er.

Gudas: Entschuldigung an Matthews

Gegenüber Matthews habe er sich nach eigener Aussage entschuldigt. Die Strafe der Liga respektiere er ebenso. Sein Rüpel-Image will er aber trotz der vielen Zwischenfälle nicht akzeptieren: „Ich habe versucht, auf der guten Seite zu bleiben. Ich habe lange durchgehalten, über sieben Jahre seit meinem letzten Vorfall. Also tue ich alles in meiner Macht Stehende, um Sperren zu vermeiden, hart zu spielen, aber dabei auf der guten Seite zu bleiben.“

Grundsätzlich will der Tscheche aber an sich arbeiten: „Jeder Spieler muss sich im Laufe seiner Karriere weiterentwickeln, besser werden und sich in jedem Aspekt seines Spiels verbessern, um in der Liga zu bleiben und an der Spitze zu bleiben. Definitiv Entwicklung, Lernen, da steckt eine Menge Arbeit drin.“

Bei der Arbeit am eigenen Ruf wird er jedoch nicht an Worten und Versprechungen gemessen. Seine Aktionen auf dem Eis werden zeigen, ob der Bart in der gesamten NHL und speziell im Mutterland des Eishockeys weiterhin gefürchtet wird.