Natürlich legte Michael Olise wieder dieses coole Pokerface auf, als er sich nach der Partie in Bergamo mit dem Award für den Spieler des Spiels selbst fotografierte.

Diese Lässigkeit ist längst zu einem Markenzeichen geworden – durchaus gewollt, wie man sich an der Säbener Straße erzählt. Der Franzose will endgültig zu einer internationalen Marke werden.

Michael Olise glänzt beim FC Bayern als Unterschiedsspieler
Michael Olise glänzt beim FC Bayern als UnterschiedsspielerMichael Olise glänzt beim FC Bayern als Unterschiedsspieler

Rein sportlich ist er ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Mittlerweile hat er in statistischen Punkten selbst Bayern-Legende Arjen Robben überholt und begeistert in fast jedem Spiel – der Öffentlichkeit gehen die Superlative aus. Es ist kein Problem, seinen Spielwitz immer wieder aufs Neue zu loben.

Der wortkarge Olise blüht auf

Von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat sich Olise aber derweil auf den Weg gemacht, seine letzte „Schwachstelle“ auszumerzen. Für seine Verhältnisse häufig taucht er mittlerweile an den Mikrofonen auf – ein Punkt, den der Franzose bislang tunlichst vermieden hat, aber für einen großen Star einfach dazugehört. Gerade internationale Medien kommen aktuell in den Genuss, Statements des chronisch wortkargen Olise zu bekommen.

Nach der 6:1-Gala in Bergamo wurde der 24-Jährige ins CBS-Studio geschaltet. Zugegebenermaßen erwartete ihn dort ein Heimspiel, schließlich wurde das Interview auf Englisch geführt und unter den Experten war Thierry Henry – jener Landsmann, der in der U21-Nationalmannschaft Olises Trainer war.

„Michael, hier spricht der Boss“, begrüßte ihn die französische Legende launig.

Da entwich dem Bayern-Star tatsächlich ein Lächeln. Und auch in der Folge blieb der Ton locker – vor allem, als TV-Experte Micah Richards Olise auf einen gemeinsamen Restaurant-Besuch ansprach, es aber lachend bei Andeutungen beließ. Coolness und Nahbarkeit sollen sich offenkundig nicht mehr ausschließen. In Sachen PR ist das ein klarer Kurswechsel.

Der Unzerstörbare

Neben seinen fußballerischen Fähigkeiten hat Olise einen großen Trumpf: Er ist nie verletzt. In dieser Saison verpasste er lediglich zwei Pflichtspiele. Für die Partie in Bremen war er gesperrt, im Heimspiel gegen Gladbach wurde er geschont. In seinen eindreiviertel Jahren beim FC Bayern ist er der Dauerbrenner schlechthin – und das, obwohl er vor seinem Wechsel zusätzlich bei den Olympischen Spielen 2024 im Einsatz war. Es wirkt fast wie ein Wunder.

„Was der Junge nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz für seine Gesundheit macht, ist für einen jungen Spieler beeindruckend“, sagte Bayern-Trainer Vincent Kompany am Freitagvormittag auf Nachfrage von SPORT1. Wenn Olise das mitnehme, werde er noch lange Zeit fit und gesund sein. „Ich sehe da eine richtig gute Entwicklung bei Michael“, so der Belgier weiter.

„Ohne Michael machen wir es anders“

Spannend ist, wie sich das Spiel der Bayern im Rückspiel gegen Bergamo verändern wird – schließlich fehlt Olise wegen einer Sperre. Auch wenn der Vorsprung der Münchner fast uneinholbar ist, ist die Partie das erste Spiel gegen eine hochklassige Mannschaft ohne den Franzosen.

Kompany gibt sich hier geheimnisvoll: „Das kann man nicht kurz erklären. So einen Spieler mit dieser Qualität kann man nicht eins zu eins ersetzen – wenn man das versucht, hat man ein Problem. Ohne Michael machen wir es anders, aber wir können es“, sagte der 39-Jährige.

Wie dieses „anders“ aussehen wird, können die Fans dann am Mittwoch beobachten.