Das dritte Cockpit – die Lösung vieler Probleme in der Formel 1?
Angesichts des drohenden Ausstiegs von Red Bull wird die Idee immer salonfähiger. Bernie Ecclestone bestätigte die Bereitschaft mehrerer Rennställe zu diesem Schritt, Mercedessportchef Toto Wolff spricht sich klar dafür aus.
SPORT1 blickt auf die möglichen Folgen des dritten Autos – und darauf, wer sich die neuen Plätze schnappen könnte.
Die Folgen:
Derzeit umfasst das Feld 20 Fahrer. Ohne Red Bull und sein Tochterteam Toro Rosso würde die Startaufstellung auf 16 Autos reduziert. In Haas F1 steht ein Neuzugang für 2016 bereits fest. Dennoch wären 18 Boliden sowohl aus Sicht der Beteiligten als auch aus Fansicht wohl zu wenig.
Ein Indonesier schnappt sich das letzte freie Cockpit in der Formel 1 und fährt im gleichen Team wie DTM-Champion Wehrlein. SPORT1 gibt den Überblick zum Fahrerkarussell.
„Ob mit oder ohne Red Bull, ich würde lieber ein drittes Auto und ein Feld mit 26 oder 28 Autos sehen“, stellt Wolff bei Autosport klar.
Ohne würden im kommenden Jahr 27 Wagen an den Start gehen, mit 33. Damit wäre die Strecke zu voll. Drei Autos pro Team ergeben folglich nur im Falle des Ausscheidens des Brauserennstalls Sinn.
Weiteres Problem: Teams wie Lotus, Force India, Sauber oder Williams könnten sich ein drittes Cockpit wohl nicht ohne Hilfe der Veranstalter leisten.
McLaren-Pilot Jenson Button hält deshalb bei Autosport fest: „Alle Topteams, die in der Lage dazu sind, werden sich im Moment für ein drittes Auto aussprechen. Wir hoffen nicht darauf.“
Die Chancen:
Freuen dürften sich jedenfalls alle Fahrer, die derzeit kein festes Cockpit inne haben. Das Fahrerkarussell würde deutlich angeschoben werden.
Auch junge Piloten würden die Chance erhalten, sich mit besseren Autos auf der größten Bühne zu beweisen. Eventuell wäre sogar der Weg frei für die erste Frau in einem Formel-1-Rennen.
Die Gefahren:
Die Option, junge Fahrer leichter befördern zu können, befeuert auch eine altbekannte Debatte. „Für die jungen Fahrer sind andere Rennklassen gemacht, nicht die Formel 1“, findet Button.
Das so genannte starke Geschlecht zeigt seine Stärke auch in der Motorwelt. Frauen geben Vollgas auf der Rennstrecke und versetzen die Männerdomäne Motorsport in Vibration.
Die Rasanz der Rennen, der riesige Medienrummel, das harte Business: Nicht jeder Youngster ist bereit dafür. Ein Risiko für sie und andere.
Die Kandidaten:
Pascal Wehrlein wird aktuell am häufigsten genannt. Wolff würde den frisch gebackenen DTM-Champion und Mercedes-Testfahrer gerne bereits 2016 in einem Formel-1-Boliden sehen. Auch für Nico Hülkenberg könnte sich eine neue Chance ergeben.
Profitieren könnten auch weitere Dritte-Reihe-Fahrer wie Adrian Sutil, Kevin Magnussen, Stoffel Vandoorne, Esteban Gutierrez und Jean-Eric Vergne. Im Falle des Ausstiegs von Red Bull und Toro Rosso müssten auch deren Stammkräfte Daniel Ricciardo, Daniil Kwjat, Carlos Sainz Jr. und Verstappen bei anderen Teams unterkommen.
Und schließlich dürfte sich auch Susie Wolff berechtigte Hoffnungen machen, die erste Frau seit Lella Lombardi 1976 zu werden, die ein Formel-1-Rennen bestreitet. Die 32 Jahre alte Britin ist seit 2012 bei Williams – bislang nur als Test- und Trainingspilotin.