Jetzt ist richtig Druck auf dem Kessel bei Mercedes!

Von Silberpfeil-Boss Toto Wolff gibt es nach dem schwachen Qualifying seines Teams beim Großen Preis von Saudi-Arabien (ab 19 Uhr im LIVETICKER) erst im TV, später auch in seiner Presserunde eine klare Ansage: „Realistisch betrachtet kannst du acht bis neun Zehntel Rückstand nicht einfach von einer auf die andere Woche umdrehen, das ist völlig klar. Aber ich weiß, dass wir es drehen können und drehen werden, weil wir es schlichtweg müssen. Diese Performance ist nicht akzeptabel.“

Nicht nur solche Aussagen des aktuellen Konstrukteursweltmeister-Teamchefs zeigen: Das Qualifying zum GP Saudi-Arabien bildete den vorläufigen Tiefpunkt in der Mercedes-Misere. Hamilton strandete auf Platz 16, sein neuer Teamkollege George Russell wurde immerhin Sechster. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Das bringt Wolff in Rage: „Wir können das Potenzial des Autos im Moment nicht ausschöpfen. Aber wir haben zwei der besten Fahrer in unserem Auto sitzen und ich werde es nicht zulassen, dass wir mit einer Sekunde Rückstand im Niemandsland herumfahren.“ (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Wiederholt sich das Jahr 2013 für Mercedes?

Beim erfolgsverwöhnten Serienweltmeister und Dauersieger der vergangenen acht Jahre schrillen die Alarmglocken. Wolff sieht sich in die Zeit vor der Hybrid-Ära zurückversetzt, als die Silberpfeile schon mal meist nur dritte Kraft waren.

„Wir hatten einen wirklich starken Lauf von acht Jahren, wo wir das Feld die meiste Zeit angeführt haben. Jetzt fühlt es sich ein bisschen wie 2013 an, als wir nicht den Speed von Red Bull und Ferrari hatten – aber wir haben gekämpft. So fühle ich mich auch im Moment: Wir müssen kämpfen, denn es ist absolut inakzeptabel, wo wir stehen.“ (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Das gilt vor allem für Hamilton, der zuletzt nach einem Crash im Qualifying zum GP Brasilien 2017 den Sprung ins zweite Qualifying-Segment verpasste.

Der Brite zuckt deshalb ratlos mit den Schultern: „Ich habe das Auto heute nicht unter mir gespürt. Im Training war es noch okay, im Qualifying aber unfahrbar. So schlimm wie heute war es noch nie.“

Hamilton spürt Druck

Offenbar hat sich die Garagenseite des Weltmeisters beim Setup verrannt.

„Es ist ein Wunder, dass ich keiner der Fahrer war, die in der Wand gelandet sind“, sagt Hamilton mit Blick auf seinen Kampf mit dem Silberpfeil: „Ich hatte große Probleme mit der Balance des Autos, es war sehr nervös und instabil, ich habe immer wieder das Heck verloren.“

Dann gibt er zu: „Wir haben einfach den falschen Weg mit dem Setup gewählt. Das war meine Entscheidung, ich habe ein paar Dinge geändert und bin dabei vielleicht zu weit gegangen.“

Das zeigt: Auch der siebenmalige Weltmeister ist nicht immun gegen den Druck, den sein schwächelnder Silberpfeil auf das ganze Team ausübt.

Keine Rückendeckung für den siebenmaligen Weltmeister

Auffällig: Von Wolff gibt es diesmal keine Rückendeckung.

Stattdessen distanziert sich der Wiener von Hamiltons Crew: „Wir experimentieren mit den Setups, um das Arbeitsfenster des Autos zu finden. Lewis‘ Seite der Garage war dabei etwas übermütig, sie haben ein Experiment versucht, das ins Auge gegangen ist und wir uns hätten sparen können. Deshalb hatte er keinen Grip im Heck, was auch sein großes Defizit in der Rundenzeit erklärt.“

Wolff fordert: „Jetzt kommt der Punkt, wo wir uns zusammenreißen müssen und an dem es an der Zeit ist aufzuwachen.“

Bleibt die Frage, wie viel Kampfgeist, Ausdauer und Durchhaltewillen noch in Hamilton stecken. Der Brite hat in der Formel 1 alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt.

Die Wachablösung des siebenmaligen Weltmeisters hat bereits im Vorjahr stattgefunden. Da rüttelte Max Verstappen (Red Bull) am Sockel des Rekordsieger-Denkmals.

Verliert Hamilton seinen Antrieb?

Ex-Formel-1-Pilot Martin Brundle sieht deshalb die Gefahr, dass der Mercedes-Star sich über kurz oder lang mit dem Gedanken an einen Rücktritt befassen könnte. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Sky-Experte Brundle: „Ich glaube, Lewis hat nichts von seinem inneren Antrieb verloren. Auch wenn er inzwischen 37 Jahre alt ist, fährt er im Zenit seines Könnens. Sollte Mercedes aber das ganze Jahr über nur dritte Kraft sein, und die Teams aus dem Mittelfeld holen auf, dann ist der Spaß für Lewis vielleicht weg, und er könnte das alles nochmal überdenken. „

So weit ist es aber noch nicht. Vielleicht bringt schon die Aufholjagd im GP Saudi-Arabien Hamiltons Spaß und Wolffs Wir-Gefühl zurück.

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