Zur „Halbzeit“ auf Medaillenkurs, am Ende bitter enttäuscht: Eine Knieverletzung von Glenn Trebing hat die leisen Hoffnungen der deutschen Kunstturner auf eine EM-Medaille für das Team platzen lassen. Der 22 Jahre alte Hannoveraner humpelte nach seiner Bodenübung unter Schmerzen von der Bodenfläche.

„Ich bin überstreckt gelandet, dann ist das Knie zur Seite abgehauen. Aber am Kreuzband scheint soweit alles in Ordnung zu sein. Ich musste mich nicht quälen, es hat ja noch zu einer vollen Übung gereicht“, sagte Trebing nach dem Wettkampf etwas beschwichtigend. Dennoch mussten sich die Schützlinge von Cheftrainer Valeri Belenki nach diesem Zwischenfall mit dem siebten Platz begnügen. (SERVICE: Der Medaillenspiegel der European Championships)

Und Parallelen zum Vorfall mit seinem Vereinskollegen Andreas Toba waren nicht von der Hand zu weisen. Der hatte vor sechs Jahren bei Olympia in Rio sogar mit einem Kreuzbandriss am Pauschenpferd geturnt und war zum „Hero de Janeiro“ avanciert.

Dauser ersetzt Trebing

Aber auch Trebing hielt am Zittergerät bemerkenswert gut durch. Zur Übung an den Ringen aber trat der Pechvogel auf ärztlichen Rat nicht mehr an und wurde durch Lukas Dauser ersetzt.

Das Mannschafts-Gold sicherte sich nach Anfangsschwierigkeiten das Team aus Großbritannien. Der ohnehin favorisierten Riege am nächsten kamen Italien und die Türkei.

Dabei hatten die EM-Gastgeber vor 9000 Zuschauern einen prächtigen Start erwischt. Alle drei Sprünge wurden sauber in den Stand gesetzt und das DTB-Quintett setzte sich nach dem ersten von sechs Durchgängen sogar an die Spitze.

Zwei Medaillenchancen noch für Deutschland

Diese Führung hatte auch nach dem Barren noch Bestand. Den Hauptanteil daran hatte der Olympia-Zweite Dauser aus Unterhaching, der mit 15,333 Punkten eine Weltklasseleistung bot. Da fielen auch leichte Unsicherheiten bei Trebing noch kaum ins Gewicht.

Auch am Reck blieben die deutschen Gerätartisten ohne Sturz, mussten aber Großbritannien vorbeiziehen lassen. Nach dem Schock durch Trebings Verletzung ging diese weiterhin gute Ausgangsposition am Boden verloren.

Die letzten beiden Medaillenchancen ergeben sich für die deutschen Athleten am Sonntag. Der Hallenser Nils Dunkel hat das Finale am Pauschenpferd erreicht, Dauser qualifizierte sich am Barren für den Endkampf.