Gary Lineker hat schon viel erlebt. Der ehemalige englische Nationalspieler ist seit etlichen Jahren Teil des Fußball-Geschäfts.
Erst auf dem Rasen, dann als Moderator vor der Kamera. Doch was dieser Tage passiert, ist auch für Lineker Neuland. Wie für so viele Menschen in Europa. Am Donnerstag wurde ein Interview veröffentlicht, das der 61-Jährige als das „emotionalste und herzzerreißendste“ seiner Karriere beschrieb.
Lineker sprach mit dem ukrainischen Nationalspieler Oleksandr Zinchenko.
Dieser befindet sich als Profi von Manchester City in England, obwohl er im Kopf ständig in der Heimat ist. Die Gefühlswelt des 25-Jährigen lässt sich mit Worten kaum beschreiben. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Premier League)
„Tränen aus dem Nichts“
„Am nächsten kommt vielleicht das Gefühl ran, das man hat, wenn jemand aus dem Umfeld stirbt“, sagte Zinchenko in dem von der BBC ausgestrahlten Gespräch: „Weißt du, dieses Gefühl, mit dem du dich innerlich so schlecht fühlst. Aber das ist sogar noch viel schlimmer.“
Die Emotionen lassen ihn nicht los – egal, was er gerade tut. „Ich weine einfach. Es dauert jetzt schon eine Woche an – ich zähle nicht – aber selbst wenn ich mit dem Auto zum Training fahre, kommen mir aus dem Nichts die Tränen.“ (TICKER: Russland-Ukraine-Konflikt: Auswirkungen auf die Sportwelt)
Der Moment, in dem er von Russlands Invasion in sein Heimatland hörte, wird ihn wohl für immer verfolgen. „Um Mitternacht englischer Zeit“, berichtete er, habe ihn seine Frau geweckt. „Sie hat geweint. Ich stand unter Schock. Sie zeigte mir die Videos, die Bilder, was in der Ukraine gerade passiert.“
Zinchenko: Gäbe es meine Tochter nicht, würde ich kämpfen
Bilder, die man nicht aus dem Gedächtnis löschen kann. „Es ist alles in meinem Kopf. Stell dir vor, der Ort, an dem du geboren bist, an dem du groß geworden bist … und es ist gibt dort nur leeres Gelände.“ (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)
Das Gefühl der Machtlosigkeit hat derzeit viele Menschen fest im Griff. Zinchenko erklärte Lineker, dass er sich den kämpfenden Menschen in der Ukraine angeschlossen hätte, wenn er könnte. „Ich will ehrlich sein: Gäbe es meine Tochter nicht, meine Familie, wäre ich dort.“
„Ich bin einfach so geboren“, sagte der Verteidiger weiter: „Ich kenne die Mentalität der Menschen in meinem Land. Und alle denken genau gleich.“ Er sei stolz, Ukrainer zu sein, das werde sich auch niemals ändern. Seine Landsleute würden es „vorziehen zu sterben, und sie werden sterben. Aber sie werden nicht aufgeben.“