Der umstrittene und derweil suspendierte spanische Verbandspräsident (RFEF) Luis Rubiales hat am Sonntagabend seinen Rücktritt angekündigt. Nach dem Kuss-Skandal um Jenny Hermoso bei der Siegerehrung der Weltmeisterschaft war ein globaler Diskurs hervorgebrochen – nun der Schlussstrich.

Der 46-Jährige zieht damit doch noch die vielfach geforderte Konsequenz aus seinem weltweit kritisierten Verhalten nach dem WM-Finale. Wie Rubiales in einer schriftlichen Mitteilung an den amtierenden Interimspräsidenten Pedro Rocha schrieb, trete er zudem von seiner Position als UEFA-Vizepräsident zurück.

Im Wortlaut schrieb er: „Heute um 21:30 Uhr habe ich dem amtierenden Präsidenten, Herrn Pedro Rocha, meinen Rücktritt als Präsident des RFEF übermittelt. Ich habe ihn auch darüber informiert, dass ich dasselbe mit meinem Amt in der UEFA getan habe, so dass mein Amt als Vizepräsident neu besetzt werden kann.“

Weshalb er sich letztlich zu diesem Schritt durchringen konnte? „Nach der schnellen Suspendierung durch die FIFA und den anderen Verfahren gegen mich ist es klar, dass ich nicht in meine Position zurückkehren kann. Das Abwarten und Festhalten an diesem Amt wird weder dem Verband noch dem spanischen Fußball etwas bringen.“

Ohne einen Kommentar gegen vermeintliche Gegner konnte es Rubiales dennoch nicht belassen: „Unter anderem auch deshalb, weil es Mächte gibt, die meine Rückkehr verhindern werden.“

Rummenigge hatte Rubiales‘ Aktion gestützt

Aus deutschen Fußballkreisen hatte Karl-Heinz Rummenigge Rubiales‘ Aktion verteidigt, in Spanien wurde der aufgedrängte Kuss mit ordentlich Gegenwind empfangen. Der Präsident hatte sich für sein Fehlverhalten öffentlich entschuldigt, einen Rücktritt aber zunächst vehement abgelehnt.

Die Nationalspielerinnen traten in Streik, Weltmeistertrainer Jorge Vilda wurde wegen seiner engen Bindung zu Rubiales von seinen Aufgaben entbunden. Am vergangenen Montag hatte sich auch die Männer-Nationalmannschaft öffentlich von Rubiales distanziert und sein Verhalten „inakzeptabel“ genannt.

Der Weltverband FIFA sperrte ihn vorläufig für 90 Tage, das nationale Sportverwaltungsgericht TAD beschäftigt sich mit dem Fall. Die Regionalverbände Spaniens verweigerten ihm die Gefolgschaft.

Dass sich Rubiales nun doch zu seinem Rücktritt durchringen konnte, kam überraschend. Ebenso wie die nachdenklichen Worte seines Statements: „Da ist die Leitung meines Teams und vor allem die Freude, die ich mitnehme für das große Privileg dieser mehr als 5 Jahre an der Spitze des RFEF.“

Dabei dachte er ebenfalls im Verbandssinne: „Ich möchte nicht, dass der spanische Fußball durch diese unverhältnismäßige Kampagne geschädigt wird, und vor allem treffe ich diese Entscheidung, nachdem ich mich vergewissert habe, dass mein Abgang zur Stabilität beiträgt, die es sowohl Europa als auch Afrika ermöglichen wird, in dem Traum von 2030 (WM-Ausrichtung; Anm. d. Red.) vereint zu bleiben, der das größte Ereignis der Welt in unser Land bringen wird.“

Was seine persönliche Zukunft betrifft, hält sich Rubiales Optionen offen: „Ich muss nach vorne schauen, in die Zukunft blicken. Jetzt gibt es etwas, das mich fest beschäftigt. Ich glaube an die Wahrheit, und ich werde alles in meiner Macht stehende tun, damit sie sich durchsetzt.“

Rubiales will für Wahrheit kämpfen

Und weiter: „Meine Töchter, meine Familie und die Menschen, die mich lieben, haben unter exzessiver Verfolgung und vielen Unwahrheiten gelitten, aber es ist auch wahr, dass sich die Wahrheit auf den Straßen jeden Tag mehr und mehr durchsetzt.“

Abschließend bedankte sich Rubiales bei allen Teilhabenden seiner Amtszeit: „Von hier aus sende ich allen Arbeitern, Versammlungsmitgliedern, Verbandsmitgliedern und dem Fußballvolk im Allgemeinen eine große Umarmung und wünsche ihnen viel Glück. Vielen Dank an alle, die mich in dieser Zeit unterstützt haben. Luis Manuel Rubiales Béjar.“

—–

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)