Bei der Darts-WM gibt es aktuell eine Highlight-Partie nach der nächsten zu bestaunen.

Immer mittendrin – SPORT1-Kommentator Basti Schwele, der gemeinsam mit Experte Robert Marijanovic die Spiele begleitet und immer mit viel Herzblut mitfiebert. (Darts-WM 2022: Halbfinals ab 20.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und im LIVETICKER)

Vor den Halbfinal-Krachern zwischen Michael Smith und James Wade sowie Peter Wright und Gary Anderson analysiert Schwele die Chancen der vier verbliebenen Spieler, spricht über die bisherigen 9-Darter – und verrät, wie sein Alltag aktuell aussieht. (NEWS: Alles Wichtige zum Darts)

SPORT1: Was waren für dich die krassesten Momente der WM bisher?

Basti Schwele: Natürlich die 9-Darter, weil sie das absolute Highlights sind. Aber bei dieser WM ist es schwer, einzelne Sachen rauszupicken. Wir hatten schon unglaubliche Comebacks und überragende Spiele drin. Diese WM ist großer Sport.

SPORT1: Bisher gab es mit Borland, Labanauskas und Price drei 9-Darter. Wie hast du das erlebt?

Schwele: Man erlebt sie immer unterschiedlich. Ab und zu denkst du dir: „Das könnte etwas werden“ – und ab und zu kommen sie aus dem Nichts. Bei Borland gegen Brooks war es DER 9-Darter, weil es der erste bei dieser WM war, der auch zum Sieg im entscheidenden Leg geführt hat. Das war bisher das Highlight im Turnier. Bei Labanauskas kam das Ding aus dem kompletten Nichts. In den letzten Partien war die Qualität einfach so hoch: Bei einem Spiel wie von Anderson oder bei Smith gegen Price weißt du, höher geht das Niveau nicht mehr. Da kannst du fast schon mit einem 9-Darter rechnen, aber es ist dann doch wie eine neue Explosion, weil es das ultimative Ding im Darts ist.

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nCAPTION: Darts WM 2022: Basti Schwele kommentiert Labanauskas 9-Darter
nDESCRIPTION: Basti Schwele kommt aus der Darts-Ekstase nicht mehr heraus. Schon der zweite 9-Darter bei der Darts-WM 2022 – so erlebt Schwele das perfekte Spiel von Labanauskas.

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SPORT1: Dir ist gestern ein kleines Malheur passiert, als du beim Jubeln nach dem 9-Darter am Kabel hängen geblieben bist …

Schwele: Das ist nicht mein Malheur, da ist das Kabel schuld, wenn es am Stuhl hängen bleibt. (lacht)

SPORT1: Was sagst du zum Viertelfinal-Duell zwischen Price und Smith?

Schwele: Ich fand die Begegnung sehr fair. Für mich war es nicht so übermäßig emotional, wie man es hätte erwarten können. Gerwyn Price hat schnell gemerkt, dass er brutal kämpfen muss, weil Smith besser gespielt hat. Für Price war das ein Rückschlag, weil er sich vorgenommen hatte, den Titel zu verteidigen. Auf der anderen Seite sehen wir den besten Michael Smith, den es je gab. (Darts: PDC Order of Merit – die aktuelle Weltrangliste)

SPORT1: Was sagst du zum „9-Darter-Fluch“? Sechs der letzten acht 9-Darter haben das Spiel am Ende verloren. Verlieren die Spieler den Fokus durch die entfachte Euphorie?

Schwele: Das kann ich nicht sagen, da ich noch nie einen 9-Darter gespielt habe (lacht). Von den insgesamt 13 die geworfen wurden, haben sieben das Spiel tatsächlich verloren. Ich glaube nicht, dass man an einem 9-Darter messen kann, ob man das Spiel gewinnt oder verliert. Das ist ein Highlight, aber eben nur ein Leg. Insgesamt werden aber um die 40 Legs gespielt.

SPORT1: In den Halbfinals treten zwei Engländer und zwei Schotten gegeneinander an. Wer kommt ins Finale?

Schwele: Anderson gegen Smith ist für mich das Finale. Wobei man sagen muss, dass man viele Spieler einschätzen kann – nur James Wade nicht. Spielt er so beharrlich sein Ding weiter, kommt Smith vielleicht ins Grübeln. Kann Smith auf der anderen Seite sein Niveau über so einen langen Zeitraum aufrechterhalten? Eine ähnliche Situation hatte er bei seinem Lauf ins Finale 2019. Da hat er im Endspiel nichts mehr auf die Reihe bekommen. Darts ist tagesformabhängig. Gary Anderson gegen Peter Wright ist ein Legenden-Duell. Das ist nicht nur was für Darts-Nostalgiker. Das sind die Gesichter, die im letzten Jahrzehnt den Dartssport geprägt haben. Man sieht, was Erfahrung bei einer WM ausmacht. Im Halbfinale stehen jetzt die Jungs, die das über Jahre können und an der Weltspitze stehen. Es zeigt, dass es mehr als drei gute Spiele oder ein gutes Jahr auf der Tour braucht.

SPORT1: Es sieht so aus, als ob der ‚Bully Boy‘ inzwischen seine Emotionen besser im Griff hat …

Schwele: Ich habe nichts darüber gelesen, ob sich Michael Smith wegen seinem Zweifeln und Hadern mit sich selbst extern Hilfe geholt hat. Er ist aber beharrlich cool, das hat er in dieser WM bisher durchgezogen. Seit Jahren sagen viele Leute, dass er einer der besten der Welt ist. Mal schauen, ob er es weiter durchziehen kann. James Wade ist sicherlich ein harter Gegner – auch mental. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM)

SPORT1: Wie siehst du diese WM im Vergleich zu den vorherigen Turnieren?

Schwele: Ich finde jede WM geil. Aber es ist etwas Besonderes, dass nach einem Jahr ohne Zuschauer der Ally Pally wieder voll ist. Ich weiß, dass es in Deutschland viele Leute kritisieren. Es ist ein Balanceakt zwischen der Sehnsucht, so etwas zu haben, und der Frage, ob das Ganze vertretbar ist. Wir sind keine Politiker und wir lieben den Sport. England hat ein anderes Recht, eine andere Kultur, das darf man nicht vergessen. Deshalb ist es schwer, sich ein Urteil zu erlauben. Die Fans tun so einem Turnier gut – das sieht man an den Leistungen der Spieler. Von der Dramatik her ist es eine andere WM als letztes Jahr. Aber jede WM hat ihren eigenen Charakter mit Gesichtern, Überraschungen und Spielern. Deswegen ist es so geil, weil man nie weiß, was auf einen zukommt.

SPORT1: Für dich persönlich sind die drei Wochen Darts bestimmt auch kein Zuckerschlecken. Wie kannst du dich jeden Tag aufs Neue fokussieren?

Schwele: Das kann ich nicht sagen, du funktionierst einfach. Wir fangen um 13 Uhr an und es geht teilweise bis 1 Uhr nachts. Wir sind zehn Stunden On-Air, machen 145 bis 150 Stunden live in diesen drei Wochen und dazwischen musst du einfach funktionieren. Es ist eigentlich nur schlafen, aufstehen, vorbereiten, arbeiten, Pause, vorbereiten, arbeiten, Bett.

SPORT1: Und nachts von Darts träumen?

Schwele: Das nicht, aber du bist noch voller Adrenalin. Wenn du um halb eins nach Hause kommst, kannst du vielleicht erst um drei Uhr schlafen, weil du wieder runterkommen musst. Das vermindert die Erholung. Wir hatten seit 15. Dezember nur drei freie Tage – da hast du auch Sachen, die mal liegen bleiben. So eine WM beansprucht dich geistig und körperlich enorm. Ab und zu schaust du ins Leere und denkst dir: ‚Wo bin ich gerade?‘. Es ist schon eine große Herausforderung, die aber auch sehr viel Spaß macht.

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