Hallo Handball-Fans,
Die Rhein-Neckar Löwen bezwungen, beim THW Kiel winkt gleich der nächste Coup – was für eine Woche für die MT Melsungen.
Der deutsche Handball schaut vor dem Spiel heute (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im GRATIS-LIVESTREAM) auf das Team aus der nordhessischen Kleinstadt.
Was macht die Überraschungsmannschaft der DKB HBL aus, wer steht hinter dem Erfolg – und wo kann es noch für sie hingehen?
Flensburg besiegt, die Rhein-Neckar Löwen zu Fall gebracht – die MT Melsungen spielt eine tolle Saison. SPORT1 erklärt die Erfolgsfaktoren.
Was sie ausmacht: Gegen die Löwen vor allem die herausragende Abwehr ausschlaggebend. Melsungen ist eine der physisch stärksten Mannschaften der DKB HBL, sie spielen eine sehr gute 3-2-1-Formation und sind vielen Gegnern kämpferisch überlegen. Hinzu kommt, dass Torhüter Johan Sjöstrand gerade seinen zweiten Frühling erlebt.
Wer hinter dem Erfolg steht: an erster Stelle Trainer Michael Roth. Er hat sich mittlerweile eine Mannschaft zusammengestellt, wie er sie immer haben wollte. Da passt es strukturell und sportlich.
Roths große Stärke ist der Umgang mit den Spielern. „Schorle“ hat eine sehr gute Ansprache an jeden einzelnen Spieler. Er ist eine Mischung aus Autoritätsperson und Kumpel. Für Roth würde jeder durchs Feuer gehen, das machen Spieler nicht für jeden Trainer. Er ist der Vater des Erfolges für jeden einzelnen Spieler, sie haben sich unter ihm beeindruckend weiterentwickelt.
Wo es noch hingeht: Ich traue Melsungen einen Platz in der Champions League zu, aber dafür muss alles passen, Schlüsselspieler dürfen sich nicht verletzen.
Die MT ist gut beraten, den Ball flach zu halten und ihr Ziel Europapokal nicht nach oben zu korrigieren. Sie sind eine Spitzenmannschaft und haben einen Lauf, aber während einer langen Saison kann es auch schnell einmal in die andere Richtung gehen. Deshalb bin ich kein Freund davon, jetzt vom Titel zu reden.
585 Tage lang war der THW Kiel in der Handball Bundesliga unbesiegt – dann kam die MT Melsungen und schaffte die Sensation. Folgt nun am Mittwoch (20 Uhr live auf SPORT1) der nächste Coup?
Trainer Michael Roth sollte so ruhig wie bisher weiterarbeiten und die Kirche im Dorf lassen.
Beim Kracher in Kiel ist der THW für mich trotz allem der Favorit – wie in jedem Spiel. Sie sind immer in der Lage, eine Topleistung abzurufen. Sie hatten jetzt enttäuschende Spiele in der Champions League gegen Paris, aber das kommt vor.
Wir neigen ja immer dazu, die Kieler als den FC Bayern des Handballs zu sehen, aber sie sind keine Übermannschaft. Die Konkurrenz hat sich verstärkt, der THW hat entscheidende Spieler verloren – Filip Jicha auch noch sehr spät. Wenn man die Verletzung von Patrick Wiencek noch dazu nimmt, sind sechs Minuspunkte in der Liga unter diesen Umständen kein Beinbruch. Kiel ist weiterhin ein Team, das um die Meisterschaft mitspielen wird.
Heute, gegen befreit und selbstbewusst auftretende Melsunger, wird es aber ein harter Kampf.
Euer Kretzsche,
Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert „Kretzsche“ wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.