Vor dem Aufeinandertreffen zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund machen sich die beiden Cheftrainer gewiss viele Gedanken um das eigene Team, aber auch um den Gegner.

Julian Nagelsmann und Marco Rose kommen anschließend beide zu dem Schluss, von der vormals eingesetzten Dreierkette abzurücken und stattdessen auf ein 4-2-3-1 zu setzen. Also hat keine der beiden Mannschaften einen offensichtlichen taktischen Vorteil durch die gewählte Grundformation. Schon anders sieht das bei den konkreten Matchplänen aus. (Stimmen aus der Allianz Arena)

Der BVB schaut sich für die Partie in der Allianz Arena einige Dinge bei Villarreal ab. Immerhin haben die Spanier neun Tage zuvor auf diesem Rasen die Bayern aus der Champions League geworfen. Ähnlich wie damals Villarreal-Coach Unai Emery nimmt auch Rose den aktuell stark aufgelegten Kingsley Coman ins Visier. Der Franzose wird von Marius Wolf und Julian Brandt meist in Doppeldeckung genommen. (Rose mit Sarkasmus zum nicht gegebenen Elfmeter)

Der Vorteil für die Bayern: Anders als im Rückspiel gegen Villarreal hat Coman dieses Mal Alphonso Davies im Rücken, der des Öfteren Brandt bindet.

Die antizipierte Maßnahme von Rose: Er stellt Emre Can wohl unter anderem deshalb nicht in die Innenverteidigung, sondern halbrechts ins zentrale Mittelfeld und lässt den 28-Jährigen von dort aus wahlweise Leon Goretzka attackieren oder eben Wolf und Brandt auf der Seite unterstützen.

Gnabry steht im Mittelpunkt

Nagelsmann wiederum antizipiert augenscheinlich in seinem Matchplan einen möglichen Dortmunder Defensivfokus auf Coman (und Davies) und forciert entsprechend den Spielaufbau über die eigene rechte Seite.

Dort dient der offensiv zurückhaltende Benjamin Pavard als Absicherung, Joshua Kimmich und Thomas Müller als Ankurbler. Die Spielzüge drehen sich derweil um Serge Gnabry, der im Dribbling meist Vorteile gegen Linksverteidiger Raphaël Guerreiro hat. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Der positive Nebeneffekt für die Bayern: Jude Bellingham ist insbesondere in der ersten Halbzeit auf dieser Seite defensiv gebunden und kann wenig Vorstöße unternehmen.

Nach der strittigen Elfmeter-Szene im Topspiel zwischen den Bayern und Dortmund ist Stefan Effenberg im STAHLWERK Doppelpass empört über die Entscheidung des VAR.

Nach der strittigen Elfmeter-Szene im Topspiel zwischen den Bayern und Dortmund ist Stefan Effenberg im STAHLWERK Doppelpass empört über die Entscheidung des VAR.

Darüber hinaus ergeben sich Möglichkeiten für Diagonalbälle auf Coman, die spätestens seitdem Champions-League-Finale 2020 in guter Erinnerung sind und zuletzt eine Art Renaissance erleben. In eingerückter Position kann sich Coman zudem der Dortmunder Doppeldeckung entledigen, weil Wolf und Brandt positionsgetreu auf der Außenbahn bleiben.

Dortmunder Schwächen im Spielaufbau deutlich

Dortmund gerät infolge eines Eckballs, bei dem einmal mehr der Rückraum ungedeckt bleibt und dieser von Goretzka bewusst angespielt wird, in Rückstand. Das größere Problem für die Gäste ist in der ersten Halbzeit allerdings die Gestaltung des eigenen Spielaufbaus. Denn eigentlich entwickeln die Bayern nur bedingt Pressingdruck gegen die BVB-Innenverteidigung.

Aber weil Wolf und Guerreiro tief bleiben, bewegt sich der Ball meist nur flach über die hintere Linie. Kommen Bellingham und Can hinter Bayerns erster Pressingreihe an den Ball, fehlen ihnen die unmittelbaren Anspielstationen auf den Flügeln. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Fast schon zwangsläufig wird die Dortmunder Spieleröffnung zögerlich und fahrig, wie der zweite Treffer der Bayern eindrucksvoll darlegt. Dan-Axel Zagadou spielt den Ball nicht schnell raus, erhält von links gegen seinen starken Spielfuß Druck von Gnabry, welcher sogar noch den Pass des BVB-Verteidigers berührt. Müller fängt ab und Robert Lewandowski wird anschließend fürs 2:0 bedient.

Nagelsmann-Schachzug destabilisiert den BVB

In der zweiten Halbzeit kommt Dortmund durch einen Can-Elfmeter wieder ran, in dessen Entstehung der umtriebige Brandt, der sich nun viel zwischen den Linien bewegt, beteiligt ist. Bellingham schaltet sich beim Stand von 1:2 vermehrt nach vorn ein; Erling Haaland und Marco Reus kommen gelegentlich ins Kontern.

Aber die Bayern haben einmal mehr eine Antwort: Nagelsmann bringt Jamal Musiala für Gnabry. Der 18-Jährige bewegt sich oft unberechenbar auf dem rechten Flügel und durch den rechten Halbraum im Rücken von Bellingham. Der BVB wird zusehends destabilisiert und kassiert fast zwangsläufig das entscheidende 1:3. (Hier geht‘s zum Spielbericht)

Fazit: Bayern findet mehrfach gute Konter auf die Dortmunder Ansätze und reagiert insbesondere nach dem Anschlusstreffer adäquat. Auf der anderen Seite muss sich der zuletzt viel gescholtene BVB-Coach Rose keine Vorwürfe machen. Seine Lösungsansätze sind wohldurchdacht, aber aufgrund der angespannten Personallage bei seiner Mannschaft sind ihm trotzdem ein Stück weit die Hände gebunden. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Und nicht zuletzt die individuelle Unterlegenheit wird etwa bei der eigenen Spieleröffnung vielfach deutlich. So reicht es dann gegen den nun 32-fachen deutschen Meister im Moment nicht.

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