Andre Hahn wunderte sich nicht. Im Gegenteil.
Dem Flügelflitzer war klar, dass Christoph Kramer es richten würde. Dass der Weltmeister nach seiner Einwechslung mit Ablauf der regulären Spielzeit das 1:1 (0:0) für Borussia Mönchengladbach im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart erzielen würde.
„Er hat im Training gesagt, dass er eigentlich ein Tor schießen muss, weil er auch in den letzten beiden Rückrundenspielen der vergangenen Saison getroffen hatte. Er wollte seine 100-Prozent-Quote halten“, erklärte Hahn.
Und genau so kam es auch. „Dafür“, ergänzte der Gladbacher Neuzugang grinsend, „ist ein Weltmeister doch da.“
Gesteigertes Selbstvertrauen
Auch wenn der Status als WM-Held allein nicht reicht, so hat das Turnier in Brasilien den 23-Jährigen einen Schritt nach vorne gebracht. Einen entscheidenden noch hinzu.
„So ein Titel beflügelt natürlich“, bestätigte Kramer. Doch es ist weit mehr, wie auch Borussias Coach feststellte.
„Man sieht schon im Training, dass er deutlich mehr Selbstvertrauen hat“, bestätigte Lucien Favre. „Er spricht viel mehr, er ist ein super Spieler. Er will immer lernen, er kämpft – das ist für einen Trainer fantastisch.“
Präsenz von der ersten Sekunde an
Vor allem die Tatsache, dass Kramer nun mehr spreche, half Mönchengladbach noch zum Punkt gegen den VfB.
Kaum wurde der Nationalspieler in der 73. Minute für Hahn eingewechslt, strahlte er Präsenz und Sicherheit aus. Gleich bei seinem ersten Ballkontakt spielte er einen Zuckerpass auf Thorgan Hazard. Bis er den Stuttgarter Führungstreffer durch Alexandru Maxim (51.) selbst per 14-Meter-Schuss egalisierte.
„Wenn man mit den besten Spielern zu so einem Turnier fährt, kann man viel lernen und tankt dadurch Selbstvertrauen“, erklärte Kramer bei „Sky“ sein souveränes Auftreten.
Gesteigertes Selbstvertrauen dank WM
Gleichzeitig habe ihm die WM-Zeit geholfen, sein wohl größtes Manko loszuwerden. „Ich hatte letztes Jahr das Defizit, dass ich nicht so viel gesprochen habe. Das habe ich geändert“, sagte der 23-Jährige. „Das kommt natürlich auch durch das gesteigerte Selbstvertrauen.“
Gladbachs Coach atmete nach dem Schlusspfiff derweil kräftig durch. „Dass wir noch das Unentschieden erreicht haben, ist enorm wichtig für uns. Eine Heimniederlage zum Saisonstart ist nie gut“, sagte Favre.
Er wusste dabei auch, dass sein Team noch viel Luft nach oben hat – vor allem mit Blick auf das wichtige Rückspiel in den Playoffs zur Europa League am Donnerstag gegen FK Sarajevo (Hinspiel 3:2).
Vorne drückt der Schuh
„Das Führungstor der Stuttgarter resultierte aus einem Einwurf von uns, das war sehr ärgerlich und darf natürlich nicht passieren“, analysierte Sportdirektor Max Eberl treffend. Doch die ansonst kompakt stehende Defensive war das geringere Problem der Rheinländer.
Trotz phasenweiser Dominanz schafften es Ibrahima Traore, Andre Hahn, Raffael und Branimir Hrgota nicht, die Überlegenheit der Gladbacher in Treffer umzumünzen.
Sinnbildlich dafür stand Hrgota. Gegen den VfB stolperte er den Ball nach einer Flanke von Havard Nordtveit am leeren Tor vorbei (47.) – eine Szene, die seinen rabenschwarzen Tag widerspiegelte. „Ich war da völlig überrascht, aber das muss ein Tor sein“, räumte er selbstkritisch ein.
Sommer unzufrieden
„Mit diesem einen Punkt können wir nicht zufrieden sein“, sagte Keeper Yann Sommer bei SPORT1. „Es gilt jetzt daran zu arbeiten, dass wir in den nächsten Spielen wieder effizienter sind.“
Im Idealfall beginnend mit dem Playoff-Rückspiel am Donnerstag gegen Sarajevo.