Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat den am Montag im Alter von 82 Jahren verstorbenen DFB-Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder vor allem für dessen Fähigkeit geschätzt, auch ungewöhnliche Wege zu gehen.
„MV schaute nie, woher der Wind wehte – manchmal war er im Gegenwind sogar besonders gut“, schrieb der US-Nationalcoach in einem Beitrag für Bild: „Und: Er schenkte den jungen Leuten Vertrauen.“
So habe der damalige DFB-Chef seine Entscheidung als Bundestrainer, in Urs Siegenthaler einen Scout aus der Schweiz und Konditionstrainer aus den USA zu verpflichten, mitgetragen. Klinsmann: „Er musste sich gewiss einiges anhören beim DFB in meiner Anfangszeit. Natürlich hat er mal gefragt: ‚Jürgen, muss das sein?'“
Aber dann habe er sich mit den Konditionstrainern und dem Scout an einen Tisch gesetzt und diese ausgefragt. „Und sagte dann zu mir: ‚Alles klar, tut mir leid, dass ich gezweifelt habe. Die Leute sind absolut top.'“
Mayer-Vorfelder sei für Klinsmann mehr als nur „mein VfB- und DFB-Präsident“ gewesen: „2005 tauchte er acht Wochen nach dem Tod meines Vaters in der Familien-Bäckerei in Botnang auf, trank einen Kaffee bei meiner Mutter: ‚Frau Klinsmann – wie geht es?‘ Als ich mich dafür bedankt habe, hat er gesagt: ‚Warum? Das habe ich doch versprochen.'“
Klinsmann, der seine Weltkarriere als Profi einst beim VfB Stuttgart unter Klub-Präsident Mayer-Vorfelder startete, weiter: „Ich bin unendlich dankbar, dass er die WM in Brasilien noch erleben konnte.“
Die Trauerfeier für Gerhard Mayer-Vorfelder wird voraussichtlich am 27. August (11.00 Uhr) in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard stattfinden.
Das berichten die Stuttgarter Nachrichten (Donnerstag-Ausgabe).
Ministerpräsident Winfried Kretschmann soll einer der Redner sein. Offen ist derzeit ofensichtlich noch, ob DFB-Präsident Wolfgang Niersbach auch sprechen wird.