Irgendwann im vergangenen Herbst kam es einem fast schon vor wie ein Running Gag.

Marco Reus, Kapitän von Borussia Dortmund, stand nach beinahe jedem Spiel, jeder neuen Gala-Vorstellung des schwarz-gelben Ballzirkus‘ vor den Mikrofonen und sagte sinngemäß immer dasselbe: Das ist ja alles schön und gut und macht auch viel Spaß – aber irgendwann kommen auch schlechtere Zeiten.

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Lange Zeit wurde Reus nicht bestätigt, doch jetzt ist es so weit: Der BVB muss zum ersten Mal in dieser Saison mit einer Leistungsdelle fertig werden. Binnen acht Tagen hat der Tabellenführer zum dritten Mal eine Führung aus der Hand gegeben. Das kostete die Dortmunder den Einzug ins Pokal-Viertelfinale und jetzt eben auch einen Teil ihres komfortablen Vorsprungs auf den FC Bayern. (SERVICE: Die Bundesliga-Tabelle)

So grotesk das nach den berauschenden Leistungen der bisherigen Saison und der eindrucksvollen Vorstellung der ersten Halbzeit gegen die TSG Hoffenheim klingen mag: In den kommenden zwei Wochen kann sich für den BVB bereits die Meisterschaft entscheiden.

Wie die Truppe von Lucien Favre mit der aktuellen Situation umgeht, wird zeigen, ob die Schwarz-Gelben reif sind für den Titel. Und die Alarmsignale sind da. Körperlich hatten die Dortmunder am Samstagnachmittag nichts mehr entgegenzusetzen gegen den Hoffenheimer Ansturm. Die verletzungsbedingt geschwächte Abwehr ließ sich gleich zwei Mal bei Standards übertölpeln. Und die spektakuläre Offensive verpasste es, frühzeitig jeden Zweifel am Sieg zu beseitigen.

Die kommenden drei Spiele werden somit zur vorentscheidenden Reifeprüfung. Am Mittwoch droht beim Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Spitzenteam Tottenham Hotspur der nächste Tiefschlag. In den darauf folgenden Bundesliga-Partien in Nürnberg und vor allem zuhause gegen die wieder erstarkten Leverkusener darf sich die Borussia keine weiteren Ausrutscher erlauben. Mit einer Leistung wie gegen Hoffenheim verspielt Dortmund den Titel. Wortwörtlich.

Statt des erkrankten Favre stellt sich Dortmunds Co-Trainer Edin Terzic nach der Partie gegen Hoffenheim den Fragen - und erklärt, wie er mit dem Chefcoach in Kontakt stand.

Statt des erkrankten Favre stellt sich Dortmunds Co-Trainer Edin Terzic nach der Partie gegen Hoffenheim den Fragen – und erklärt, wie er mit dem Chefcoach in Kontakt stand.

Nach der Enttäuschung sprachen Favres Co-Trainer von „Naivität“ und „Mentalität“, gerade im Abwehrverhalten. Nach dem Erlebnis vom Samstagnachmittag wird es spannend zu beobachten sein, wie der BVB darauf reagiert, dass der FC Bayern wieder Witterung aufgenommen hat.

Meister-Bammel oder Ausrutscher? Auf jeden Fall werden die Dortmunder hoffen, dass Kapitän Reus bald wieder zurück ist – und dann wieder dieselbe Geschichte erzählen kann wie im Herbst.

Matthias Becker, Jahrgang 1980, kam 2007 zu SPORT1.de nach München. Nach dem Volontariat von 2009 bis 2014 Redakteur, vornehmlich im Fußball-Ressort und als Chef vom Dienst. Seit dem 1. September 2016...