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Kämpft Hoeneß vergeblich für Kovac?

Uli Hoeneß legt sich vor dem Piräus-Spiel nochmal für Niko Kovac ins Zeug, indem er aktuelle Krisenherde nicht anerkennen will. Wie viel sind die Worte des Noch-Präsidenten wert?
Kämpft Hoeneß vergeblich für Kovac?

Niko Kovac sieht sich als Kämpfer, erklärtermaßen. Jetzt hat er wieder einen Kampf zu überstehen, das ist zu merken in diesen Tagen.

Und Uli Hoeneß, der Präsident des FC Bayern München, kämpft mit dem Trainer. Seinem Trainer.

Beim Abflug vor dem Champions-League-Gastspiel bei Olympiakos Piräus (Champions League: Olympiakos Piräus – FC Bayern München, Di. ab 21 Uhr im LIVETICKER) nannte er es im Gespräch mit SPORT1 „Käse“, in der gegenwärtigen Situation von einer Krise zu sprechen. Dabei wurde er laut. Die Art und Weise, wie die für Kovac aktuell schwer belastende Personal-Diskussion um Thomas Müller in den Medien geführt wird, nannte er eine „Schweinerei“. Auch dabei wurde er laut. 

Der scheidende Bayern-Präsident ist offensichtlich gewillt, sich nochmal ins Zeug zu legen für den von ihm auserwählten Coach – und dafür, dass sein Abgang im November nicht getrübt wird von dem Makel, dass seine letzte große Trainer-Entscheidung sich als verfehlte herausstellt.

Dennoch drängt sich die Frage auf: Können Kovac und Hoeneß diesen Kampf wirklich gewinnen?

Altbekannte Debatten um Niko Kovac

In atemberaubenden Tempo hat sich in den vergangenen 20 Tagen die Euphorie nach der 7:2-Gala in der letzten Königsklassen-Partie bei Tottenham Hotspur verflüchtigt: Zwei missglückte Liga-Spiele, der schlechteste Saisonstart seit neun Jahren, eine marode Defensive und hausgemachter Personal-Ärger haben den Debatten um den Coach neue Schärfe verliehen.

Niko Kovac muss sich entscheiden. Nach Niklas Süles Kreuzbandriss hat der FCB Nachverpflichtungen ausgeschlossen. Der Bayern-Trainer muss intern eine Lösung finden.

Niko Kovac muss sich entscheiden. Nach Niklas Süles Kreuzbandriss hat der FCB Nachverpflichtungen ausgeschlossen. Der Bayern-Trainer muss intern eine Lösung finden.

Entwickelt Kovac die Mannschaft in ausreichendem Maße weiter? Hat er ihren Rückhalt? Genügt das, was er tut, den hohen Ansprüchen, die ein Klub wie der FC Bayern an seinen Trainer hat und haben muss?

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Es sind altbekannte Fragen, die gerade wieder viel diskutiert werden, trotz des Double-Gewinns im Frühjahr. Kovac wird es geahnt haben, also ging er schon bei der Pressekonferenz nach dem enttäuschenden 2:2 beim FC Augsburg in die Vorwärtsverteidigung.

Unter anderem attestierte er sich dabei selbst eine überaus positive Entwicklung im Vergleich zum vergangenen Krisenherbst 2018 („Ich finde, vom Fußball sind wir viel, viel besser“). Auf der abschließenden Pressekonferenz in Athen bilanzierte er aber: „Nach vorne haben wir uns gesteigert. Nach hinten sind wir schlechter geworden.“

Karl-Heinz Rummenigge umkurvt die Medien

Über die erste Selbstwahrnehmung des besser gewordenen Spiels wird debattiert – auch in der Bayern-Führung.

Von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (eher Kovac-Skeptiker), der seinen Trainer im SPORT1-Interview im Juli unter Druck setzte, dass er wieder ein „Bayern-System“ sehen wolle, das Kovac „kultivieren“ sollte, kam keine Bestätigung dieser Einschätzung. Er schwieg nach dem Augsburg-Spiel, er schwieg am Montag, machte einen auffälligen Bogen um die Medienvertreter am Münchener Flughafen und bat um Verständnis für seinen selbst auferlegten Maulkorb.

Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic äußert sich zu den Aussagen von Thomas Müller über dessen Reservistenrolle.

Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic äußert sich zu den Aussagen von Thomas Müller über dessen Reservistenrolle.

Es waren Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, die sich positionierten und versuchten, die Themen abzuräumen, die ihre Dienstreise belasteten.

Salihamidzic beantwortete die Defensiv-Kritik von Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel an den Bayern mit einem milden Rüffel. Hoeneß redete gegen die heraufziehende Krisenstimmung an.

Uli Hoeneß mit Klarstellung zu Thomas Müller

„Bis auf die Torausbeute bin ich mit allem zufrieden“, hielt er im Gespräch mit SPORT1 fest und warf einzelnen Journalisten unfaire Berichterstattung über die Personalie Thomas Müller vor.

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Ein reiner Wutauftritt war es keineswegs, die meiste Zeit äußerte der Präsident sich ruhig und sachlich, im Flieger ging er auch nochmal freundlich auf die Reporter zu und verdeutlichte: „Keiner möchte Müller schädigen. Keiner möchte ihn loswerden.“ Hoeneß lächelte viel. Wirkte nach dem Sicherheitscheck am Münchner Flughafen wie ausgewechselt, nachdem er zuvor noch lospolterte. 

Gutes und schlechtes Zeichen für Kovac

Kovac muss dessen Medienoffensive wohl mit sehr gemischten Gefühlen aufnehmen. Einerseits ist es für ihn eine gute Nachricht, dass Hoeneß in seinem Sinne streitet. Es zeigt, dass er weiter an seiner Seite steht, nachdem auch er am Samstag geschwiegen hatte und mit finsterer Miene durch Stadion gewandelt war.

Andererseits ist es für Kovac kein gutes Zeichen, dass Hoeneß es für nötig hält, so viele Dinge gerade zu rücken. Mit seiner Behauptung, dass bis auf die Chancenverwertung alles in Ordnung sei, bot er ihm nur ein sehr löchriges Schutzschild. Vor der für Bayern-Verhältnisse ungewohnt großen Gegentor-Quote verschloss er völlig die Augen. Es wirkte wie ein Zurechtbiegen der Realität, ebenso wie die Behauptung, dass im Klub „totale Ruhe“ herrsche und die Unruhe nur von außen kommen, auch in Bezug auf Kovac. Vieles klang nach Rechtfertigung. 

Heikles Plädoyer für Javí Martínez

Noch heikler, wie Hoeneß Kovac Javí Martínez als Lösung der Personalnot in der Abwehr nach dem Kreuzbandriss von Niklas Süle anpries.

Nachdem Kovac Martínez in dieser Saison lange links liegen ließ und dann in Augsburg erstmals in der Startelf brachte, sorgt Hoeneß‘ Einmischung ins Trainer-Hoheitsgebiet nun letztlich für eine weitere Schwächung des Coachs. Kovac wiederum versuchte, dies nicht als Einmischen zu bewerten: „Der Präsident hat niemanden gefordert. Ich stelle die Mannschaft auf.“

Dennoch: Jeder Einsatz oder Nicht-Einsatz von Martínez bekommt nun eine Fußnote. Bringt Kovac ihn, setzt er sich dem Vorwurf aus, sich von außen in die Aufstellung hereinreden zu lassen. Bringt er ihn nicht, drängt sich der Verdacht einer Trotzhandlung auf. Eine Lose-Lose-Situation, wie er sie schon an diesem Wochenende mit Thomas Müller vorfand.

Was kommt nach Hoeneß?

Auch der Trainer weiß: Fürsprecher Hoeneß ist in weniger als einem Monat nicht mehr Präsident und wird sich zurückziehen. Rummenigge wird dann der starke Mann sein – in Reihe eins.

Herbert Hainer, der bei der Jahreshauptversammlung am 15. November zum neuen Präsidenten gewählt werden soll, hat sich zu Kovac bislang nicht öffentlich positioniert.

Es wird sich zeigen, ob die Gemengelage für Kovac bald noch komplizierter werden wird. Bis dahin helfen ihm vor allem Siege. Bestenfalls überzeugende. 

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Kämpft Hoeneß vergeblich für Kovac?

Uli Hoeneß legt sich vor dem Piräus-Spiel nochmal für den in die Defensive geratenden Niko Kovac ins Zeug. Er tut ihm damit nicht nur einen Gefallen.

Wer kämpft, kann verlieren, heißt es. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Niko Kovac kämpft, das ist zu merken in diesen Tagen, in denen endgültig klar wird, dass er beim FC Bayern München einen zweiten ungemütlichen Herbst zu überstehen hat. Und Uli Hoeneß kämpft mit dem Trainer. Seinem Trainer.

Beim Abflug vor dem Champions-League-Gastspiel bei Olympiakos Piräus nannte er es „Käse“, in der gegenwärtigen Situation von einer Krise zu sprechen. Nannte zudem die Art und Weise, wie die für Kovac aktuell schwer belastende Personal-Diskussion um Thomas Müller in den Medien geführt wird, eine „Schweinerei“.

Der im November scheidende Bayern-Präsident ist gewillt, sich nochmal ins Zeug zu legen für den von ihm auserwählten Coach. Dennoch drängt sich die Frage auf: Können Kovac und Hoeneß ihren Kampf wirklich noch gewinnen?

Altbekannte Debatten um Niko Kovac

In atemberaubenden Tempo hat sich in den vergangenen 20 Tagen die Euphorie nach der 7:2-Gala in der letzten Königsklassen-Partie bei Tottenham Hotspur verflüchtigt: Zwei missratene Liga-Spiele und hausgemachter Personal-Ärger haben den Debatten um den Coach neue Schärfe verliehen.

Entwickelt Kovac die Mannschaft in ausreichendem Maße weiter? Hat er ihren Rückhalt? Genügt das, was er tut, den hohen Ansprüchen, die ein Klub wie der FC Bayern an seinen Trainer hat und haben muss?

Es sind altbekannte Fragen, die gerade wieder viel diskutiert werden. Kovac wird es geahnt haben, er ging schon bei der Pressekonferenz unmittelbar nach dem 2:2 beim FC Augsburg in die Vorwärtsverteidigung.

Unter anderem attestierte er sich dabei selbst eine überaus positive Entwicklung im Vergleich zum vergangenen Krisenherbst 2018 („Ich finde, vom Fußball sind wir viel, viel besser“).

Karl-Heinz Rummenigge umkurvt die Medien

Über diese Selbstwahrnehmung wird gestritten – auch innerhalb der Bayern-Führung?

Beim Abflug am Montagmorgen fiel auf, dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der Kovac-Skeptiker, einen Bogen um die Medienvertreter machte, nachdem er sich schon in Augsburg nicht äußern wollte.

Es waren Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic, die sich positionierten und versuchten, die Themen abzuräumen, die ihre Dienstreise belasteten.

Salihamidzic beantwortete die Kritik von Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel mit einem eher milden Rüffel, Hoeneß redete gegen die heraufziehende Krisenstimmung an.

Uli Hoeneß mit Klarstellung zu Thomas Müller

„Bis auf die Torausbeute bin ich mit allem zufrieden“, hielt er fest und warf einzelnen Journalisten unfaire Berichterstattung über die Personalie Thomas Müller vor („Vor Monaten hat man uns reingehetzt in teure Transfers. Dann kommt der Coutinho und dann heißt es: Warum spielt der Müller nicht?“)

Ein reiner Wutauftritt war es keineswegs, die meiste Zeit äußerte der Präsident sich ruhig und sachlich, im Flieger ging er auch nochmal freundlich auf die Reporter zu und verdeutlichte: „Keiner möchte Müller schädigen. Keiner möchte ihn loswerden.“

Heikles Plädoyer für Javí Martínez

Für Kovac war es eine gute Nachricht, dass Hoeneß in seinem Sinne streitet. Es zeigt, dass er weiter an seiner Seite steht, nachdem auch er am Samstag geschwiegen hatte und mit finsterer Miene durch Stadion gewandelt war.

Andererseits hat Hoeneß ihm dann doch nicht nur einen Gefallen getan: Mit seiner Behauptung, dass bis auf die Chancenverwertung alles in Ordnung sei, bot er ihm nur ein sehr löchriges Schutzschild. Vor der für Bayern-Verhältnisse ungewohnt großen Gegentorquote verschloss er völlig die Augen.

Noch heikler, wie Hoeneß Kovac Javí Martínez als Lösung der Personalnot in der Abwehr nach dem Kreuzbandriss von Niklas Süle anpries.

Nachdem Kovac Martínez in dieser Saison lange links liegen ließ und dann in Augsburg erstmals in der Startelf brachte, sorgt Hoeneß‘ Einmischung ins Trainer-Hoheitsgebiet nun für weiteren Zündstoff.

Umgang mit den Spielern im Fokus

Was seine Aufstellungs-Entscheidungen angeht, wandelt Kovac ohnehin gerade durch ein Minenfeld – der Fall Müller war das beste Beispiel.

Generell ist Kovac‘ Umgang mit der Mannschaft zuletzt stärker Thema geworden, es fiel auf, wie er letztlich seinen Schützlingen die Schuld an den verschenkten Punkten zuschob („Umsetzen müssen es die Spieler“).

Kovac ist im Rechtfertigungs-Modus. Und lässt dabei die Souveränität, die ihm durch vergangene Tiefs bei Bayern geholfen hat, zum Teil vermissen.

Die tatsächliche Überzeugungsarbeit, dass Bayern Spiel viel, viel besser geworden ist, muss auf dem Platz geschehen.