Zu Beginn des Jahres drohte er damit, nie wieder in den Ally Pally zu kommen – nun ist er doch zurück und hat seine Mission, zum zweiten Mal Darts-Weltmeister zu werden, erfolgreich begonnen.

Gerwyn Price hat bei der Darts-WM 2024 seinen ersten Auftritt nach der bitteren 1:5-Niederlage gegen Gabriel Clemens Anfang 2023 und den Riesen-Trubel um seinen damaligen Kopfhörer-Auftritt mit einem klaren Sieg hinter sich gebracht (alle Spiele LIVE auf SPORT1).

Auch diesmal bekam der „Iceman“ aus Wales bei seinem Einzug Buhrufe zu hören, die aber nicht das Ausmaß des Vorjahrs annahmen und den 38-Jährigen letztlich nicht behelligten – auch weil sein dominantes Spiel die Hoffnungen auf einen Underdog-Coup schnell abebben ließen.

Price bedankte sich nach seinem klaren 3:0-Sieg gegen den Engländer Connor Scutt am TV-Mikrofon des englischen Sky beim Publikum, dass er diesmal fair, sogar „brillant“ fand. Ganz beiläufig plauderte er dabei aus, dass er noch kurz vor WM-Start an eine kurzfristige Absage gedacht hatte.

Darts-WM: Gerwyn Price dachte an Last-Minute-Absage

„Ich war gestern um 6 noch zu Hause und hätte wahrscheinlich gar nicht im Turnier gespielt“, antwortete Price auf die Frage, wie angespannt er vor der Ally-Pally-Rückkehr gewesen wäre: „Es ist schwer hierher zu kommen und das Publikum gegen sich zu haben. Um dieselbe Zeit gestern war ich noch nicht mal auf dem Weg nach London. Aber ich bin froh, dass das Publikum heute gut zu mir war. Wenn es so weitergeht, gibt es keinen Grund, dass ich diesmal nicht gewinne.“

Price und die Fans im Ally Pally verbindet eine längere Geschichte wechselseitiger Abneigung: Für viele der Anhänger in London ist das oft streitbare Aushängeschild aus dem Nachbarland ein Buhmann. Price macht seinerseits seit langem keinen Hehl daraus, dass er eher wegen der für ihn störenden und zu sehr in die Dynamik des Spiels eingreifenden Atmosphäre eher ungern im Darts-Mekka spielt.

Nach den Negativreaktionen bei der Niederlage gegen Clemens, gegen die Price mit seiner Kopfhörer-Aktion ein Zeichen setzte, dachte Price bei Instagram laut darüber nach, den Ally Pally fortan zu boykottieren. Kurz vor Turnierbeginn stieß er zuletzt außerdem noch eine Debatte an, ob der Weltverband PDC die WM nicht künftig in anderen Ländern austragen sollte.

„Wie eine Ente, die unter Wasser paddelt“

Im Spiel gegen Scutt ließ sich Price – mit neuem Look und halb-blondierten Haaren – aber letztlich nicht von der gegen ihn gerichteten Stimmung beeindrucken: Beim 3:0-Sieg hatte der Waliser nur in der Schlussphase größere Probleme, als er erst ins „Madhouse“ musste und dann bei der nächsten Aufnahme seinen insgesamt siebten Matchdart verwandelte.

Im SPORT1-Interview mit Moderatorin Katharina Kleinfeldt und Experte Max Hopp gestand Price ein, dass er durchaus Anlaufschwierigkeiten hatte: „Es war ein schweres Match – ich fühlte mich etwas wie eine Ente, die unter Wasser paddelt und ihre eigenen Füße dabei nicht sieht.“ Dass dann „auch das Publikum wieder wach wurde“, habe die Herausforderung vergrößert.

Gerwyn Price erklärt, wie sich seine Rückkehr in den Ally pally angefühlt hat. Zudem gibt er Einblicke in seine Weihnachtspläne.

Gerwyn Price erklärt, wie sich seine Rückkehr in den Ally pally angefühlt hat. Zudem gibt er Einblicke in seine Weihnachtspläne.

Beirren ließ Price sich am Ende nicht und kann damit entspannt in die Weihnachtspause vor seinem Drittrunden-Match gegen Brendan Dolan oder den Sieger des Duells Mickey Mansell – Xiao Chen Zong angehen (Darts-WM: Der Spielplan).

Vorher steht noch ein Weihnachtsfest im Kreis der Familie auf dem Programm, für das Price „wie immer“ auch das Festessen zubereiten wird, wie er am SPORT1-Mikro verriet: „Ich bin ein ziemlich guter Koch.“

Die Gedanken, die WM in London sausen zu lassen, dürften ihn dann nicht mehr beschäftigen.