Als Hiroki Ito am Sonntagabend nach rund einer Stunde Spielzeit gegen Eintracht Frankfurt traf, war dem Bayern-Profi wahrscheinlich nicht klar, dass er gerade Historisches geschafft hat: Er ist der erste Japaner, der für den Rekordmeister ein Bundesligator erzielte. So schnell kann man also Geschichte schreiben.
Angesichts der Tatsache, dass vor Ito lediglich zwei Japaner an der Säbener Straße unter Vertrag standen und deren Einsätze an einer Hand abzuzählen sind, ist der Treffer eher eine kleine statistische Fußnote.
Ito braucht keine Anlaufzeit
Viel wichtiger ist der Fakt, dass der 25-Jährige fast ohne jegliche Anlaufzeit ein echter Faktor im Spiel der Münchner geworden ist. Dass Trainer Vincent Kompany auf ihn setzt, beweisen die Einsatzzeiten, die er dem lange Zeit verletzten Defensivmann gewährt. Darunter auch ein Startelfeinsatz im Topspiel bei Bayer Leverkusen – und das, obwohl Ito zuvor nur zwölf Pflichtspielminuten absolviert hatte (beim Sieg in Glasgow). Aktuell bleibt eben keine Zeit für Welpenschutz – und Ito braucht ihn auch nicht.
„Hiroki war ganz lange raus und er hat in ganz kurzer Zeit gezeigt, dass er in Zukunft für unseren Verein ein sehr wertvoller Spieler sein wird. Das Tor ist natürlich immer schön“, sagte Kompany nach der Partie gegen die Eintracht. Wieder so ein Indiz, wie sehr der Belgier Ito schätzt. Normalerweise äußert sich der Coach nur äußerst zurückhaltend über einzelne Spieler.
Lange Verletzungspause nach Bayern-Wechsel
Tatsächlich grenzt es fast an ein Wunder, wie gut Ito sich in der Mannschaft eingefunden hat. Zur Erinnerung: Im vergangenen Sommer verletzte er sich im Testspiel gegen den 1. FC Düren – Mittelfußbruch und OP! Was folgte, war eine lange Leidenszeit – inklusive eines zweiten Eingriffs im November, der das angepeilte Comeback nochmals nach hinten verschob.
„Das ist so eine Geschichte, die auch gut ist für die Mannschaft“, erklärte Kompany. Der Coach ergänzte: „Sechs, sieben Monate raus und dann dieser Moment heute. Das sind alles Geschichten, die wir mitnehmen in dieser Saison.“ In München schätzt man Itos Zweikampfstärke, aber vor allem seine Flexibilität. Er kann sowohl als Innen- als auch als Außenverteidiger spielen. Beim VfB Stuttgart kam er sogar auf dem linken Flügel zum Einsatz.
Ito könnte ein echter Faktor werden
Fakt ist: Ito befindet sich auf dem besten Weg, ein echter Faktor in der entscheidenden Phase der Saison zu werden. Auch wenn der 25-Jährige noch mit dem kleinen Hype um seine Person zu fremdeln scheint.
Als er am Sonntagabend von einem Reporter aus seiner Heimat um ein Interview gebeten wurde, würdigte Ito ihn kaum eines Blickes. Eher ungewöhnlich für Spieler aus Japan, die üblicherweise mit größter Geduld die Fragen der Journalisten beantworten. Vermutlich traut Ito seinem Aufstieg zum bayerischen Unterschiedsspieler selbst noch nicht. Am besten dürfte es ohnehin sein, weiter Leistung sprechen zu lassen.