Einen riesigen Traum hat sich Gina Lückenkemper mit dem Titelgewinn bei der Europameisterschaft vor exakt einem Jahr sensationell erfüllt, eine weitere Sternstunde soll es für die 26-Jährige bei der anstehenden Leichtathletik-WM in Budapest (17. bis 29. August) geben.

„In Budapest ist das Ziel, ins Finale zu kommen“, betonte Deutschlands schnellste Sprinterin. Von den Resultaten der vergangenen Weltmeisterschaften hat Lückenkemper nämlich genug. 2017, 2019 und 2022 war jeweils im Halbfinale Schluss. Diese Serie soll nun endlich enden.

Gina Lückenkemper konnte ihr Glück bei der EM 2022 kaum fassen
Gina Lückenkemper konnte ihr Glück bei der EM 2022 kaum fassenGina Lückenkemper konnte ihr Glück bei der EM 2022 kaum fassen

Dass Lückenkemper für ihr großes Ziel eine magische Grenze knacken muss, ist ihr bewusst. „Definitiv unter elf Sekunden“ werde sie benötigen und fügte selbstbewusst hinzu: „Das ist aber auch etwas, was ich mir zutraue und was ich auch für möglich halte.“ Allerdings dürfte sie sich „keine Fehler erlauben“.

Dass sie bei großen internationalen Events zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist, hat sie nicht zuletzt vor exakt einem Jahr eindrucksvoll demonstriert.

Am 17. August 2022 verwandelte Lückenkemper das Münchner Olympiastadion in ein wahres Tollhaus. Bei den European Championships dauerte die Ungewissheit im Ziel nur wenige Augenblicke an, ehe ihr Name als erster auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Der Rest war pure Freude und unbändiger Jubel.

Im Vorfeld galt die Sprinterin nur als Außenseiterin im 100-Meter-Finale, mindestens drei Konkurrentinnen wurden aufgrund ihrer Vorleistungen höher eingeschätzt. Zum richtigen Zeitpunkt schlug Lückenkemper aber eiskalt zu. Vor allem in der zweiten Rennhälfte drehte sie richtig auf und lag am Ende mit drei anderen Läuferinnen praktisch gleichauf.

Mutig schmiss sich Lückenkemper über den Zielstrich, stürzte zu Boden – mit dem maximalen Erfolg. Das Fotofinish offenbarte, dass sie die Nase tatsächlich hauchdünn vorne hatte.

Krankenhaus-Besuch nach Lückenkemper-Sieg

Kurios: Lückenkemper hatte sich bei ihrem Sturz im Ziel sogar eine Fleischwunde zugezogen, die später im Krankenhaus mit acht Stichen genäht wurde.

„Ich bin vorher noch nie Krankenwagen gefahren. Super-spannend, was da so passiert ist, ich war auch noch nie in der Notaufnahme“, erzählte die 100-Meter-Gewinnerin später und ergänzte: „Ich hatte im Krankenwagen auch die Begleitung der Dopingkontrolle dabei. Nachdem wir fertig genäht hatten, konnte ich die Dopingkontrolle auch fertig machen.“

Unvergessen bleibt der Abend aber nicht nur für die Sprinterin, sondern für die gesamte deutsche Leichtathletik. Denn nur wenige Minuten zuvor war bereits Niklas Kaul im Zehnkampf Europameister geworden.