Danke, Hansi Flick! Dieses DFB-Team macht wieder Spaß.
Auch wenn es beim Länderspiel-Klassiker gegen England das dritte 1:1 in Folge gab, zeigte der viermalige Weltmeister am Dienstag in München seine bis dato beste Leistung im Jahr 2022 – und insgesamt ein ganz anderes, lebhafteres Gesicht als zwölf Monate zuvor, als die Ära Joachim Löw mit einem sang- und klanglosen 0:2 im Achtelfinale der EURO gegen ebenjenen Gegner zu Ende gegangen war. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Nations League)
Das Sieger-Gen, das Flicks Bayern in der Triple-Saison 2019/20 auszeichnete, muss Löws Nachfolger zwar noch auf die Nationalelf übertragen, doch das ist ihm bis zur WM zuzutrauen.
Nach einer langen Saison ist es ohnehin nur verständlich, dass viele Spieler urlaubsreif daherkommen und auch aus mentaler Sicht keine Kraft mehr aufbringen, in jedem Nations-League-Spiel bis zur letzten Minute 100-prozentig konzentriert zu sein. (Alle News und Hintergründe zur deutschen Nationalmannschaft)
Dass Kontrolle und Spielwitz stimmen, macht jedoch Hoffnung. Zumal sich Rückhalt Manuel Neuer schon jetzt in absoluter WM-Form präsentiert, Mittelfeldchef Joshua Kimmich wieder besser in Fahrt kommt und Neulinge wie Jamal Musiala, David Raum oder Nico Schlotterbeck (verschuldeter Elfmeter gegen England hin oder her) für angenehm frischen Wind sorgen.
WM 2022 in Katar: Die Zeit rennt Flick davon
Blöd nur, dass Flick bis zum Turnierstart in Katar in etwas mehr als fünf Monaten keinen zuverlässigen Torjäger aus dem Hut zaubern kann. (DATEN: Tabellen der Nations League)
Seine Mannschaft wäre einer der großen Favoriten, hätte sie einen echten Weltklasse-Stürmer mit Weltklasse-Riecher vorne drin, der aus einer halben Chance ein Tor macht. Einen wie Karim Benzema oder Robert Lewandowski.
Der von Thomas Tuchel beim FC Chelsea zum falschen Neuner umfunktionierte Kai Havertz wirkt zwar von Mal zu Mal robuster, wenn er zur Nationalelf kommt – die eingebaute Torgarantie und das Gespür für die richtige Positionierung im Strafraum à la Miro Klose hat der gelernte Mittelfeldspieler aber (noch) nicht. (SERVICE: DFB-Stars in der Einzelkritik)
Timo Werner fehlt ebenfalls der Killerinstinkt, Serge Gnabry ist auf dem Flügel besser aufgehoben und die von Flick aus der U21 hochgezogenen Karim Adeyemi und Lukas Nmecha müssen noch einige Entwicklungsschritte gehen, um ernsthafte Startelf-Optionen zu werden.
Der Bundestrainer hat ein Problem, das er bei den Bayern nicht hatte – und schwer zu lösen ist.