Der französische Traditionsverein RC Lens spielte eine der erfolgreichsten Saisons der vergangenen Jahre. Platz sieben in der Ligue 1, das internationale Geschäft ganz knapp um nur vier Punkte verpasst.

Eine Sensation, denn die Mannschaft aus dem Norden ist erst seit 2020 wieder erstklassig, spielte davor fünf Jahre in Folge in der Ligue 2. (DATEN: Die Tabelle der Ligue 1)

Einer der Erfolgsgaranten ist Stürmer Florian Sotoca. Sechs Tore und vier Vorlagen steuerte der Franzose in der abgelaufenen Saison bei. Eigentlich keine überragenden Werte, doch Sotoca spielt erst seine dritte richtige Saison in der Ligue 1 – und das mit 31 Jahren!

Sotoca: Tagsüber Schuhverkäufer, abends Fußballspieler

Geboren in Narbonne, einer 53.000-Einwohner-Gemeinde in Südfrankreich, fing er früh mit dem Fußballspielen an. Hoch hinaus schaffte er es erst einmal nicht, Sotoca spielte maximal in der Viertklassigkeit. Das Einkommen reichte nicht, um allein davon zu leben. Sotoca musste kreativ werden, auch um sich von der finanziellen Abhängigkeit seiner Eltern loszusagen.

Der Zeitung Le Parisien verriet er: „Mein Onkel hatte gerade seine Firma eröffnet. Er bat mich, ihn zu begleiten. Das dauerte ein Jahr lang. Tagsüber haben wir Schuhe an Privatpersonen verkauft und abends bin ich zum Training gegangen“. Tagsüber Schuhverkäufer, abends Fußballspieler! (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Ligue 1)

Eine Zeit, die ihm schwer zugesetzt hat. „Es ist nicht immer einfach, beides miteinander zu verbinden. Ich musste mich durchbeißen. Es war ein wichtiger Schritt in meinem Leben, dass ich so früh in das Arbeitsleben eingetaucht bin. Ich konnte mich mit der Arbeitswelt auseinandersetzen. Mental hat mir diese Erfahrung gutgetan und mich abgehärtet. Ich habe daraus eine Stärke gemacht“, sagte er.

Kometenhafter Aufstieg und gnadenloser Fall

Seine Mentalität wurde im Jahr 2014 belohnt. Sotoca, der inzwischen beim rund 200 Kilometer entfernten FC Martigues spielte, wechselte nach ordentlichen Leistungen zum Drittligisten AS Beziers. Ein Sprung in den Profibereich, dennoch ein weiter Weg in die Ligue 1.

Florian Sotoca spielt seit 2019 für den RC Lens
Florian Sotoca spielt seit 2019 für den RC LensFlorian Sotoca spielt seit 2019 für den RC Lens

Doch nur ein Jahr später sollte sich das ändern. Der HSC Montpellier wurde auf den Stürmer aufmerksam und verpflichtete den damals 24-Jährigen. In seiner ersten Saison kam er jedoch lediglich auf einen Ligapokaleinsatz über 90 Minuten sowie einen Kurzeinsatz in der Ligue 1. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Ligue 1)

Es wurde sogar noch schlimmer. Nach nur einem Jahr beendete Montpellier die Zusammenarbeit mit Sotoca, der Franzose wechselte zum viertklassigen Verein Grenoble Foot. Aus der Traum vom Profifußballer – fürs Erste.

Drei Aufstiege in vier Jahren mit Grenoble

Denn Grenoble schaffte, mit einem bärenstarken Sotoca, binnen zwei Jahren den Aufstieg von der vierten Liga in die Ligue 2. Auch dort wusste er zu überzeugen und erzielte in der ersten Saison direkt zwölf Tore für den Aufsteiger.

Das blieb seinem jetzigen Verein, dem RC Lens, nicht verborgen. Der Klub, der zu diesem Zeitpunkt selbst noch zweitklassig spielte, verpflichtete den Stürmer im Jahr 2019 für über eine Million Euro Ablöse.

Der ambitionierte Racing Club wollte unbedingt in die Ligue 1 aufsteigen. Mit Sotoca im Verein dauerte das Erreichen dieses Ziels nicht lange. Nach nur einer Saison und dank acht Toren von Florian Sotoca schaffte Lens die Rückkehr ins französische Oberhaus.

Der zu diesem Zeitpunkt 29-Jährige avancierte zum Stammspieler und Torjäger. Somit erfüllte er sich doch noch seinen Traum vom Profifußballer. Er selbst zeigt sich zufrieden mit seiner bisherigen Karrierelaufbahn: „Ich habe alle Ligen durchlaufen, von der sechsten Liga bis zur Eliteklasse. Ich bin stolz darauf, aus dieser schönen Amateurwelt zu kommen und den Fußball von unten zu repräsentieren“, sagte er.

Die Parallelen zu einem „normalen“ Profi sieht er nicht unbedingt als Nachteil. „Ich habe ein anderes Auge als die Jugendlichen, die durch die Ausbildungszentren gegangen sind und auf den Beruf vorbereitet werden. Ich habe einen anderen Ansatz. Ich weiß, wie schwierig es ist, am unteren Ende der Skala zu stehen. Danach ist Fußball immer noch Fußball. Auf dem Platz ist die Leidenschaft die gleiche“, stellte er klar.

Seine Leidenschaft hätte ihn und den RC Lens beinahe nach Europa gebracht.