Interviews am Fließband, jede Menge TV-Kameras und überall Fotografen: Die turbulenten Tage vor der Europameisterschaft 2018 (täglich im LIVETICKER auf SPORT1) bringen Uwe Gensheimer nicht aus der Ruhe.
Aus dem „Neymar-Land“ Paris ist der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft schließlich ganz andere Dimensionen gewohnt.
„Ich wohne in unmittelbarer Nähe des Prinzenparks und habe den Trubel hautnah erlebt, als Neymar im Stadion als Neuzugang präsentiert wurde. Da war einfach die Hölle los, das ist eine andere Welt“, sagte Gensheimer dem Mannheimer Morgen.
Vor dem EM-Turnier in Kroatien ist der Starspieler von Paris St. Germain ein gefragter Mann. Seine Geschichte mit der Nationalmannschaft ist eine besondere.
Deutschland – Montenegro am Samstag, den 13. Januar, ab 17.15 Uhr im LIVETICKER
Noch kein Titel mit der Nationalmannschaft
Seit seinem Debüt im Jahr 2005 ist der gebürtige Mannheimer immer mehr in die Rolle einer prägenden Figur im Team des Deutschen Handballbundes (DHB) gewachsen. Doch ein Titel im Trikot mit dem Adler auf der Brust fehlt dem trickreichen Torjäger noch immer.
Das EM-Finale 2016, den großen Triumph unter dem damaligen Coach Dagur Sigurdsson, musste Gensheimer verletzt von der Tribüne aus verfolgen. „Das will man mit dem Team auf der Platte erleben“, sagte er zwei Jahre später.
In Kroatien will Gensheimer unter Führung von Bundestrainer Christian Prokop endlich sein Meisterstück bei einem großen Turnier abliefern. Im vergangenen Jahr bei der Weltmeisterschaft in Frankreich war ihm unter schwierigsten Umständen erneut der große Coup verwehrt geblieben.
Drei Änderungen nimmt Handball-Bundestrainer Christian Prokop während der EM an seinem Kader vor. SPORT1 zeigt die aktuelle Zusammensetzung des deutschen Teams.
„Bester Linksaußen der Welt“
Wegen des plötzlichen Todes seines Vaters reiste Gensheimer erst verspätet an. Das Aus im Achtelfinale gegen Katar war eine sportliche Enttäuschung.
„Uwe wird alles geben in dem Turnier. Aber er setzt sich nicht zu sehr unter Druck, um etwas aufzuholen. Er will seinen Teil dazu beitragen, dass wir Erfolg haben“, sagte DHB-Teammanager Oliver Roggisch, der mit Gensheimer befreundet ist.
Gensheimer sei „der beste Linksaußen der Welt“ und für das junge Team ein „ganz wichtiger Spieler, der auch wenn es einmal nicht so gut läuft, seinen Mund aufmacht. Wenn er was sagt, dann hören alle zu.“
Kann Deutschland bei der Handball-EM in Kroatien seinen Titel verteidigen? Die Vorrunde lässt daran leichte Zweifel aufkommen. SPORT1 macht das Titelranking.
Gensheimer übertrumpft Karabatic
Auch in Paris hat der Mann mit dem Gummiarm schnell Fuß gefasst. Das Motto „Dream Bigger“ des Scheichklubs PSG hat Gensheimer längst verinnerlicht – wenn auch finanziell auf einem anderen Niveau als Fußballstar Neymar.
Doch Neid kommt bei Gensheimer nicht auf – im Gegenteil. Er ist bescheiden geblieben, genießt die französische Lebensart und fährt gerne mit dem Fahrrad zum Training. Starallüren sind ihm trotz konstanter Topleistungen fremd. Die Handballfans von PSG wissen sein Auftreten zu schätzen.
„Ich habe mir sagen lassen, dass mein Trikot das meistverkaufte ist“, sagte Gensheimer nicht ohne Stolz. Das ist alles andere als selbstverständlich, wenn man mit Hochkarätern wie Nikola Karabatic, Mikkel Hansen und Co. in einem Team spielt. Topstars, die bei der EM nun zu seinen großen Gegnern werden könnten.
In wenigen Tagen startet die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der EM 2018 in die Mission Titelverteidigung. Die Zielsetzung ist klar: Das Finale in Zagreb.
DHB-Männer „die Gejagten“
Frankreich und Dänemark zählen wie Gastgeber Kroatien neben den Titelverteidigern aus Deutschland zu den heißesten Kandidaten auf den Sieg.
„Wenn man als Titelverteidiger zu einer Europameisterschaft fährt, ist man aber auch die gejagte Mannschaft“, sagte Gensheimer: „Ich glaube, dass wir sehr gute Chancen und auch das Potenzial haben, weit zu kommen.“
Seinen großen Traum vom ersten Triumph mit der Nationalmannschaft nahm er am Donnerstag mit in den Flieger Richtung Balkan.