Einst ging er als Olympia-Hoffnung an den Start, jetzt ist er als tief gefallener Schwerverbrecher im Drogen-Milieu festgenommen worden. Die Geschichte des früheren kanadischen Olympiateilnehmers Ryan Wedding klingt wie der Stoff eines Don-Winslow-Romans oder eines Hollywood-Reißers – doch traurigerweise ist alles wahr.

Der ehemalige Snowboarder, der 2002 an den Spielen in Salt Lake City teilnahm, wurde vor einigen Tagen in Mexiko festgenommen. Er wird in den Vereinigten Staaten unter anderem des Drogenhandels sowie der Anstiftung zu mehreren Morden beschuldigt.

Ryan Wedding nach seiner Verhaftung
Ryan Wedding nach seiner Verhaftung Ryan Wedding nach seiner Verhaftung

Olympia-Teilnehmer unter den meistgesuchten Verbrechern

Seit März 2025 stand Wedding auf der Liste der zehn meistgesuchten Personen des FBI. Jetzt gelang den Justizbehörden der Coup, den gesuchten Schwerverbrecher festzunehmen.

„Er wird in die Vereinigten Staaten überführt, um sich dort vor Gericht zu verantworten“, schrieb FBI-Direktor Kash Patel bei X: „Diese Operation ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit der mexikanischen Regierung.“

Vor Verbrecherkarriere wollte Wedding Olympia-Medaillen gewinnen

Bevor Wedding eine Verbrecherkarriere hinlegte, galt er lange als eines der größten Snowboard-Talente Kanadas. Wedding wurde am 14. September 1981 in Thunder Bay, Ontario als ältestes von drei Kindern geboren.

Seinen Großeltern gehörte das Mount Baldy Ski-Resort, in dem sein Onkel eine Ski-Schule leitete und gleichzeitig auch Trainer des kanadischen Ski-Alpin-Teams war. Auch sein Vater hatte eine Verbindung zum Wintersport. Er war einst professioneller Skifahrer.

Dementsprechend früh kam Wedding selbst zum alpinen Skifahren. Er soll sogar zuerst auf Skiern gestanden haben, bevor er das Laufen erlernte. Mit zwölf zog seine Familie in den Großraum Vancouver um, wo er dann zum Snowboarden wechselte.

Und in dieser Sportart stieg er dann schnell zu einem der größten Talente der Welt auf. Bei den Juniorenweltmeisterschaften 1999 gewann er im Parallel-Riesenslalom die Bronzemedaille. 2001 legte er bei der Junioren-WM in derselben Disziplin Silber nach und krönte sich im selben Jahr zum kanadischen Meister.

Nach Olympia-Teilnahme verändert sich alles

Mit gerade einmal 20 Jahren nahm Wedding dann 2002 an seinen ersten Olympischen Spielen in Salt Lake City teil. Als vielversprechendes Talent ging er durchaus mit der Ambition in die Spiele, um Medaillen mitzufahren. Doch es kam ganz anders.

Auch aufgrund von schlechten Pistenverhältnissen scheiterte Wedding mit seiner aggressiven Fahrweise bereits in der ersten Runde und landete am Ende nur auf Platz 24.

Die Spiele sollten aber auch schon indirekt erste Anzeichen für seine spätere Karriere aufzeigen. Der damals 20-Jährige machte deutlich, dass er keine Angst vor großem Risiko hat, als er in seinen Wettkampf ganz ohne Helm antrat und trotzdem die Piste waghalsig runterraste.

Wedding stürzt in die organisierte Kriminalität ab

Trotz der enttäuschenden Olympischen Spiele standen ihm mit 20 Jahren noch alle Tore offen. Doch Wedding entschied sich anders und beendete nach der Saison seine Karriere.

Warum er aufhörte, ist bis heute ein Mysterium – ebenso wie die Geschichte, wie er überhaupt in die organisierte Kriminalität abrutschte. In kanadischen Medien wird darüber spekuliert, dass er direkt nach seinem Karriereende als Türsteher in einer Diskothek arbeitete und so in Kontakt mit zweifelhaften Charakteren kam. Bestätigt ist dies aber nicht.

Zumindest verliert sich dann Weddings Spur, bis er plötzlich zwischen 2006 und 2010 mehrfach im großen Stile das Gesetz im Bereich Drogen-Anbau und Schmuggel bricht. 2006 soll er in Kanada ein illegales Business zum massenhaften Anbau von Cannabis aufgebaut haben. Als dieses aufflog, stellte die Polizei Pflanzen im Wert von 10 Millionen Dollar sicher.

Weil dem ehemaligen Profi-Sportler aber die Verbindung zum Drogenring nicht nachgewiesen werden konnte, blieb er auf freiem Fuß.

Mit 24 Kilo Kokain erwischt

Ganz anders gestaltete sich der Fall 2008, als er zusammen mit zwei weiteren Personen in San Diego (USA) wegen des Besitzes und der Lieferung von 24 Kilogramm Kokain festgenommen wurde.

2010 wurde er in der Sache wegen des Schmuggelns und Vertriebs von Kokain von einem US-Bundesgericht zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. 2011 wurde er aber schon wieder aus der Haft entlassen.

Danach wurde er zu einem der meistgesuchten Verbrecher der Welt – denn in den folgenden Jahren wurde er zu einem der Köpfe im internationalen Drogenhandel und Drogenschmuggel.

Nach erstem Gefängnisaufenthalt beginnt kriminelle Laufbahn so richtig

Wedding soll in Zusammenarbeit mit dem mächtigen mexikanischen Sinaloa-Kartell Drogen von Mexiko nach Los Angeles geschmuggelt und von dort in die Vereinigten Staaten und nach Kanada verteilt haben.

Weddings Netzwerk sei „für den jährlichen Import von etwa 60 Tonnen Kokain nach Los Angeles per Lkw aus Mexiko verantwortlich“, erklärte US-Justizministerin Pam Bondi.

2024 wurde deshalb gegen ihn und fünfzehn weitere Personen Anklage erhoben. Ihm wurde zudem vorgeworfen, dass er 2023 und 2024 die Ermordung dreier Menschen in Auftrag gegeben hat.

Anschließend wurde Wedding, der viele seiner kriminellen Tätigkeiten unter Aliasnamen wie „El Jefe“ (der Chef), „Giant“ oder „Public Enemy“ ausübte, vom FBI mit der geheimen „Operation Riesenslalom“ gesucht.

Die Mehrheit der 16 Beschuldigten wurde dabei geschnappt, nicht aber Wedding, der flüchtig blieb und unter dem Schutz des Sinaloa-Kartells in Mexiko untertauchte.

FBI setzte Wedding auf die Liste der meistgesuchten Verbrecher der Welt

Um welche Größenordnung des Drogenhandels es geht, wurde auch dadurch deutlich, dass während der Ermittlungen mehr als eine Tonne Kokain und Schusswaffen sichergestellt wurden.

Weil Wedding aber noch immer nicht gefunden werden konnte, setzte ihn das FBI ab 2025 auf die Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher der Welt. Gleichzeitig schrieb man auch eine Belohnung von zehn Millionen US-Dollar aus, sollte Zeugen Hinweise liefen können, die zur Ergreifung des ehemaligen Olympioniken führen könnten.

Ryan Wedding war einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt
Ryan Wedding war einer der meistgesuchten Verbrecher der WeltRyan Wedding war einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt

Diese Summe wurde später sogar auf 15 Millionen erhöht, als das Justizministerium eine weitere Anklage wegen Mordes, Zeugenbeeinflussung und -einschüchterung sowie Geldwäsche und Drogenhandel gegen Wedding erhob.

Er soll auf einer Webseite ein Kopfgeld auf einen Mann (einen Zeugen, der Wedding hätte belasten können) und dessen Ehefrau ausgesetzt haben. Das führte schließlich zur Ermordung des Zeugen im Januar 2025 in Medellin (Kolumbien).

FBI beschreibt Wedding als „modernen Pablo Escobar“

„Er ist ein moderner El Chapo“, sagte FBI-Direktor Patel nach seiner Festnahme: „Er ist ein moderner Pablo Escobar und er dachte tatsächlich, dass er sich der Justiz entziehen konnte.“

Doch das gelang ihm letztendlich dann doch nicht. Im Januar 2026 wurde er dann in Mexiko doch verhaftet. Laut US-Medienberichten soll er sich selbst in der US-Botschaft in Mexico City gestellt haben.

Anschließend wurde er nach Kalifornien ausgeflogen, wo er jetzt vor Gericht gestellt wird. Wedding soll in allen Anklagepunkten auf „nicht schuldig“ plädieren.

Bei Ermittlungen werden Motorräder von Rossi und Márquez gefunden

Im Laufe der Ermittlungen ergab sich übrigens eine weitere indirekte Verbindung von Wedding zum Sport. Knapp einen Monat vor seiner Verhaftung wurden in Mexiko Rennmotorräder beschlagnahmt, die Wedding gehören sollen.

In einer Lagerhalle fanden die Polizisten MotoGP-Maschinen von Marc Márquez und Valentino Rossi. Darunter das Bike des Spaniers, mit dem er 2012 Moto2-Weltmeister wurde, und die Maschine von Motorrad-Ikone Rossi, mit der dieser 1997 seinen ersten WM-Titel überhaupt holte.

Die Sammlung soll einen Gesamtwert von geschätzten 40 Millionen Dollar haben. Wie Wedding an die Maschinen kam, ist unklar – wie so vieles in seinem Leben.

Wie der einstige Olympia-Teilnehmer zu einem Drogenbaron wurde, wird sich wahrscheinlich in den kommenden Monaten deutlicher offenbaren – und könnte tatsächlich noch Stoff für einen Hollywood-Reißer werden.