Würden sechs Tage vor ihrem großen Duell im NFL-Stadion von Las Vegas die Fäuste fliegen? Würde einer der beiden WWE-Giganten den ultimativen verbalen Giftpfeil auf den anderen loslassen?
Viel Spannung lag in der Nacht zum Dienstag in der Luft, als World Champion CM Punk und Herausforderer Roman Reigns der WWE-Sendung Monday Night RAW im Ring begegneten – zum letzten Mal, bevor sie am Wochenende den Hauptkampf der Megashow WrestleMania 42 bestreiten werden.
Doch die Konfrontation lief etwas anders, als viele Fans erwartet hätten. Die langjährigen Topstars der Branche wurden nicht handgreiflich – und auch verbal überschritten die beiden diesmal, anders als in den Wochen zuvor, keine Grenzen. Es gab sogar eine Entschuldigung anstelle einer Eskalation.
WWE inszenierte das Aufeinandertreffen diesmal nicht als persönliche Erzfeindschaft – sondern als heißes Duell zweier gegensätzlichen Charaktere, die sich trotz aller Rivalität auch um Größe und Wahrhaftigkeit bemühten.
WWE RAW: CM Punk und Roman Reigns bereiten die Bühne für WrestleMania 42
„I hate you because I envy you“ – „Ich hasse dich, weil ich dich beneide“: Dies war der erstaunliche Schlüsselsatz, mit dem Punk in Sacramento den Ton vorgab.
Punk bekannte freimütig, dass seine Sticheleien gegen Royal-Rumble-Sieger Reigns in den vergangenen Wochen und Monaten auch mit persönlicher Schwäche zu tun hätten: Er beneide Reigns, um das was er habe – dass er in eine Wrestling-Familie hineingeboren sei, was ihm die Karriere erleichtert hätte. Und er hasse es, dass er bei der Erfüllung seines lang gehegten Traums eines WrestleMania-Hauptkampfs ausgerechnet mit Reigns teilen müssen – der viel „geschenkt“ bekommen hätte, was er sich hätte erarbeiten müssen.
Der „Straight Edge Superstar“ erinnerte daran, dass in schwierigen Verhältnissen geboren wurde. Er sei stolz, dass er sich ohne Hilfe der Familie aus ihnen heraus- und an die Spitze der Branche gekämpft hätte. Er hätte sich seine Familie – die Fans – suchen müssen.
Im gleichen Atemzug erkannte Punk aber auch an, dass er Reigns auch deswegen beneide, weil er wisse, dass er mehr als nur ein privilegiertes Glückskind sei. Reigns habe hart gearbeitet, um seinen Privilegien gerecht zu werden. Punk entschuldigte sich auch für die provokante Erwähnung des Todes von Reigns‘ Vater Sika. Er respektiere Sika, so wie er alle Wegbereiter des heutigen Wrestlings respektiere.
Die Bühne ist bereitet
Auch Reigns überraschte daraufhin mit dem Bekenntnis, dass er Punk durchaus auch beneide. Nach vielen kritischen Erwähnungen von Punks Bruch mit WWE 2014 betrachtete Reigns die Angelegenheit von einer anderen Seite.
Es sei bemerkenswert und spreche für Punk, wie groß die Sehnsucht der Fans nach seinem Comeback gewesen sei. Wie sehr Punk vermisst wurde, dass die WWE-Zuschauer fast zehn Jahre seinen Namen riefen – das könne ihm niemand nehmen und er selbst könne sich so loyale Fans auch nur wünschen.
Trotz aller offenen und verdeckten Anerkennung blieben Punk und Reigns bei der entscheidenden Frage uneins: Punk kündigte an, am Sonntag Reigns‘ Rückkehr auf den WWE-Thron zu verhindern – Reigns wiederum erklärte, dass er die Nostalgiewelle für Punk beenden und die Verhältnisse bei WWE wieder geraderücken werden. Es werde am Sonntag nicht „and still“, sondern „and new“ heißen: Punk werde nicht Champion bleiben, Reigns werde Champion sein und Punk ihn anerkennen.
Das Titelmatch wird in der Nacht zum Montag den zweiten WrestleMania-Abend beschließen – die Bühne ist bereitet.