Viele Fans bei WWE hat er schon für sich eingenommen – doch auf der größten Bühne des Wrestling-Weltmarktführers muss er noch anderen den Vortritt lassen.

Der deutsch-russische Topwrestler Ilja Dragunov fehlt an diesem Wochenende auf der Card für die Megashow WrestleMania 42 im NFL-Stadion von Las Vegas. Der „Unbesiegbar Zar“ bekam stattdessen einen Auftritt bei der jährlichen Andre the Giant Memorial Battle Royal bei der „Go Home Show“ der TV-Sendung Friday Night SmackDown, die ebenfalls in Vegas stattfindet. Es stimmte seine Anhänger eher wehmütig.

WWE: „Wir verdienen dich nicht, Ilja Dragunov“

„Es ist ein Verbrechen, das die beiden auf der WrestleMania-Card fehlen“, kommentierte der reichweitenstarke spanische Wrestling-Streamer LuigiWrestling bei X den Moment in dem Dragunov von Aleister Black aus dem Kampf eliminiert wurde. Der im vergangenen Jahr von Konkurrent AEW zu WWE zurück gewechselte Niederländer Black ist ein weiterer prominenter Name, der im Hauptprogramm in Vegas fehlt.

Andere Fans schlossen sich an: „Wir verdienen dich nicht, Ilja Dragunov“, lautete eine der Antworten auf das klagende Posting.

Es ist ein wiederkehrendes Muster, dass die Massenschlacht im Gedenken an Ringymthos Andre the Giant Diskussionen um den Status der Beteiligten auslöst: Seit jeher gilt das Match als eine Art Trostpreis für Wrestler, für die WWE keine größeren Pläne bei seinem Jahreshöhepunkt hat – ausgenommen der Sieger, das in diesem Jahr der frisch von AEW übergelaufene Schwergewicht  Royce Keys (ehemals Powerhouse Hobbs).

Bei WrestleMania noch nicht in Reihe 1

Für den 32 Jahre alten Dragunov, der vor zwei Jahren am Tag nach WrestleMania sein offizielles Hauptkader-Debüt für WWE gefeiert hatte, ist es gewiss keine Schande, es in diesem Jahr nicht auf die WrestleMania-Card geschafft zu haben.

Unter den Absenzen bei dem großen Stadion-Spektakel, für die „nur“ ein Card-Platz bei SmackDown blieb, sind auch viele etablierte Namen wie Damian Priest, Solo Sikoa, Tiffany Stratton, Rey Fenix und Shinsuke Nakamura.

Nichtsdestotrotz ist Signalwirkung durchaus gegeben: Für die vorderste Reihe der Talente, die im Lauf des vergangenen Jahrs in den Hauptkader vorgestoßen sind – Oba Femi, Trick Williams, Je’Von Evans – hat WWE Cardplätze für WrestleMania geschaffen.

In dieser vordersten Reihe ist Dragunov – Stand jetzt – nicht. Noch fehlt dem 1,78 Meter großen Top-Athleten aus WWE-Sicht anscheinend etwas, um „undeniable“ zu sein – jemand, an dem man nicht vorbeikommt. Trotz des großen Respekts, den sich Dragunov auch hinter den WWE-Kulissen schon erarbeitet hat.

Legende Shawn Michaels voll des Lobes

Der 32 Jahre alte Dragunov – bürgerlich: Ilja Rukober – wurde im Januar 2019 von WWE verpflichtet, nachdem er zuvor in der deutschen und europäischen Szene mit seinen intensiven und emotional mitreißenden Matches nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hatte. (Ilja Dragunov im SPORT1-Interview über seine schwierige Kindheit: „Das, was ich im Ring darstelle, ist etwas sehr Reales“)

Der „Unbesiegbar Zar“ etablierte sich bei WWE im mittlerweile abgeschafften Europakader NXT UK und später im US-Aufbaukader NXT. Er führte beide Shows als Champion an, unbestrittenes Highlight war seine schon in Europa gestartete Rivalität mit dem späteren World Champion Gunther (damals: Walter). Die beiden lieferten sich zwei herausragende Duelle um den NXT-UK-Titel, die von Kritikerpapst Dave Meltzer mit dem begehrten Fünf-Sterne-Rating prämiert wurden.

WWE-Legende Shawn Michaels, bei NXT Dragunovs Lehrmeister, hatte schon 2023 im Gespräch mit SPORT1 unterstrichen, wie hoch seine Wertschätzung für Dragunov ist: „Er ist unglaublich begabt – und auf unglaubliche Weise einzigartig.“

Auch Carmelo Hayes nicht dabei

Im vergangenen Herbst gewann der 2024 von einem Kreuzbandriss zurückgeworfene Dragunov seinen ersten Hauptkader-Gürtel, er nahm Sami Zayn den traditionsreichen US Title ab. Besagten Titel verlor Dragunov schließlich an Carmelo Hayes, der den Titel dann wieder an Zayn abgab – der bei WrestleMania nun auf den charismatischen Shootingstar Trick Williams trifft.

Auch Hayes fehlt auf der WrestleMania-Card – was unter WWE-Fans noch größere Diskussionen ausgelöst hat als der Fall Dragunov. Hayes ist am Wochenende ganz außen vor, offiziell wegen einer Knieverletzung, die er sich im Rückmatch gegen Zayn zugezogen haben soll. Es ist unklar, ob Hayes tatsächlich verletzt ist oder ob es sich um einen inszenierten „Work“ handelt, damit die Diskussionen um Hayes das Zayn-Williams-Match nicht überschatten.

Ebenfalls nicht auf der WrestleMania-Card ist Dragunovs deutscher Landsmann Ludwig Kaiser, der gerade als maskierter „El Grande Americano“ – sehr erfolgreich – bei der mexikanischen Partnerliga AAA stationiert ist. Der gemeinsame Weggefährte Gunther aus Österreich bestreitet bei Mania ein großes Match gegen Seth Rollins.