Kurz vor der Megashow WrestleMania stehen plötzlich nicht mehr die etablierten Topwrestler, sondern Star-Podcaster Pat McAfee im Mittelpunkt des WWE-Geschehens. Mit der vieldiskutierten Enthüllung von Ex-NFL-Footballer McAfee als mysteriöser Strippenzieher hinter Erzbösewicht Randy Orton hat die Liga sich vergangene Woche den heftigsten Sturm der Kritik seit Jahren eingehandelt – der in dieser Woche eher nur schlimmer geworden ist.
Bei der aktuellen Ausgabe der TV-Show Friday Night SmackDown zeigte sich: Die Liga rückt nicht ab von der Story-Idee, die angeblich von Konglomeratsboss Ari Emmanuel persönlich stammt. Sie vertiefte sie stattdessen – und handelte sich noch mehr Unmut ein.
WWE SmackDown: Pat McAfee weiter im Fokus
Schon am Montag bei der TV-Show Monday Night RAW stand McAfee indirekt im Mittelpunkt, als sich CM Punk in die Story einschaltete und sich in einer langen Rede vor den Fans gegen ihn und seine Hintermänner in der WWE-Chefetage positionierte. Unter anderem verspottete Punk McAfee als „Pat MAGAfee“ – eine Anspielung auf McAfees Sympathie für US-Präsident Donald Trump.
McAfee gab dies bei SmackDown nun zurück – und nannte Punk einen Heuchler, der öffentlich den Rebellen gegen das System spiele, im Stillen das Geld der Bosse aber gern einstreiche. Unter anderem erwähnte McAfee Punks umstrittene Entschuldigung in Richtung des WWE-Geschäftspartners Saudi-Arabien – den Punk vor seinem WWE-Comeback 2023 noch scharf kritisiert hatte.
Es folgte ein erneutes Wortgefecht McAfees mit WWE-Champion Cody Rhodes, Ortons WrestleMania-Gegner. Der Fokus verlagerte sich weiter weg von der persönlichen Rivalität der langjährigen Weggefährten Orton und Rhodes hin zu einer Meta-Geschichte, in der sich Rhodes und McAfee darüber streiten, wer dem Geschäft von WWE mit seiner Präsenz schade und wer es „rette“.
McAfee verlässt die Halle mit dem WWE-Gürtel
McAfee offenbarte bei seinem Auftritt auch eine „massive Überraschung“, die er vorher angekündigt hatte: Es gibt eine 25-Prozent-Ticketrabattaktion für den WrestleMania-Samstag mit dem Match Rhodes vs. Orton – nicht aber für den Sonntag mit Punk vs. Roman Reigns. Punk hatte die zunehmende Fankritik an den hohen Ticketpreisen bei WWE am Montag aufgebracht.
Das Segment endete damit, dass Orton hinter den Kulissen zugeschaltet wurde und zu sehen war, dass er den ebenfalls bei WWE involvierten Rapper Jelly Roll attackierte. Orton ließ eine Attacke auf Rhodes folgen, die damit endete, dass McAfee den Titelgürtel Rhodes‘ an sich nahm und in provokanter Manier mit dem gestohlenen Gürtel in der Hand die Halle verließ – zusammen mit Orton, der nun als sein Vollstrecker agiert.
McAfee beschloss seinen Auftritt mit einem höhnischen Gruß an die „Internet-Wrestlinggemeinde“, die er im Insider-Sprech „Marks“ nannte: „Gern geschehen.“
Wie der Wrestling Observer mittlerweile berichtet, soll die Story mit McAfee auch nach Mania weitergehen: Für den Event Backlash im Mai sei ein Tag-Team-Match zwischen Rhodes und Jelly Roll sowie McAfee und Orton geplant.
Die ersten Reaktionen fallen hart aus
An der Art und Weise, wie WWE McAfee inszeniert, ist zu merken, dass die Liga den Versuch unternimmt, den realen Unmut in produktive Bahnen zu lenken.
Die Kritiker wirken allerdings eher nicht besänftigt – erste Reaktionen in den sozialen Medien und Fanforen fallen einmal mehr kritisch bis verärgert aus.
„Das ist einfach nur beschämend“, kommentierte der langjährige Wrestling-Reporter Wade Keller in seinem Pro Wrestling Torch: „Das ist der Inbegriff einer Story, die jemand, der die Branche nicht versteht, für toll hält – ohne zu verstehen, dass derart billige und kontraproduktive Versuche, ‚Heat‘ zu erzeugen, typisch für verglühende Ligen sind und alles schlimmer machen“. Es sei „amateurhaft“ und „traurig mitanzusehen“.
Es sieht nicht so aus, als ob die Unruhe abnimmt.