Wer ist der mysteriöse Strippenzieher hinter Randy Orton? Seit mehreren Wochen rätselten WWE-Fans, wer die unbekannte Person war, mit der der Rivale von WWE-Champion Cody Rhodes immer wieder telefoniert hatte.

Zwei Wochen vor der Megashow WrestleMania 42 hat die Wrestling-Liga die Story nun aufgelöst. Die große Enthüllung bei der TV-Sendung SmackDown hat allerdings höchst zwiespältige Reaktionen ausgelöst.

WWE SmackDown: Pat McAfee ist Ortons Mystery Man

Die Show in Ortons Heimatstadt St. Louis begann damit, dass Rhodes seinen früheren Freund und Mentor Orton attackierte – als Fortsetzung des Rachefeldzugs nach dem blutigen Verrat Ortons bei der Vertragsunterzeichnung vor einigen Wochen.

Nach einer Weile folgte der Twist: Pat McAfee – Ex-NFL-Footballer, bekannter Podcaster, Football-TV-Experte, WWE-Kommentator und Gelegenheitswrestler – feierte sein unangekündigtes WWE-Comeback und entpuppte sich als Ortons Verbündeter. McAfee verpasste Rhodes einen Tiefschlag, verprügelte Rhodes gemeinsam mit Orton – und hielt dann eine Ansprache, in der er sich als „Retter“ bezeichnete, den die Liga in ihrem aktuellen Zustand dringend bräuchte.

McAfee schimpfte, dass WWE weit entfernt sei von den guten, alten Zeiten der „Attitude Era“: Er erwähnte – wahrheitsgemäß -, dass WrestleMania nicht ausverkauft ist und SmackDown (vergleichsweise) niedrige TV-Quoten hätte. Das sei auch kein Wunder, wenn man sich bei WWE ständig „45-minütige Ironman-Matches von 1,65-Meter-Typen ohnejeden Sinn“ ansehen müsste. Rhodes als Champion sei ein Symbol des Niedergangs, Orton werde für Besserung sorgen, versprach McAfee, der gemeinsam mit Orton die Szenerie verließ.

Später am Abend tauchte Rhodes nochmal auf und ließ eine eigene Tirade gegen McAfee folgen: In Anspielung auf die legendäre WCW-Storyline um die New World Order erklärte der „American Nightmare“: McAfee als Ortons mysteriöser Hintermann – das sei, als hätten Scott Hall und Kevin Nash damals statt Hulk Hogan den Undercarder Disco Inferno als ihren dritten Mann präsentiert.

Kritiker entsetzt: „Vibes der sterbenden WCW“

Das Fan-Feedback auf die Enthüllung McAfees fiel gemischt aus: In den Sozialen Medien zeigte sich ein Teil der WWE-Anhänger angetan, andere enttäuscht. Scharfe Kritik übte unter anderem der langjährige Wrestling-Reporter und -Kritiker Wade Keller, der sich in seinem Pro Wrestling Torch regelrecht entsetzt zeigte.

„Das ist die Art von aus der Hüfte geschossenem Nonsens, nach dem es schwer ein Zurück gibt, was deinen Ruf als kreativer Anführer einer Wrestling-Liga gibt“, schrieb Keller: „Wenn du anfängst, dein eigenes Produkt schlechtzumachen und über ‚kleine Wrestler‘ lästerst, die lange Matches bestreiten, hast du jedes Selbstvertrauen verloren. Das sind die Vibes der sterbenden WCW.“

Von der geschäftlichen Lage der einstigen Konkurrenzliga vor ihrem Untergang 2001 ist WWE 25 Jahre später weit entfernt, Keller sieht in der McAfee-Enthüllung dennoch einen Tiefpunkt: „Das könnte ein Moment sein, auf den wir in ein paar Jahren zurückblicken als klarstes Zeichen des Absturzes von WWE von dem Sockel, den es sich in den Jahren zuvor aufgebaut hatte.“

Aus Sicht von Keller hat WWE mit dem Segment auch ihrem Champion Rhodes einen Bärendienst erwiesen: „Wenn du je gedacht hast, dass Rhodes in dieser Liga etwas zu sagen hast: Er hat es nicht. Das hier hat ihn und seinen ganzen heißen Run als Champion begraben.“

Wurde Triple H die Story aufgezwungen?

Pikant: Kellers für gewöhnlich gut informierter Reporterkollege Mike Johnson vom Pro Wrestling Insider berichtet, dass die Story mit McAfee wohl nicht auf den eigentlich fürs Kreative verantwortlichen WWE-Vorstand „Triple H“ Paul Levesque zurückgehe.

Innerhalb der Liga herrsche laut Johnson der Glaube vor, dass die Involvierung McAfees Levesque von den Entscheidern der WWE-Mutterfirma TKO aufgezwungen worden sei – womöglich von Unternehmensboss Ari Emmanuel persönlich. Es würde erinnern an die vergangene WrestleMania, als Rapstar Travis Scott eine prominente Rolle in der WrestleMania-Story zwischen Rhodes und John Cena spielte – prominenter, als vielen eingefleischten Fans lieb war. Auch damals soll der legendäre Hollywood-Agent Emmanuel den prominenten Gaststar in Eigenregie engagiert haben.

Der Grund für McAfees prominente WrestleMania-Rolle soll der Crosspromo-Gedanke mit WWE-Medienpartner ESPN sein, wo McAfee inzwischen eines der bekanntesten TV-Gesichter ist. Das Engagement passt auch zu Berichten, dass McAfee auch in Hollywood größer herausgebracht werden soll. Das bekannte Wirtschaftsmedium Bloomberg berichtete kürzlich, dass Emmanuel aus McAfee „den nächsten Sylvester Stallone“ machen wolle.