Hulk Hogan und Bret „The Hitman“ Hart. Auf der einen Seite der Mann, der WWE zum globalen Phänomen machte. Auf der anderen Seite der, der sein Nachfolger als größter Publikumsliebling der Wrestling-Liga war.
Aus einem großen gemeinsamen Segment bei der Megashow WrestleMania heute vor 33 Jahren hätte eigentlich eines der größten Duelle der Showkampf-Geschichte werden können. Stattdessen entwickelte sich daraus eine reale Feindschaft, die sich bis in den Tod Hogans im vergangenen Jahr nicht auflöste.
Bret Hart und Hulk Hogan: Eine verpasste Gelegenheit
Hintergrund der Verstimmung: Der 68 Jahre alte Hart warf dem vier Jahre vor ihm geborenen Hogan vor, dass er nie für ihn getan hatte, was im Wrestling als guter Ton erachtet wird, wenn ein Topstar dabei ist, seinen Zenit zu überschreiten – dass er gegen den aufstrebenden Star in den Ring steigt und verliert. „Passing the torch“, die Fackel weiterreichen, wie man es im Englischen nennt.
Im Jahr 1993 schien dieser Moment eigentlich gekommen zu sein: Hogans Stern bei der damaligen WWF begann damals langsam zu sinken, auch durch seine Verwicklung in einen Steroid-Skandal, der das Unternehmen von Liga-Boss Vince McMahon damals erschütterte.
Hogan verschwand eine Weile von der Bildfläche, McMahon machte Ende 1992 den deutlich weniger muskulösen, aber technisch versierten Hart zum Champion.
Rechtzeitig vor dem Jahreshöhepunkt WrestleMania IX am 4. April 1993 kehrte Hogan dann allerdings zurück und McMahon verfügte eine letzte Titelregentschaft für ihn: Hart musste den Mania-Hauptkampf unfair gegen Bösewicht Yokozuna verlieren. Yokozuna forderte dann im Übermut Hogan heraus – und verlor binnen Sekunden.
Bret Hart: Hogan brach sein Wort
Nach Harts Darstellung versprach Hogan ihm hinterher, den Gefallen zu erwidern. Er tat es allerdings nie – obwohl schon Vorbereitungen für ein Hogan-Hart-Match getroffen worden waren, unter anderem ein gemeinsames Fotoshooting mit dem Titelgürtel.
Als vorerst letztes großes Match bei der WWF bestritt Hogan beim King of the Ring 1993 stattdessen nur einen Rückkampf gegen den 2000 verstorbenen Yokozuna, den er unsauber verlor, nachdem ihm ein falscher Fotograf einen Feuerball ins Gesicht warf. Danach ließ er seinen Vertrag auslaufen und ging schließlich zu WCW.
Hart folgte ihm vier Jahre später, es gab dort doch noch ein Match der beiden – aber nicht ansatzweise in dem Rahmen, der dem Gigantenduell gebührt hätte.
„Hinterhältiger Steroid-Freak“
Der Hitman ist deswegen bis heute sauer auf Hogan und lässt ihn das immer wieder spüren, wenn er auf das Thema angesprochen wird.
Hogan sei ein „doppelgesichtiger, hinterhältiger Steroid-Freak“, meinte Hart einmal. Der Hulkster hätte Angst gehabt, gegen einen technisch besseren Wrestler zu verlieren und dabei womöglich vorgeführt zu werden. Hogans Ego hätte es außerdem nicht verkraftet, dass sich zu diesem Zeitpunkt wohl ein größerer Teil der Fans hinter Hart statt hinter ihn gestellt hätte.
Der Hulkster wies die Vorwürfe zurück: Duelle zwischen Publikumslieblingen wären damals weniger üblich gewesen, es hätte Hart eher geschadet gegen Hogan anzutreten. Den Titel stattdessen über Bande an Yokozuna abzutreten wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen.
Hogans Ego, Harts Verbitterung
Zwei Jahre vorher hatte Hogan allerdings sehr wohl schon einmal seinen Titel gegen einen anderen Fanliebling verloren: Den 2014 verstorbenen Ultimate Warrior, der eigentlich als sein Erbe vorgesehen war – dann aber wegen Streitigkeiten hinter den Kulissen die Liga verließ.
Hogan behauptete im Nachhinein, dass dieses Match „das Publikum auch im Nachhinein gespalten hätte“ und er Hart ein ähnliches Szenario ersparen wollte – was Hart als fadenscheinig empfindet.
Der Warrior war einer der wenigen, dem Hogan einen klaren Sieg über ihn zugestand. Nicht nur von Hart wurde er deshalb beschuldigt, seinen eigenen Nimbus immer wieder über das große Ganze gestellt und damit vielen Kollegen geschadet zu haben.
Hart wiederum muss sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, verbittert zu sein und seine alten Konflikte nicht hinter sich lassen zu können. „Bret Hart hasst alle, das hört nie auf“, winkte Hogan einmal ab, als er auf das gestörte Verhältnis angesprochen wurde.
Das böse Blut versiegte nie
Noch wenige Monate vor Hogans Tod im vergangenen Jahr gab es neuen Wirbel: Auslöser war die Verbreitung eines gefälschten Social-Media-Beitrags, der behauptete, dass es neuen Ärger zwischen den beiden gegeben hätte. Demnach hötte Hogan – 2015 durch einen Rassismus-Skandal ins Zwielicht geraten – Harts afroamerikanische Frau Stephanie beleidigt und Hart Hogan deshalb Prügel angedroht.
Hart wandte sich im Februar 2025 an seine Fans und stellte klar, dass der Tweet Fake sei, es habe keinen derartigen Vorfall gegeben. Im selben Atemzug erklärte Hart dann aber, dass er „dem orangehäutigen Heuchler“ aber sehr wohl eine langen würde, sollte er derartiges tatsächlich tun. Hogan wisse aber schon, dass er sich dies bei ihm nicht trauen sollte.
Fünf Monate später, am 24. Juli 2025, starb Hogan. Aus dem unverdauten Ärger über ihn machte Hart auch danach weiter keinen Hehl.
„Man kann nicht leugnen, dass die Fußstapfen, die Hulk Hogan hinterlassen hat, riesig sind, vielleicht die größten, die es je gegeben haben wird“, sagte Hart wenige Tage später in einem Interview mit der Masked Man Show – dennoch schmälere es sein Vermächtnis, dass er nie versucht hätte, jemanden aus der Generation nach ihm auf sein Level zu heben: „Hulk Hogan hat das nie für jemanden getan. Er hat nie jemanden hochgezogen.“
Das böse Blut ist nie versiegt.