The-Rock-Cousine Nia Jax, die früheren NXT-Champions Keith Lee und Karrion Kross und deren Lebensgefährtinnen Mia Yim und Scarlett, Ember Moon, Franky Monet.

Die neueste Entlassungswelle von WWE vor einer Woche hat erneut bekannte Namen getroffen – Stars, die eigentlich einen sicheren Platz in der Hierarchie zu haben schienen. Oder wie aussichtsreiche Anwärter auf eine goldene Zukunft wirkten.

Nun könnte stattdessen einmal mehr Konkurrent AEW profitieren und vor einer weiteren Reihe interessanter Verpflichtungen stehen – zumal auch die WWE-Verträge von Kevin Owens, Sami Zayn, Kyle O‘Reilly und Johnny Gargano demnächst auslaufen sollen.

Was ist hier aus WWE-Sicht schiefgelaufen? Liegt der Fehler wirklich nur bei den Kündigungssopfern? Oder ist der große personelle Umbruch Ausdruck eines Systemproblems?

Setzt WWE auf die falschen Talente? Hakt es an der konsequenten Förderung? Oder legt der ewige WWE-Boss Vince McMahon falsche Maßstäbe an, was die Wrestling-Stars von heute und der Zukunft ausmacht?

Marcus Hinselmann und Martin Hoffmann diskutieren in der neuen Ausgabe von Heelturn – der SPORT1 Wrestling Podcast über die Hintergründe und die Folgen einer weiteren großen Umwälzung der Wrestling-Landschaft – die aktuelle Episode ist jetzt online auf SPORT1, Spotify, Apple Podcasts, Deezer und überall wo es Podcasts gibt.

Der Fall Karrion Kross:

Martin Hoffmann meint: „Einerseits bin ich nicht der Meinung, dass Karrion Kross unbedingt zum ganz großen Star bei WWE getaugt hätte. Andererseits: Bei NXT hat WWE alles richtig mit ihm gemacht, einen coolen Act inszeniert – das Theme, der Entrance, Scarlett – und dann kommt er ins Main Roster und man lässt nichts von dem übrig, was ihn ausgemacht hat. Warum? Ist da wegen der politischen Streitigkeiten um den NXT-Kader ein Exempel an ihm statuiert worden, hat man ihn auflaufen lassen, um zu zeigen, dass das „alte“ NXT von Triple H Mist war in den Augen der jetzt Verantwortlichen? Man kann sich alles vorstellen, es ist absolut rätselhaft.“

Marcus Hinselmann meint: „Es ist ja ein wiederkehrendes Muster, dass WWE bei erfolgreichen Leuten von NXT im Main Roster auf einmal alles anders gemacht hat, ihnen wegnimmt, was sie vorher erfolgreich gemacht hat – und damit gescheitert ist. Es ist die Frage, ob das jetzt immer noch so weitergeht mit dem neuen „NXT 2.0″, das nun mehr auf die Philosophie des Main Rosters zugeschnitten ist. Es wäre es nicht das Schlechteste.“

Der Fall Keith Lee:

Martin Hoffmann meint: „Das Kuriose am Fall Keith Lee ist ja, dass bei ihm der Zündfunke durch seine ersten Hauptkader-Gastspiele Ende 2019 / Anfang 2020 gekommen ist. Wie er bei der NXT-Invasion und im Royal Rumble als kommender Megastar auf Augenhöhe mit Roman Reigns und Brock Lesnar dargestellt wurde: Vince McMahon hat da ja offensichtlich viel in ihm gesehen. Dann aber macht NXT Lee richtig groß, er kommt wieder – und McMahon weiß bei näherer Betrachtung doch nichts mit ihm anzufangen. Das Fatale bei Lee: Das, was ihn abgehoben hat, waren die für einen Big Man besonders spektakulären Aktionen. Damit passt er eigentlich nicht in die Vision von McMahon, der seinen Riesen so etwas immer abgewöhnt hat und ihnen beigebracht hat, wie ein Riese zu kämpfen und auf Powermoves zu setzen. Das Problem, wenn du das einem Keith Lee aufzwingst: Er sticht dann nicht mehr hervor.“

Marcus Hinselmann: „Keith Lee ist jemand, den ich bei AEW weit oben auf der Liste potenzieller Verpflichtungen sehe – seine Freundin Mia Yim auch, sie passt dorthin, hat im Main Roster von WWE nur keine richtige Chance bekommen zu zeigen, was sie kann.“

Wissenswertes zum Thema Wrestling:

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Liegt der Fehler bei WWE im System?

Marcus Hinselmann: „Es gibt ja weiterhin durchaus positive Beispiele für von WWE erfolgreich geförderte Talente, Bianca Belair war in den vergangenen Jahren das beste Beispiel dafür, wie es laufen kann und soll bei der Kreation eines eigenen Stars. Aber wenn ich sonst zurückdenke: Wer ist in den vergangenen Jahren sonst auf diese Weise eingeschlagen?“

Martin Hoffmann: „Es ist jetzt mittlerweile schon einige Jahre her, dass WWE das letzte Mal ein jüngeres Talent als Star erkannt und erfolgreich geformt hat – und es fällt auf, dass bei den Männern bis vor kurzem jeder, der einen Schub bekommen hat, auch schon mindestens Mitte 30 ist, so wie Riddle oder Damian Priest, Kross und Lee ja auch. Kann es sein, dass Vince McMahon mit über 75 und seine engsten Vertrauten, die auch alle schon über 60 sind, ein Problem damit haben, jemanden als Star anzuerkennen, den sie nicht als gestandenes Mannsbild wahrnehmen? Es fällt auf jeden Fall auf, dass WWE seit längerem Schwierigkeiten damit hat, jüngere Stars für ein jüngeres Publikum zu finden. Da hat AEW ihnen zuletzt vorgemacht, wie es geht. Die Behauptung ist nun, dass sie bei WWE das Problem mit dem neuen „NXT 2.0″ gelöst haben. Ob das aber wirklich stimmt, muss sich erst zeigen.“

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