WWE-Konkurrent All Elite Wrestling hat eine der größten lebenden Legenden der Showkampf-Welt offiziell für sich gewonnen – und bei einer seiner größten Shows des Jahres zahlreiche Weichen neu gestellt.
Beim Pay Per-View Double or Nothing im ausverkauften Louis Armstrong Stadium in New York hat AEW die schon vorab angedeutete Verpflichtung von WWE-Hall-of-Fame-Mitglied Mick Foley offiziell gemacht. Auf die Verkündung des großen Personalcoups folgte ein vollgepacktes Hauptevent mit zahlreichen Titelwechseln und Story-Wendungen.
Im Hauptkampf der Show holte sich MJF den World Title in einem „Hair vs. Title Match“ von Darby Allin zurück. Im Vorfeld krönte sich das bei AEW wieder vereinte Legendenduo Adam Copeland und Christian Cage (ehemals Edge und Christian) mit Tag-Team-Gold.
AEW Double or Nothing: Mick Foley ist „All Elite“
Der 60 Jahre alte Foley, der seinen langjährigen Arbeitgeber WWE aus Protest gegen dessen aus seiner Sicht zu enge politische Connection mit US-Präsident Donald Trump verlassen hatte, fungierte in seinem Heimatstaat als Co-Moderator der Kickoff-Show.
Er bestätigte dabei die Vermutungen, dass er einen festen Vertrag bei AEW unterschrieben hat. Der einst große Rivale von Ikonen wie dem Undertaker, The Rock und Triple H sprach von einer „Ehre“: Er sei von AEW schon seit längerer Zeit sehr angetan, wegen der Liga von Tony Khan habe er sich „neu ins Wrestling verliebt“.
Bei seinem umjubelten und rhetorisch wie immer sehr geschliffenen Auftritt wurde Foley direkt ins Story-Geschehen involviert. Erzbösewicht MJF verstrickte ihn in ein Rededuell und verpasste Foley nach einer Weile einen Tritt in die Weichteile.
Der zu diesem Zeitpunkt noch amtierende Champion Allin kam Foley zu Hilfe und vertrieb MJF. Foley hielt dann noch eine kleine Motivationsrede für Allin: Der ehemalige Mankind erklärte, dass er sich von Allin an sein junges Selbst erinnert fühle. Auch er sei nicht der Typ, der durch seinen Look zum Superstar prädestiniert gewesen sei – wie er habe Allin sich durch kompromisslose Leidenschaft nach oben gekämpft und habe nun das Zeug, „nicht nur ein Superstar, sondern eine Legende zu werden“. Foley schloss seine Ansprache mit den Worten „Bang Bang!“, dem Motto seines Alter Egos Cactus Jack.
MJF holt sich den World Title zurück
Trotz des Zuspruchs endete Allins 40-tägige, intensive und mit wöchentlichen Titelverteidigungen gespickte Regentschaft am Ende des Abends: In einem wie für Allin üblich brutal geführten Match triumphierte MJF am Ende nach zwei Tombstones vom Seil – und ein noch dickeres Ende für Allin folgte.
Der ausgeknockte Zögling von Ikone Sting wurde nach dem Match auf eine rollende Trage gebunden. Als Allin dabei von MJF noch verhöhnt wurde, kam ihm scheinbar Jungstar und Weggefährte Kevin Knight zu Hilfe – nur um Allin dann stattdessen mit einem UFO Splash vom Seil zu attackieren und damit weiter zu verletzen.
Eine Erklärung für den unerwarteten „Heel Turn“ blieb zunächst aus, Allins nächste Fehde scheint damit jedoch klar – während MJF wohl als Champion zum Jahreshöhepunkt All In im Londoner Wembley-Stadion reisen wird.
MJF trifft in Wembley auf den Sieger des jährlichen Gedenkturniers für den vorgestern vor 27 Jahren tödlich verunglückten Owen Hart. Bei Double or Nothing stiegen zwei Viertelfinals, in denen sich Swerve Strickland gegen Bandido und der Brite Will Ospreay gegen Samoa Joe durchsetzten.
Copeland und Cage entthronen FTR
In einem weiteren großen Match gewannen die mittlerweile je über 50 Jahre alten Altmeister Copeland und Cage die Tag-Team-Gürtel in einem „I Quit Match“ von FTR – mit etwas Hilfe von Copelands Ehefrau Beth Phoenix, die die Präsenz von FTR-Manager Stokely Hathaway konterte.
Auch Copeland und Cage dürften in Wembley eine tragende Rolle spielen, es sieht nach einem Duell mit den AEW-Mitgründern The Young Bucks aus – oder einem Dreikampf mit den Bucks und FTR.
Einen weiteren Titelwechsel gab es in dem mit Spannung erwarteten japanischen Duell um den International Title, in dem Konosuke Takeshita den ehemaligen IWGP World Champion Kazuchika Okada entthronte. Anschließend eskalierten die sich seit Längerem andeutenden Streitigkeiten, als Okada und der aus einer Verletzungspause zurückkehrende Kyle Fletcher sich gegen Takeshita wandten und ihn aus der Don Callis Family warfen.
Damenchampion bei AEW blieb die Österreicherin Thekla, die sich in einem Vierkampf gegen Jamie Hayter, Kris Statlander und Hikaru Shida durchsetzte – und dabei davon profitierte, dass Shida sich dabei am Ende gegen die bisher mit ihr verbündete Statlander stellte.
In einem chaotischen und starbesetzten Co-Main-Event wurde die Tradition des Stadium Stampede Matches quer durch die Arena wiederbelebt: Ein Siebenerteam um den kürzlich zu AEW zurückgekehrten Chris Jericho – mit Kenny Omega, den Bucks, Jack Perry, Bobby Lashley und Shelton Benjamin besiegte dabei ein Bündnis um Ricochet und dessen Gruppierung The Demand.