Immer wenn man dachte, jetzt habe Severin Freund seinem slowenischen Rivalen den Zahn gezogen, setzte Peter Prevc noch einen drauf.
136 Meter sprang Freund zum Jubel der deutschen Fans im Probedurchgang von Bischofshofen, Prevc konterte mit 138,5.
Auch im ersten Durchgang flog Freund auf die Marke von 136 Metern, Prevc erhöhte auf 139. Im zweiten Durchgang zauberte der Deutsche seinen besten Tourneesprung hervor, landete bei 141 Metern.
Er schien Prevc geknackt zu haben. Doch der sprang völlig unbeeindruckt einfach noch weiter, auf fast schon unglaubliche 142,5 Meter.
„Prevc war deutlich besser“
Dem slowenischen Überflieger war bei der 64. Vierschanzentournee einfach nicht beizukommen.
Die Vierschanzentournee ist eines der legendärsten Sportevents der Welt – und hat zahlreiche Geschichten und Helden hervorgebracht. SPORT1 zeigt den Mythos.
„Man muss sportlich sagen, dass da in Peter Prevc einer deutlich besser war“, gratulierte Freund fair.
Der historische Podestplatz, dem ersten für Deutschland bei der Vierschanzentournee seit acht Jahren, brachte dem Niederbayern zwar einiges an Genugtuung, Stolz und Anerkennung.
Doch Weltmeister Freund wäre nicht ein so großer Champion, wenn er nicht nach der Nummer eins im Skisprung-Zirkus streben würde.
Nicht einmal der Wind kann Prevc stoppen
Stellt sich die Frage, wie er Prevc diesen Rang streitig machen kann. Bei seinen drei Siegen in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen hatte der Slowene tendenziell sogar jeweils schlechtere Windbedingungen als die Konkurrenz und sprang dennoch weiter.
Freund und die internationale Konkurrenz sollten schnellstmöglich Mittel finden, Prevc beizukommen.
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Denn es geht Schlag auf Schlag weiter für die Skispringer, und der Zweikampf Freund vs. Prevc in die nächste Runde. Bereits am Samstag steht in Willingen der nächste Heim-Weltcup auf dem Programm. Vor 30.000 enthusiastischen deutschen Fans bietet sich Freund die Chance zur Revanche.
Und in der darauffolgenden Woche gibt es gleich das nächste Highlight, die Skiflug-WM am Kulm in Österreich.
Schuster glaubt an Freunds Chance
Bei der spektakulären Weitenjagd und Flügen auf bis zu 230 Meter geht es für Freund auch um die Verteidigung seines Titels als Skiflug-Weltmeister. Doch hat er gegen Prevc eine Chance?
Bundestrainer Werner Schuster glaubt ja. Er sieht seinen Schützling immer näher herankommen an den Tournee-Champ: „Prevc war am Anfang der Tournee zu weit weg, da waren es fünf bis acht Meter. Am Schluss haben wir den Rückstand auf zwei Meter verkürzt und Severin konnte ihn unter Druck setzen.“
Er setzt auf die Politik der kleinen Nadelstiche und hofft auf ein internationales Bündnis mit Norwegern und Österreichern. „Wichtig ist, dass ihn auch andere unter Druck setzen.“
Dann könne Prevc Nerven zeigen.
Technisch auf ähnlichem Niveau
Technisch ist der Unterschied zwischen Freund und Prevc marginal. Beiden gelingt es nach dem Absprung, unheimlich schnell in die Vorlage zu kommen.
„Nur im letzten Flugdrittel ist Prevc noch etwas näher am Ski“, analysierte Schuster. Dadurch holt der Slowene unten am Hang noch ein paar km/h mehr Geschwindigkeit und ein paar Meter mehr heraus.
Freund glaubt aber fest daran, dass er das kleine Stück, das ihm auf den Gesamtweltcup-Führenden noch fehlt, auch noch aufholen kann:
„Auch wenn das Bild derzeit gefestigt scheint: Die Saison ist noch lang, es kann sich vieles nach vorne oder hinten ändern.“