Anderthalb Monate nach ihrem Horrorsturz bei den Olympischen Spielen sind die Auswirkungen bei Lindsey Vonn noch immer zu erkennen. Dennoch zeigt sich die US-Amerikanerin selbstbewusst und voller Energie im Abendkleid auf dem Cover der Vanity Fair.
Die Pflaster an ihrem Bein erinnern an die schwere Schienbeinfraktur, bei der der Knochen nach ihrem Sturz in mehrere Teile zerbrach. „Mein Bein war gebrochen. Meine Ski waren noch dran“, erinnerte sich Vonn an die unmittelbaren Folgen des Olympia-Dramas und beschrieb die Situation anschließend detailreich.
„Mein Bein war verdreht, ich konnte die Ski nicht ausziehen. Ich konnte mich nicht bewegen und habe um Hilfe geschrien“, erklärte Vonn, die von einem Hubschrauber direkt ins Krankenhaus geflogen wurde.
Schmerzmittel verloren Wirkung: „Ich schrie aus voller Kehle“
Doch die Schmerzen hielten an. Vonn schilderte, dass die Schmerzmittel während einer Untersuchung im Computertomografen (CT) plötzlich aufhörten zu wirken. „Ich schrie aus voller Kehle: Holt mich hier raus! Es wollte einfach nicht nachlassen. Es hörte nicht auf. Das hat sich mir tief ins Gehirn eingebrannt“, sagte die viermalige Gesamtweltcupsiegerin.
Insgesamt musste Vonn nach dem Sturz fünfmal operiert werden, ehe sie nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Heute ärgert sich die US-Amerikanerin: „Ich war die Nummer eins der Welt und möglicherweise auf dem Weg zu einer olympischen Medaille. Jetzt sitze ich im Rollstuhl.“
Doch laut ihrem Arzt Tom Hackett, der in der Vanity Fair ebenfalls zu Wort kommt, hätte es auch deutlich schlimmer kommen können. „Es wurde immer schlimmer und sie sprach nicht auf riesige Mengen an Fentanyl, Morphin, Oxycodon – einfach auf jedes nur erdenkliche Betäubungsmittel – an“, beschrieb Hackett und erläuterte anschließend die eigentliche Gefahr.
Vonn musste um ihr Bein fürchten und denkt an Comeback
Bei Vonn hatte sich ein sogenanntes Kompartmentsyndrom entwickelt. Hierbei entsteht ein gefährlicher Druck im Gewebe, der Nerven zerstört und die Blutversorgung behindert wird. „Es bestand eine große Gefahr, dass sie ihr Bein verliert“, erklärte Hackett.
Inzwischen arbeitet Vonn jeden Tag hart in der Reha, um wieder vollständig gesund zu werden. Auch ein Ski-Comeback schließt die 41-Jährige nicht aus: „Ich will keine Tür zumachen, weil man nie weiß, was noch passiert. Ich wollte nicht, dass meine Karriere so endet.“