„Die Bedingungen sind ein Witz!“

Diese drastischen Worte fand der schwedische Biathlet Jesper Nelin nach dem Verfolgungsrennen im französischen Le Grand Bornand, das der Norweger Sturla Holm Lägreid für sich entschieden hat.

Der Sieg rückte aber in den Hintergrund, denn zahlreiche Athleten und später auch Athletinnen hatten große Probleme auf der Loipe. Zahlreiche riskante Manöver, Fast-Stürze und auch Stürze prägten das Bild der Wettkämpfe am Samstag.

Als eines der Sinnbilder für diesen Tag bleibt der Zieleinlauf von Denise Herrmann-Wick in Erinnerung. Statt des klassischen Freistil-Laufstils schob sie sich mit Doppelstockschub über die Ziellinie.

„Es war sehr schwierig, überhaupt Grip zu bekommen. Das hat man bei den Männern ja auch schon gesehen. Man ist eigentlich dauerhaft weggerutscht“, beklagte die Siebte danach im ARD-Interview.

Bö und Samuelsson kritisieren Organisatoren

Deutlichere Worte fand derweil Sebastian Samuelsson. „Es ist eine Schande, weil sie unglaublich gute Bedingungen hatten, mit denen sie arbeiten konnten und es trotzdem so schlecht gemacht haben“, kritisierte er im beim schwedischen Fernsehsender SVT.

Sein Konkurrent Johannes Thingnes Bö sprach gar von einem „Desaster“. „Es erstreckte sich über die gesamte Strecke, bei allen Schüben. Wenn ich stehen blieb, kam ich nicht mehr vorwärts“, schilderte er dem norwegischen Sender NRK und ergänzte, „es war eine Art organisatorischer Skandal, weil sie den Verlauf komplett verpasst haben.“

So kam es, dass der bisherige Dominator des Biathlon-Winters auf der Strecke unter seinen Möglichkeiten blieb. Am Ende war er über zwei Minuten langsamer als der schnellste Athlet in der Loipe – ein ungewohntes Bild.

So konnte er auch sein eigentlich starkes Finish nicht zeigen. Statt nochmal den führenden Lägreid anzugreifen, verlor er auf den ersten 700 Metern der Schlussrunde zehn Sekunden auf den hinter ihn liegenden Vetle Sjaastad Christiansen, der so aufschloss und dann seinem Landsmann bis zum Ziel um weitere zehn Sekunden distanzierte.

Super G statt Biathlon? Dale ledert gegen Streckenverhältnisse

Kein Wunder, dass sich dort manch einer im falschen Film gefühlt hat. „Das ist eine Parodie eines Rennen. Ich komme ins Stadion und es ist eiskalt. Ich habe das Gefühl, dass wir den Super-G in Gröden fahren werden. Es ist absolut schrecklich“, polterte Johannes Dale, der wie Bö massiv Zeit auf der Strecke verloren hatte.

Ida Lien fühlte sich gar „wie Bambi auf dem Eis“, während Karoline Knotten schimpfte: „Das ist die dümmste Sache, bei der ich je mitgemacht habe.“

Selbst der siegreiche Lägreid monierte die schlechten Streckenverhältnisse: „Ich war ehrlich gesagt geschockt, dass sie die Piste nicht gespurt hatten, denn vor dem Start war es extrem eisig.“ Deswegen fühle sich der Sieg auch nicht wie sonst an, denn „man würde lieber siegen, weil man der Beste ist.“

DSV-Boss moniert „Equipmentrennen“ in Frankreich

Dabei hatten die Verantwortlichen extra den Start der jeweiligen Rennen verschoben, um die Piste nochmal auszubessern. Diese Zeit half aber nicht – viel mehr musste die Männer-Verfolgung sogar verkürzt werden. „Wir werden einen Anstieg nicht laufen, weil die Abfahrt danach zu gefährlich ist“, sagte Christian Winkler vom Weltverband IBU in der ARD vor dem Rennen. Wirklich geholfen hat es nicht.

Für Biathlon-Legende Ole Einar Björndalen war das Vorgehen bei der Streckenpräparierung „dumm“ und „lausig“. Für den Experten beim norwegischen Sender TV2 ist klar: „Sie haben die Strecke zu früh in der Nacht gemacht, und dann wird sie steinhart. Sie hätten es heute Morgen machen sollen.“

Der DSV-Sportdirektor für den Biathlon-Bereich, Felix Bitterling, zeigte sich ebenfalls verärgert, schließlich sei es ein „Equipmentrennen“ gewesen. Auffällig war schließlich, dass besonders der Ski der Marke Fischer mit den Bedingungen überhaupt nicht zurecht kam. Gleichzeitig nahm er die Verantwortlichen aber auch etwas in den Schutz. „Es ist schwierig zu präparieren, wenn die Minusgrade erst im Laufe der Nacht kommen. Man muss die Strecke auf den Temperatur-Wendepunkt hin präparieren und wenn man das nicht schafft, dann hat man eine Art Eisrampe“, erläuterte er im ARD.

Die Verantwortlichen sollten sich die Worte zu Herzen nehmen, sodass für die Massenstart-Rennen wieder eine bessere Loipe zur Verfügung steht.

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