Die französische Biathletin Julia Simon hat trotz der Nachwirkungen der Kreditkartenaffäre, die sie sogar den Saisonstart verpassen ließ, eine erstaunliche Weltcup-Saison hingelegt und unter anderem dreimal Olympia-Gold gewonnen.
Im Gespräch mit dem Magazin Society sprach die 29-Jährige nun über die Auswirkungen der Affäre und warum gerade in dieser Zeit der Sport für sie so wichtig war: „Sobald ich auf der Strecke stand, ging es nur noch um Biathlon, weil ich an nichts anderes denken wollte.“
Simon: So half mir die Kreditkartenaffäre
Simon hatte die Kreditkartendaten ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet gestohlen und damit Einkäufe getätigt. Die ersten Betrugsvorwürfe waren bereits 2022 aufgekommen, im Sommer 2023 erstattete Braisaz-Bouchet schließlich Anzeige. Nach jahrelanger Verleumdung, gestand Simon im Oktober 2025 ihre Tat.
Auch wenn es kurios klingen mag, habe ihr die Kreditkartenaffäre am Ende aber „gewissermaßen geholfen, mich noch stärker auf mein Biathlon zu konzentrieren.“
Es half ihr auch dabei, sich selbst wiederzufinden. So stellte sie sich einige grundlegende Fragen: „Warum betreibe ich diesen Sport? Letztendlich wurde mir klar, dass ich das, was ich tue, liebe, dass Biathlon alles ist, was mich motiviert und mir Kraft gibt.“
In dieser Phase habe sie ihre „Beziehungen neu bewertet und mich auf meine Familie, meine engen Freunde und diejenigen gestützt, die mich bedingungslos lieben“, sagte Simon.
Biathlon-Star teilt gegen Medien aus
Auch die erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit löste keine Verunsicherung bei der zehnmaligen Weltmeisterin aus. „Von da an konnten die Leute sagen, was sie wollten, sie konnten mich in den Medien angreifen – und ich denke, sie haben das ganz klar ausgenutzt. Aber es hat mich nicht berührt“, schilderte sie ihre Erfahrungen.
Dass sie das wirklich alles gar nicht berührt hat, muss allerdings bezweifelt werden. Schließlich nutzte sie ihren Olympiasieg im Einzel erstmal dazu, um sich nach dem Überqueren der Ziellinie den Finger auf den Mund zu legen. Dies war eine Geste in Richtung eines französischen Journalisten.
„Ich habe am Dienstag einen Artikel gelesen. Er hat sehr schlechte Dinge über mich geschrieben und ich wollte ihm zeigen, dass ich gesehen habe, was er geschrieben hat. Dass er den Mund halten und stattdessen über Sport schreiben soll, denn dafür sind wir hier. Er weiß, dass ich ihn gemeint habe. Wenn er weiter sowas schreiben will, kann er gehen“, teilte Simon damals bei Aftonbladet aus.
Bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo gewann Simon drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Beim Saisonfinale in Oslo belohnte sie sich zudem noch mit dem Gewinn der kleinen Kristallkugel im Massenstart.
Betrugsopfer Braisaz-Bouchet wird beschimpft
Pikant: Während Simon laut eigener Aussage sogar am Ende sportlich von der Affäre profitierte, leidet ihr Opfer Braisaz-Bouchet darunter. Einige sahen in ihr offenbar eine Unruhestifterin, weshalb die Französin in den vergangenen Jahren viele böse Nachrichten erhalten hat. Eine Person habe sogar ihrer Tochter gedroht.
„Es ist momentan sehr hart. Ich habe alle meine Social-Media-Accounts gelöscht. Wir müssen uns vor allem schützen. Ich mich selbst und natürlich auch meine Angehörigen“, sagte sie dem ZDF im Dezember.
Während Braisaz-Bouchet all die Ereignisse und Negativität ihr gegenüber nur schwer abschütteln konnte und vor allem die Olympischen Spiele zu einem kleinen Albtraum für sie wurden, strahlte Simon mit den Goldmedaillen um den Hals.