Er ist wieder zurück.
Kraftpaket Markus Kuhn präsentiert sich in der Vorbereitung der New York Giants auf die neue Saison in bestechender Form (Die NFL-Saison 2014 LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).
Wegen der Folgen eines Kreuzbandrisses kam erst Ende 2013 wieder zum Einsatz, für sein drittes Jahr in der NFL hat sich der Defensive Tackle von Beginn viel vorgenommen.
Ein Stammplatz und die Qualifikation für die Playoffs gibt der 28-Jährige, der sich 2012 als später Draftpick bis in die Startformation vorgearbeitet hatte, als Ziel aus.
Die Coaches loben neben seiner spektakulären Physis auch die große Lernfähigkeit. Der 1,93-Meter-Mann spricht drei Sprachen und hat einen Uni-Abschluss von der N.C. State University in Betriebswirtschaft.
„Markus hat sich sehr gut entwickelt und ist richtig tough. Er hat sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft“, sagt sein Positionstrainer Robert Nunn.
Im SPORT1-Interview spricht Kuhn auch über deutsche Tugenden, den WM-Titel der Fußballer als Motivation, Michael Sams Outing und sein Giants-Vorbild Michael Strahan.
SPORT1: Herr Kuhn, Sie gehen mittlerweile in Ihre dritte NFL-Saison. Ist die größere Routine im Kampf um einen Stammplatz ein Vorteil?
Markus Kuhn: Es ist natürlich etwas leichter, wenn du den gesamten Ablauf schon gewohnt bist. Du hast schon zweimal alles im Camp mitgemacht. Das hilft auf jeden Fall, um alles relaxter und nicht so verkrampft anzugehen.
SPORT1: 2013 kamen Sie wegen des Kreuzbandrisses erst im letzten Saisondrittel wieder zum Einsatz. Sind Sie jetzt wieder völlig fit?
Kuhn: Absolut! In der vergangenen Saison brauchte ich eine Eingewöhnungsphase, die Coaches haben es dann mit mir noch ein bisschen langsamer angehen lassen. Jetzt geht es mir richtig gut, am Knie spüre ich überhaupt nichts mehr. Ich konnte trainieren und bin fit, wie noch nie. Das ist ein tolles Gefühl. Ich kann den Saisonstart kaum noch erwarten.
SPORT1: Sie haben sich als Rookie bis zum Starter hochgekämpft. Die Coaches loben Sie für Ihre bisherige Vorbereitung. Wie stehen die Einsatzchancen?
Kuhn: Es ist natürlich das Ziel, möglichst viel Einsatzzeit zu bekommen. Die Giants haben aber immer sehr starke Spieler in der Defensive Line. Wir werden auch während der Saison ständig rotieren. Das kommt auch immer ein bisschen auf die Stärken des Gegners an. Neben mir haben wir noch drei andere sehr gute Defensive Tackle. Jeder bekommt seine Chancen und ich werde versuchen, sie bestmöglich zu nutzen.
SPORT1: Ihre große Stärke ist die Power gegen das Laufspiel. Woran haben Sie über den Sommer besonders hart gearbeitet?
Kuhn: In erster Linie arbeitest du immer an der grundsätzlichen Form. Ich habe nochmal fünf Kilo Muskelmasse zugelegt auf jetzt 315 Pfund, das sind 143 Kilogramm. Damit fühle ich mich immer noch sehr wohl und explosiv. Das wird es dann gewichtsmäßig für mich auch gewesen sein. Am Pass Rush (Jagd auf Quarterback, Anm. der Red.) muss ich noch weiter arbeiten. Das ist auch technisch noch etwas drin.
SPORT1: Die Giants waren seit 2011 nicht mehr in den Playoffs. In New York ist der Erfolgsdruck immer hoch. Wie sehen die Ziele aus?
Kuhn: Nach dem 0:6-Start haben wir 2013 sieben von zehn Spielen gewonnen. Das war ein ordentlicher Abschluss, aber bei den Giants ist immer der Super Bowl das Ziel, dafür musst du es erst einmal in die Playoffs schaffen. Daran arbeiten wir jeden Tag extrem hart.
SPORT1: Sie haben den WM-Titel der Fußballer auch über soziale Netzwerke richtig mitgefeiert. War das im Team ein Thema oder sind die Giants Fußball-Muffel?
Kuhn: Die meisten Amerikaner interessiert Fußball ja nur am Rande, als die USA dann ausgeschieden sind, war es ganz vorbei. Aber ich versuche es bei jeder Gelegenheit, zur Sprache zu bringen (lacht). Da mache ich mir einen Spaß daraus. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gefreut, dass es die Jungs gepackt haben. Ich war in Deutschland und Spanien und habe mir alle Spiele angeschaut.
SPORT1: In Brasilien wurde erneut viel über die deutschen Tugenden wie Teamgeist und Siegeswille gesprochen. Ihr NFL-Kollege Björn Werner sieht das als einen Grund, warum er es in die NFL gepackt hat. Hilft das in der NFL tatsächlich?
Kuhn: Die deutsche Mentalität hilft in der NFL auf jeden Fall. Am erfolgreichsten sind nicht die individuell besten Spieler. Auf diesem Level haben alle Jungs unglaubliches Talent. Du musst voll motiviert sein und die fürs Team beste Rolle annehmen. Es muss aber auch in der Umkleidekabine funktionieren. Das hast du bei der Fußball-Nationalmannschaft gesehen. Die verstehen sich gut und haben zusammen gewonnen. Das ist kein Zufall.
SPORT1: Giants-Legende Michael Strahan hat in Ihrem Geburtsort Mannheim Teile seiner Kindheit verbracht. Stimmt es, dass er Sie „Mr. Mannheim“ nennt?
Kuhn (lacht): Ja, es geht immer wenn er mich sieht: ‚Hey, Mr. Mannheim!‘ Er ist oft beim Training – ein wirklich richtig guter Typ und Vorbild. Er gibt mir auch immer ein paar Tipps.
SPORT1: Wie war es bei seinem Eintritt in die Hall of Fame das erste Testspiel der Saison zu bestreiten?
Kuhn: Es ist ein zweischneidiges Schwert. Das Hall of Fame Game ist ein zusätzliches, fünftes Testspiel, das auch das Verletzungsrisiko erhöht. Auf der anderen Seite ist es eine Ehre, dort zu spielen, wenn Michael Strahan in die Ruhmeshalle geht. Er ist eben eine Giants-Legende. Das war eine gute Erfahrung.
SPORT1: Ein großes Thema in der Offseason war das Outing von Michael Sam. Zuletzt heizte Ex-Trainer Tony Dungy das Thema wieder an, weil er sagte, er hätte Sam nicht verpflichtet. Wie sehen Sie das?
Kuhn: Ich muss ganz ehrlich sagen, was jemand außerhalb von Football macht, interessiert mich überhaupt nicht. Wenn sich dazu Spieler oder Trainer äußern, ist das völlig schwachsinnig. Solange der Junge spielen kann und ein guter Teamkollege ist, sollte das wirklich egal sein.